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Die Wahrheit · 1922-06-09 · Heft 12 (9.6.1922) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 12 (9.6.1922)
Date
1922-06-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sk. 1Z l)ic Wahrheit seite eine Idee, unb sei sie noch so zugkräftig, kann nie und nimmer Religion und Glauben verldrängen oder gar ersetzen, die Idee kann einzig und allein nur im Einklang, nie aber im Widerspruch mit Glauben und Frömmigkeit seine Aufgaben erfüllen. Dies bestätigt uns auch das Zeugnis der Geschichte. Wenn wir ein wenig in unserer Geschichte lesen, finden wir, daß das Judentum seinen Fortbestand nur dem zähen Fesch alten am Glauben der Väter verdankt. Die Devise muß «daher lauten wie das Dichterwort: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Die wichtigen Aufgaben, die der Zionismus sich gestellt hat, können nur erfüllt werden, wenn der wichtige Faktor, das Erbe unserer Väter, das Alch er gebrachte, gebührende Berücksichtigung findet. Dies lehrt uns ja auch die heilige Thorcch, alnibem sie uns die Worte zürnst: „ . . . . Und höre, Israel! An diesem Tage wardst du zur Nation des Herrn deines Gottes und gehorche der Stimme deines Gottes und befolge seine Gebote und Rechte, die ich Dir heute gebiete" (5. B. M. K. 27, V. 9, 10). - Die Frage „Religion oder Nation?" mich nachdrücklich mit den Worten beantwortet werden: „Religion und Nation". Beide. Faktoren zusammen könneit uns die Sicherheit gewähren, daß der Fortbestand dos Judentums gesichert ist, beide zusammen haben die Kraft und Möglichkeit, die schwere Last, mit der wir das Judentum vergleichen können, weiter zu bringen, beide zusammen können nur nützliche Arbeit leisten. Fehlt aber der Glaube an den Ewigen, fchlt die Religiosität, damt gleicht das Judentum einer Sonne, die nicht wärmt, einer Pyramide ohne Basis, einem Wagen ohne Näder. Die Zeiten, in denen wir leben, sind ernst und schwer, doppelt schwer für uns Juden. Dccher ist es sogar gleichsam ein Gebot der Stunde, alle Gegensätze, die die einzelnen jüdischen Parteien toenuen, zu beseitigen und alle trennenden Hiridernisse ans den: Wege zu räumeu, damit ersprießliche Arbeit geleistet werden könne, damit wir bilden, ein einig Bo8 von Brüdern, damit einer mannhaft für alle und alle mannhaft für einen emtreten, damit der jüdisch-nationale Gedanke wahrhaft jüdisch fei, damit wir nicht kostbare Zeit mit Haß und Streit verlieren, sondern eine gemeinsame Plattform geschaffen werde, auf der alle jüdischen Parteien sich zu einträchtigem Schaffen finden können, wofern ste nur, woran wir hoffentlich nicht zu zweifeln brauchen, den guten Willen hiezu haben. Der Segen des Allmächtigen wird dann auf ihren Arbeiten ruhen und diese werden von schönsten Erfolge gekrönt sein. stehen, was Bedeutung, Ethik und Geist betrifft, hoch über den gerühmten Briefen des Lords Chesterfiells an seinen Sohn. Sie dienen einem höheren Zwecke, als den Unerfahrenen Piloten'dienste ans dem tückischen Meere des gesellschaftlichen Lebens zu leisten. „Sollten meine Worte auch nur einer jugendlichen Seele ihre religiösen Zweifel zu beheben behilflich [erats, ihr Zweck wäre erreicht und mir eine herzliche Freude bereitet." Der Verfasser dürfte in seinen Wünschen und Erwarten nicht enttäuscht worden sein. Dies kleine, aber inhaltsschwere Buch ist als ein neuer, von modernem Geist durchwehter „Führer der Irrenden" zu betrachten. Es wirkt auf