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Die Wahrheit · 1922-06-09 · Heft 12 (9.6.1922) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 12 (9.6.1922)
Date
1922-06-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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wäre für 1400 jüdische Studenten gleichbedeutend mit der Vernichtung ihrer Existenz. Der Jüdische HochschulauSfchuß macht alle Anstrengungen, um das drohende Unheil abKuwenden. Ohne rascheste Hilfe der breitesten jüdischen Oeffentlichkeit werden jedoch seine Anstrengungen wenig fruchten, Hunderte jüdischer Studenten sind nicht imstande, die abermals aufs Zehnfache erhöhten Jnskriptionst a x e n, die für ein Semester, je nach der Fakultät, 60.000 bis 120.000 Kronen betragen, zu bezahlen. Der Jüdische Hochschulausschuß hat immer für die ärmsten Kollegen Studiengelder gezahlt. Jetzt wäre er leider nicht imstande dies zu tun. Auch die Beistellung unentgeltlicher Lehrbehelfe, wie Bücher, Skripten, Instrumente u. dgl. m. wird nicht erfolgen können. In Spitälern und E rh o l u n g s h e i m e tt befmden sich arme, kranke jüdische Studenten. Der Jüdische Hochschulausschuß zahlt die Krankenkosten und stellt Medikamenten bei. Er folgt den Rekonvaleszenten und Unterernährten nach ärztlicher Borfchrift L e b e n s mit t e l zn. b u ß e u unentgeltlich aus. Auch diese weitverzweigte K r a n k e n f ü r s o r g e steht vor der Einstellung, weil die vorhandenen Geldmittel zur Neige gehen. In den Grinzinger Baracken dient ein Objekt 50 jüdischen Studenten als Wohnung. Dort mangelt es an Bettwäsche, Decken und an notwendigsten Einrichtungsgegenstanden. Hilflos steht der Jüdische Hochschulausschuß dieser Not gegenüber. Auch dieses bescheidene S t u d e u t e u \) c i m kann er nicht erhalten. Drei Jahre hindurch konnte der Jüdische .Hochschulausschuß all seine Ausgaben, die sich aus acht bis zehn Millionen Kronen monatlich belaufett, aus den Mitteln bestreiten. die er teils int Auslände ansgebracht, teils von der „Jutercollegiale Menorah Association, New-Pork", vom -American Joint Distribution Committee" und anderen Institu t io ucu erhalten bat. Nun aber sind diese Quellen um Verist egen. Der Jüdische .HochsHulausschuß wendet sich an alle Wohltäter und Menschenfrerinde mit r er dringenden Bitte um rasche und ausgiebige Hilfe, die allein den Zusammenbruch aller lebenswichtigen, unter größten Opfern geschaffenen und ausgebauten Institutionen der jüdischen Studentenschaft verhindern kann. Abschied S. Bettelheims. Am 1. d. M. schied Herr S. B e t t e l h e i m von dem Posten des Chefredakteurs der „Jüdischen Presie", auf dem er sich seit dem Bestände dieses tapferen Blattes, also zwei Jahre, ehrenvoll behauptet hat. Eilte diesbezügliche Notiz in der Nr. 20 der „Jüdischen Presie", von Herrn Bettelheim unterzeichnet, gibt die Gründe seines Entschlusses nicht bekannt. Sie mögen welcher Art imimer sein, die Tatsache ist an sich und' für das Blatt, dein der bisherige Chefredakteur seine Dienste zur BerMguna gestellt hat, bedauerlich, denn die Leser der „Jüdischen Presie" haben Herrn S. Bettelheim als einen hochbegabten, kenntnisreichen und temperamentvollen Zeitungsmann kennen gelernt, desien hervorragendes Talent auch jene gerne anerkennen, die außerhalb seiner Parteikreise stehen. Beremsjubiläum. Der jüdische Verein „N ord- O st" begeht am 17. Juni im Hotel Continental die Feier seines fünfzehnjährigen Bestandes. Gleichzeitig wird die fünfzehnjährige Tätigkeit des unermüdlichen Obmannes des Vereines Herrn Adolf Hecht gefeiert. Die Festrede hält Herr Robb. Dr. Grün Wald. Einen Prolog, verfaßt von Dr. Emil H echt, Sekretär der Südbahn, wird Frau Alice Kreindler sprechen. Hervorragende