Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 12 (9.6.1922)
- Date
- 1922-06-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Nr. IS 7'K W ijl a .=;;i i . Leite 1L_Die Wahrheit etwas haben, folang» Li» Interessen der anderen Ueligionsgsnosienschafteu nicht geschmälert mrd die Juden kein» bevorzugte Stellung einnehmen werden. DaS hätte ebensogut Lord Northoliffe oder ein Araberscheich sagen können. Auch sonst scheint Weitzmanu bei Gaspari wenig Liebe gesunden zu haben, denn dieser äußerte sich sehr unzufrieden (das Wort ist ossizielles I. C. B.) Wer die Verwaltung der Heiligen Stätten und sonstige Punkte des. Palästina-Mandats. Was indes die Weitzmamrischen nicht hindern wird, dieses Intermezzo ihres Führers als Erfolg zu buchen. Das polnische Doppelspiel. Aus Anlaß einer jüdischen Denkschrift Wer die Verfolgung der Inden in Polen hetzt der von der polnischen Regitzrung inspirierte „Dziennif Poznanski" gegen die Juden in schärfster Weise. Nur die Juden seien schuld, daß Polen nicht zu einer starken und gesicherten Großmacht geworden sei. Wenn Polen Danzig verloren habe, wenn die Weichsel internationalisiert worden sei, wenn Polen irr Schlesien bedroht sei, ferner die Lostrennung großer polnischer Gebiete in Westpreußen, den tschechischen Kampf um die Borislauer Petrolenmgruben, den Polen anfgedrängten Vertrag zur? Schutze der Minderheiten und alle anderen BeschrLnkuagen und Schäden verdanke Polen den jüdischen Elementen. Dieses gegen die Julden erhobene Sündenregister hat die polunche Regierung nicht gehindert, ihren Vertreter im Völkerbund, Prof. Simon A s ch k e n a s i, in Anerkennung seiner Verdienste um den Staat gelegentlich der Verhandlungen über Oberschlesien und Wilna den höchsten polnischen Orden zu verleihen. Soll diese Auszeichnung vielleicht ein Pflaster auf die Wunde sein, die dem Judentum in Polen geschlagen wurde? Oberrabbiner Fürst im Aguda-Waisenhaus, Baden. Oberrabümer I. Fürst, Rabbiner der Adaß Jisroel (Schisischul), besuchte Mprrtwg, den 9. Silvan, das Uguda-WaisenhauS Baden, bei welcher Gelegercheit er Äie Waisentinder einem vierstündigen Verhör unte^og; erst unterhielt sich der Oberrabbiner mit den kleinen Knaben von 7 bis 10 Jahren, und prüfte sie eingehend in Chumisch/ alle antworteten mit größter Schnellfertvgkeit, dann wurde die zweite Klasse Chmrnsch und Raschi verhört, auch diese wußten rn allen an sie gestellten Fragen sofort Bescheid, nNd schließlich die Ochste Klasse, die den ganzen Perek „Hamafkid" mit einer solchen Sicherheit und Verständnis hersagten, wie es nur gute Jeschiwoh Baschurim imstande sind. Herr Oberrabbiner Fürst war hocherfreut über die Leistung der Anstalt und konnte nicht oft genug seine Zufriedenheit auHprechen. Jubiläum der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Am 21. Maibeging die im Titel genannte Anstalt die Feier chres fünfzigjährigen Bestandes unter Beteiligung zahlreicher Vertreter der Behörden, Körperschaften früherer und jetziger Hörer, wobei in allen, bei diesem Anlasie gehaltenen Reden die hohe Bedeutung dieser Hochschule hervorgehoben wurde. Männer, . wie Moritz Lazarus und Ludwig Philippsohn, Abraham Geiger und Israel Lewy, David Cassel - und Hajim Steinthal, cnOÄteten hier gemeinsam ohne störende Betonung -der starken Gegensätze, die zwischen manchen von ihnen bestanden, an der Durchforschung und Bereicherung der jüdischen Wisienschaft, in dem Streben, ihren Zuhörern die Quellen des Glaubens zu erschließen und einen großen Teil von ihnen. zu begeisterten Lehrern und Führern jüdischer Gemeinden heranzubilden. Denn wenn auch die Pforten der Hochschule, ähnlich wie die der Universitäten allen Lernbegierigen, die eine gewisse allgemeine