jeden durch die überzeugende Macht der Logik, durch die drei Spezies des Verstandes, den tiefen, scharfen und Hellen, und nicht zuletzt durch die meisterhafte Behandlung des Stoffes, den glänzenden, bei aller Leichtigkeit sorgsamen Stil, der wirkliches Pathos und feinste Ironie vereint. Eine geschickte Methodik führt den Leser ans dem Gestrüpp dieses monistischen Märchenlandes zu dm licht- und lufterfüllten Höhen jüdischen Glaubens und Empfindens. An diesem Ziele gesteht man sich, arm wieder ein Faust- Worb zu gebrauchen: „Ich sage dir, ein Kerl, der spekuliert, Ist wie ein Tier auf dürrer Weide, ‘ ' Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, Und rings umher ist schöne fette Weid«!" d. Der jüdische Katz. (Eine Ergänzung.) Der Haß, — so häßlich er auch ist — ist eine der primärsten, bestausgeprägtesten Leidenschaften der Mensch- M. Der Haß hat überall, wo Menschen wohnen, das volle Bürgerrecht erlangt. Es wird gerne nm btejie menschiche Schwäche das Mäntelchen der Gerechtigkeit gehängt: Ehrlicher Haß, gerechter Zorn, heiliger Krieg, „Der Gotit, der Eisen wachsen ließ!" und dgl. ... Es ist natürlich Pflicht der Hüter der Sittsamkeit und der Humanität, den Haß zu betämpfen. Leider predigt man dagegen erfolglos, wie gegen die sexuelle Leidenschaft. Den vom Kain verübten Brudermord — zu dem Haß und Neid die erste Mordwaffe schufen — ahndet der Herr nicht mit dem Tode, obwohl in einem der nächsten Kapitel uns die Bibel belehrt: „Wer Menschenblut vergießt, ideffen Blut soll vergossen werden!" — sondern führt als Strafe Unstetheit und Flüchtigkeit an. Diese Strafe kann auch gedeutet werden, daß der Mensch die Schwäche »des Hafsä wird von Land zu Land trägen. . . . In einem von mir vor Jahren veröffentlichten Feuilleton: „Pogrom-Präludium" erörterte ich den ersten Eindruck, dm auf mich das Vergnügen mit dem „Watschenmann" im Volksprater übte — ein Vergnügen, wofür der Proletarier gern ein Vierkreuzerstück hinwarf. Ich gelangte zum Resultate, daß der Arbeiter von dazumal, aus dem der Druck des Arbeitsgebers und der Vorgesetzten schwer lastete, auf diese Weise den Haß austoben wollte und mit dem Applizieren der „Watsche" dem ausgestopften Monstrum wähnte er, seine Bedrücker zu watschen . . . Mt Stolz dürfen wir behaupten, daß der Affekt dies Hasses bei uns Juden nur im geringen Maße zutage tritt. Man müsse doch sonst annehmen, daß der Jude, nach all den erlittenen Verfolgungen und Drangsalierungen, seinem Wirtsvolke mit lichterlohem Haß entgegentreten würde. Das aber trifft gottlob nicht zu! Für die geringsten Rechte, die inan dem Inden gewährt, ist er tief dankbar, vergißt Inquisition und Autodafe und sucht in Frieden Mit dem Nachbar zu leben. In den Bußetagen der hohen Festzeit bitten wir um Vergebung der Sünde um des geübten unbegründeten. Hasses. Es seien hier auch einige Bibelstellen, die gegen den Haß sprechen, kurz angeführt: „Du sollst den Edomiten nicht Haffen, denn er ist dein Bruder, du sollst den Aegypter nicht Haffen, denn Fremdling warft «du in seinem Lande. (V B. M. K. 33, V. 8.) Das Prioritätsrecht fällt «dem Sohne der verhaßte» Frau beim Beerben zu, wenn er tatsächlich der Erstgeborene ist und nicht dem -Sohn der Favorite. (V. B. M. K. 21.) Wenn jemand aus GehäfftgKM seinen Nächsten beim Gericht cmKagt und die Klage sich als unbegründet erweist, ist der Ankläger mit der gleichen Strafe zu

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