Kunftkrafte haben ihre Mitwirkung zugesagt. Theater, Kunst und Literatur Theodor Zlocisti: Moses Heß, der Vorkämpfer des Sozialismus und Zionismus 1812 bis 1875. Zweite, vollkontuten neu bearbeitete Auflage, »Berlin, Welt-Verlag 1921. — Moses Hetz: Svzi'aliWsche Aussätze, 1841 bis 1847, herausgegsben von Theodor Zlocisti. In der Gegenwart darf alles, was über die Geschichte 'des Sozialismus erscheint, . auf ganz besonderes Interesse rechnen, denn wenn auch nach den Jahren der Revolution das politische Loben alltnählich in rtchigere Bahnen hm übergletitet, so beschäftigt man sich doch um so intensiver mit der wissenschaftlichen Erforschung 'der Arbeiterbewegung. lieber Ferdinand Lasialle und über Karl Marx ist schon sehr viel geschrieben worden. Mer nicht minder hat Moses Heß an der Wiege des Sozialismus gestanden. Er interessiert uns in diesem Zusammenhang noch mehr, weil er ungleich tiefer im Judentum gewurzelt war als die beiden vorhin genannten Männer. Ist er ja nicht rtm/r ein Vater des Sozialismus, sottdern auch ein Vater des Zionismus gewesen. Der Hinweis auf feine Schrift „Nont und Jerusalem" dürfte in diesem Zusammenhang genügen. Die Biographie, die Zlocisti hier vorlegt, versucht mm int einzelnen all den feinen Fäden nachzugehen, die seine Persönlichkeit mit der Zeitgeschichte verbinden, der gesonderte Band seiner sozialistischen Schriften führt dann noch tiefer in 'diese hinein. Wir sind ja heut wohl zum Glück über die Zeit hinaus, in der man in oberflächlicher Weise irgend einen Mann mit <bfc»it Judentum in Zusammenhang bringt. Es heißt jetzt vielmehr das Wesen des Betreffenden aus dem Judentum zu. erklären. Dies scheint dem Verfasier vortrefflich gelungen zu fein. Der Erlösnngsgedanke der Menschheit, der in der Idee des Sozialismus entert breiten Raum entnimmt, hat ja etwas Verwandtes mit dem Geist des Judentums und es ist, sieht man die Dinge so, nicht verwunderlich, daß umiter den Vätern des Sozialismus soviel Juden gewesen find. Mit der Herausgabe dieser beiden Bände hat sich der Welt- Verlag, desien Publikationen sich in den letzten Jahren einen immer steigenden Leserkreis errungen haben, eint Denkmal gesetzt, für bas wir ihm wie dem Verfasier ztr besonderem Danke verpflichtet sein ntüsien. Dr. Willy Cohn, Breslau. F. Goldmann, Vom Wesen des A n t i>s e m itismus. (Ph il o - Verlag, Berlin.! In flüssiger Darstellung werden hier die psychologischen Ursachert des Antisemitismus sowie der Anti- . semitismus als historische Erscheinung ü ehandclt. Spantnungeu, wie sie sich aus dem Verhältnis einer Majorität zu einer sich ihres Wertes bewußten und ihr Dasein energisch behauptenden Minderheit ergeben. Gefühle des Neides, Verleugnung der Dankespflicht. Mißtrauen gegen eine nicht verstandene Religionsgemeinschaft, Denkträgheit, die sich Mt -gehässigen Verallgemeinern ttinersreulicher Einzelfälle äußert, bilden die Erklärung judenfeindlicher Gesinnung. Hinzutreten religiöse Verhetzung, wirtschaftliche Reibung, moderne RasieNkheorien. sowie im 'getauften Inden die Ephialtesmentälitat. Von-dem gesamten Judentum fordert der Verfasier geschlosiene Front gegen den Antisemitismus. „Das neue Europa." Zürich, Wien, Berlin. Chefredakteur Dr. Paul Cobrr. Das April-Mai-Heft enthält folgende Beiträge: „Kann es wieder besser tvevden?" von General Mort; Auffenberu- Komarow; „Amerka, Oesterreich und der Völkerbund" von Doktvr C. Th. Duanba; .Karl von Habsburg" von LeopoL) Wölflirm: „Zur Konferenz von Genua" von Hatta Gräfin Treuberg: „Die grosse Täuschung" von Paul Hohenau. Auslieferung durch das Zeitungsbüro Hermann Gokdschmiedt, Wien, 1. Bez. Wollzeile N. zwr-.*.r zr<zrrxjBzrs:i&i

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