Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 12 (9.6.1922)
- Date
- 1922-06-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 12 Die Wahrheit «Seite 7 Weltanschauungen. Unter Bon Joseph Lazarus. -dein Titel: „K r i f e d e r Weltanschauu n g" brachte, die „Neue Freie Presse" in ihrer Nummer 20617 einen Artikel aus der FederCoudenh o v e - K a l e r g i' s, iht welchem «der Verfasser die Moralische Versumpfung der heutigen Menschheit als notwendige Folge des Niederganges der christlichen Weltaussassung schiDert, welche mit dem Sturze des Dogmas logischerweise erfolgen mußte. Mit lunbezwinglicher Logik schildert der Verfasser, wie mit dem Erschüttern des Dogmas «das igarvze künstliche Kartenhaus zusammenstürzte. Es konnte anders nicht kommend Er schildert, wie zuerst das Dogma fällt, dann der Glaube, dann die Moral; denn ohne Glaube — keine Moral. Wohl haben die Moral- Philosophen der französischen Revolution die Moral als Glaubens e r s a tz kredenzen wollen, jedoch vergebens, da mangels einer bloß dem Glauben innewohnenden Bindekrast (Religion von „r e 1 i g a r e" binden) niemand sich gezwungen Wlte, die „Moral" 'auf sich selbst anzuwenden. Er schildert, «wie nach dem Moralphilosophen die M a t e r i a l i st e n ihre Weltanschauung verbreiteten, wie ferner Marx den Uebeygang von der materialistischen Weltanschauung zur E g o i ft i s ch e u fand, indem er das „K l a s s e n g e w i s s e n" nwbi'lisierte, hingegen das, alle Gesellschaftsklassen umfassende All-Demokratische Gewissen beMlb. Schließlich schildert er, wie die „egoDische"'Weltanschaulmg, zwangsläufig, in einen ganz gewissenlosen „Zynism u s" ausartete, in welchen: heute idess Europäers Staats- und Privatleben versumpft ist. Mit dem Umwerfen des Dogmas durch K o p e r n ik u s ging es unaufhaltsam abwärts, von Stufe zu Stufe — bis in den Sumpf hinein. Die Schilderung ist so logisch, den aufgezählten Tatsachen so entsprechend, daß es anders gar nicht kommen konnte. Arms Menschheit! * * -i- Eine Kleinigkeit hat jedoch der gelehrte Verfasser übersehen. Ob des Mikrokosmos der christlichen Welt vergaß er den ganzen Makrokosmus beider Hemisphären. Es gibt Religionen (wir brauchen nicht bis zu Buddha und Konfucius zu gehen), denen Voltaire und Kopernikus nichts anhaben können, da sie aus keinerlei Dogma beruhen. Sie haben eine Jahrtausende umfassende Welt lideratur hervorgebrucht, welche die Erklärung dafür bietet, warum die Mchrzcchl der Weltbewohner sich höher stehend fühlt, als der in Zynismus versunkene Europäer. Das Totschweigen aller anderen Weltansichten in be sagdem Artikel zwang ein Jntelligenzblatt, wie es die „Neue Freie Presse" ist, zwei Entgegnungen Raum zu gelben, doch haben auch diese die Einseitigkeit des Artikels durch keinerlei positiv erwiesene Behauptungen behoben. Um nicht Advokat in eigener Sache zu sein, ließen wir geraume Leit verstreichen, um christlichen Federn Gelegen heit zu bieten, auf diy in besagtem Artikel verschwiegenen „anderen" Weltanschauungen aufmerksam zu machen. Da sich bei uns, im dunklen Zentral-Europa, keine christliche Gelehrtenfeder hiezu meldet, so wollen wir einen christlichen Forscher aus dem gebildeten Westen zitieren, Leroy- Beaulieu, der in seinem Werke „Israel parmi es n a t i o n s" folgendes sagt: (wir zitieren aus seiner Ausgabe, Paris 1803): Seite 8: „Seinen 30 oder 40 Jahrhunderten zum Trotz ist Israels alte Lehre weder tot, noch im Sterben begriffen". Seite 19: „Israels Kultus hat zum Gegenstand das irdische Leben". Seite 24: „Das Judentum ist die am wenigsten exklusive aller Religionen; es glaubt an das Heil aller würdigen Menschen, ohne Unterschied chrer Religion". Seite 27: „Der T a l m u ö ist Israels corpus j u r i s". Seite 81: „Unsere schwerfälligen abendländischen Rassen, welche das Evangelium mühselig aus der Anbetung der Materie hevausgerissen hat, fallen in chren alten Zustand wieder zurück" (Anbetung des Material ism u s). Die Götzen M a t er i a li s mu s, Egoäs mus, Zynismus — hat di.: j üdische We l t ans chauu n g gestürzt und im Volke die Ansicht ausgebildet, daß «der Menschen und Völker Ges ch r d rrrvwandekbare Bahnen wandelt, gleich 'den Sternen am Himmel, mit dem Unterschiede jedoch, daß den Sternen die Wahl chrer Bahn nicht zusteht, währenddem der Mensch, aus freiem Willen, seinen Fuß aus die eine oder die andere Bahn setzen kann. „Solange das Wort Du nicht gesprochen, — bist Du Herr über Dein Wort. Sobald es aber über Deine Lippen geflossen, ist Dein Wort — Herr über Dich". Ebenso die Tat. Sobald der Mensch sie ausgesichrt, hat er seinen Fuß aus die fatale Bahn gestellt, — und das Schicksal hat seinen Laus. Diese jüdische Weltanschauung mit der Anbetung der materiellen Kräfte als schicksalsbestimmend für den Menschen abzubvechen und den Schlüssel zum eigenen Schicksal in der eigenen Brust zu suchen, war für die ganze gebildete, damals heidnische Welt, «derart anziehend, daß das Judentum am Wege war, zur allgemeinen Weltreligion zu werden. Hierüber schreibt Leroy-Beaulieu, in seinem obzidievten Werke: Seite 120: „Israels Monotheismus hat eine derartige Anziehungskraft aus die ganze gebildete Welt ausgeübt, daß (nach Josephus) es keine einzige Stadt gab, weder m Griechenland noch bei den Barbaren, keine einzige Nation, wo die Sitten der Juden nicht befolgt worden wären; der Sabbat, die Festtage, das Zünden der Lichter, die Speisegesetze. — Isis, Seraphis, Zeus und andere Nativnalgöttter fielen vor dem Gotte Israel. Wenn die Welt nicht christlich geworden wäre so wäre sie j üdisch geword en". Seite 122: „Viele Hellenen griechischen oder griechisch-ägyptischen Blutes waren Mitglieder der Juden» gemeinden in Alexandrien, Cyrene, Antiochia, Palmyra. Juvenil erwähnt der Römer, die auf jüdische Art leben, deren Väter sich damit begnügten, den Sabbat zu heiligen, kein Schweinefleisch zu essen, währenddem deren Söhne weiter gingen und sich sogar beschneiden ließen". Seite 123: „DerSenatorDionCassius bestätigt, daß es im dritten Jahrhundert bei den Römern viele gäb, die nach jüdischen Lebensregeln leben und daß alles, was man tat, mn deren Zahl zu vermindern, bloß dazu führte, um sie zu vermehren".