VorbiDung hatten, auch Frauen und Nichtjnden, In- und AuÄaWern, offenftanden, so bestand doch naturgemäß der übrrwiegwld» D»il d»» HSrsrsthast an- Männ»rn, denen die cheologische Laufbahn vo r schwebte, eine Tatsache, welche in immer stärkeren Maße in die Erscheinung trat und auch auf die Gestaltung der inneren Einrichtungen der Anstatt nicht ohne Einfluß -geblieben ist. Trotz der schweren Zeit, oder vielmehr infolge dieser, hat die Hochschule für die Wisienschaft des Judentums ihre Daseinsberechtigunlg eher gemchrt als gemindert und bleiben ihr die alten Sympathien aller über der Partecherklüft-ung sichenden Juden -gesichert und ein ehrenvoller Weiterbestand verbürgt. Jude» unter sich. Bon einem aufreizend skandalösen Rechtsstreit nehmen Budapester Antisemitenblätter wohlgefällig Kenntnis. Dort standen kürzlich zwei Juden als Prozeßparteien gegeneinander. Zwischen dem jüdischen Hauseigentümer Adolf Parta und seiner Partei, dem Beamten Adolf Satardi, kam es zu einem Worttvechsel, in desien Verlause Frau Sakavdi den Hausherrn einen ..schmutzigen Juden" nannte. In dem hieraus entstandenen Eyrenbeleidigungsprozeß wurde Frau Sakardi zu 400 Kronen Geldstrafe verurteilt, otrib als das Urteil rechtskräftig wubde, kündigte Parta den Eheleuten Sakardi unter Berufung auf das Mietergefetz wegen skandalösen Verhaltens und wegen Ehrenbeleidignng die Wohnung. So .kam der Kündigungsprozeß vor den Bezirks richtet-. Der Vertreter der Geklagten führte in feinem Plaidoyer aus, daß der inkriminierte Ausdruck keine Ehrenbeleidigung sei, besonders wenn er von einem Juden den anderen zugerufen werde. Demzufolge könne dies kein Grund für die Kündigung sein. Der Bezirkslichter machte sich die Argumentation des jüdischen Rechtsvertreters des jüdischen -Geklagten mit Wohlbehagen schmunzelnd zu eigen und erklärte die Wohnungekündlgung für rechtstvidrig. Die Not unter den jüdischen Studenten in Wien. Zu diesem höchst betrübsamen Kapitel hat der Jüdische Hochschulausschuß eine Denk- und Mahnfchrift Hinausgegeben, die auf lvenigen Seiten viel des schweren Elends schildert, mit dem die bedürftige jüdische Studentenschaft zu kämpfen hat, und diese Gruppe ist bei der jetzigen wirtschaftlichen Lage die weitaus größte. Es sind ergreifende Bilder, die, nach bereits erschienenen Zeitungsartikeln, anfgorollt werden und durch die bloßen angeführten Tatsachen Stimmung machen. Diese Stimmung hat 'bereits den schönen Erfolg gezeitigt, daß auch von nicht korporativer Stelle namhafte Spenden für die gute Sache gebracht wurden, aber immer -noch nicht in dem dliusmaße, das der trostlosen Sachlage entsprechen könnte. Um hierüber richtige Vorstellung zu geben, lassen wir die nackten Tatsachen sprechen, wie sie in dem folgenden Appell des Jüdischen Hochschulausschusies die beredtesten Worte sinden: An die jüdische Bevölkerung. Im Bewußtsein der Verantwortung für das Schicksal von fünftausend jüdischen Studenten, wendet sich der Jüdische Hochschulausschuß als Exekutive des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler Oesterwichs „Judäa", gezwungen durch äußerste Not, an die jüdische Osffentlichkeit mit der Bitte, den arg bedrohten, lebenswichtigen Institutionen der jüdischen Studentenschaft, zu Hilfe zu eiben, i Die Mensa academica des Jüdischen Hochschulausschusies, in der täglich 1400 arme jüdische Studenten zum Teile unentgeltlich, zum Teile zu sehr geringen Preisen mittags und Wends ausgespeist werden, kanrpft mit den größten materiellen Schwierigkeiten. Die stets fortschreitende Verteuerung aller LÄrensmittel verursacht Defizite von MMvnen, zu deren Deckung di» vorhandenen Geldmittel bei weitem nicht reichen. Der Zusammenbruch der Mensa;v, « v,' Ä -r-