Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 11 (30.5.1922)
- Date
- 1922-05-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 18 Nr. 11 Arierfrage im österreichischen Alpenverein und die Diplo» matisierung polnischer Antisemiten in den Kreis seiner Wirksamkeit. Als erhebendes Beispiel der Hilfsbereitschaft möge auch sorgendes erwähnt sein: Der Zentralvevein hat der ^Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lchrer",Frankfurt a.M., die die Lehrer aller religiösen Richtungen vertritt, die Summe von 100.000 Mark überwiesen, damit der unge heuren Not, in der sich weite Teile der jüdischen Lehrerschaft befinden, einigermaßen gesteuert werden kann.Der Zentralverein.war sich bei der Bewilligung dieser Ehrengabe be- ' wnßt, daß die Erhaltung des jüdischen Lehrerstandes für den Bestand des deutschen Judentums einen wesentlichen, wenn nicht den wesentlichsten Faktor bildet. Wenn es auch bei der ungeheuren Geldentwertung nicht möglich ist, durch die 100.000 Mark der großen Not unter den Lehrern Einhalt zu tun, so wird doch dadurch in vielen Fällen die Notlage gemildert werden können. Diese Speiche kommt . allen in Frage kommenden Lehrern zugute, gleichgültig ob sie Mitglieder des Zentvalvereins sind oder nicht. Es wäre srestdig zu begrüßen, wenn diese Ehrengabe Nachahmung in weiteren Kreisen fände. Diesem berechtigten Wunsche des Zentralveremes schließen wir uns mit dem Wunsche an, das von ihm gegebene leuchtende Beispiel möge auch bei uns Nacheiferung finden.. Der österreichische, namentlich der Wiener Religionslehrer, der unter schwerstem wirtschaftlichen Druck lebt, ist ausreichender Hilfe bedürftig uüd würdig. Wahrlich, ^angesichts der Auszählung alles dessen, was der C. B. tut, überkommt uns ein Gefühl des Bedauerns bei der Erkenntnis dessen, was manche, unserer dezentralisierten Bereinigungen, die unter Mischers Marke firmiert sind, nicht tun. Wir begrüßen das C. B.j Organ mit den besten Wünschen für feine ernste, zielbewußte TäHgkeit, die sich in die kurze, lapidare Formel, kleidet: Jüdisch und deutsch. Ein Programm, das vielleicht ein Problem ist, aber den tüchtigen wackeren Männern, die am Werk sind, wird hoffentlich die Lösung- «gelingen. ' Wiener Talmud-Thora-Bolksschule mit Oeffentlichkeitsrecht, 2. Bezirk, Malzgasse 16. Es bleibt eine unwidersprochene Tatsache, daß die wichtigste, schwerwiegendste Ausgabe für ein jüdisches Gemeindewesen das Schulwesen bildet. Seit 80 Jahren besteht in Men die einzige jüdische : strengreligiöse Volksschule, die Tausende von Kindern mit glänzenden Erfolgen zu glaubenstreuen. selbWewMten jungen Juden, erzog. Es ist anerkannt, daß Wiener' Schule bessere ErzichNngsresNltate aufweisen konnte und auch die hygienischen Einrichtungen entsprechen den modernsten Anforderungen. Trotz alledem ist diese segensreiche Institution, die, wenn sie nicht schon längst bestünde, mit allen Machtmitteln geschaffen wlerden müßte, zur. Armenschule degradiert worden. Darf und «muß dies sein und bleiben? Müssen die sozialen Unterschiede -auch schon in der Schule der frühen Kindheit triumphierenden Einzug halten? Besuchet doch einmail diese geächtete Schule, die im Herzen der Leopoldstadt liegt, verfolget den Lehrplan, beobachtet die Lehrmethoden, überzeugt euch, mit welcher Gewissenhaftigkeit der religiöse Geist darin schältet und waltet, wie ganz anders, wie in änderen Schulen, der Religionsunterricht -a-nsgesaßt wird, wie lalle Feiertage 'würdig gefeiert werden, wie frühzeitig der Schüler in den Pflichtenkreis des gesetzestreuen Judentums eingesührt wird. Hier wird nicht Religion gelehrt, wie es sonst der Stundenplan für einzelne Stunden in der Woche vorschreibt, sondern hier pulsiert lebendige Religiosität, hier waltet echter Thorageist, befreiend und ausÄärend von «allem Skrupel und Zweifel, die sonst so leicht Schulkinder erfassen und Niederdrücken. Hier gibt es leftite religiösen Unterschiede; je frommer nnd gottgefälliger die Haltung der einzelnen Schüler, um so lobenswerter; und dieser sich gegenfeiAg anseuernde Eifer wird durch keine Spötterei -und Mißachtung gehemmt oder gedrückt. Und wenn die Glocke den Schluß des profanen Unterrichtes verkündet, «dann beginnt erst das Lernen des Talmuds, die dem Geist ider Kleinen WuNderkräfte verleiht. Besuchet so eine Gemorahftunde und lauschet überrascht und begeistert, was diese Kleinen schon wissen, wie sie es verstehen, zu fragen und zu antworten und wie diese klugen Kindevaugen dabei leuchten und funkeln! In -eurer Hand liegt es, diesem Schulwerk sein Gepräge zu geben, in eurer Macht liegt es, diese Schule zum Mittelpunkte unserer Gemeinde zu machen, zu dem Instrument zu stempeln, welches uns so dringend nottut. Nicht der Vorstand, der sein Möglichstes tut, nicht der Lehrkörper, der sein Bestes gibt, ist dazu berufen nNd befähigt, sondern die Eltern der schulbesuchenden Kinder. Am 15. Juli beginnen die Einschreibungen für das nächste Schuljahr; wer seine Kinder liübt, ihre jüdische Entwicklung- und Zukunft gesichert wissen will, vertraue seine Kinder dieser erprobten und bewährten Erziehungsanstalt an! Je mehr Kinder aus unseren Kreisen diese Schule besuchen werden, um so ausgeprägter wird der Stempel sein, den dieses Lehrhaus als ^unsere Schule" tragen soll. — An diese Betrachtungen soll sich der anerkennende Dank für den unermüdlich opferwilligen Beschützer und Förderer der ( Wiener Talmud-Thöra-Schule, Herrn Markus Bond i, schließen, der seine Gesinnungstüchtigkert nnd wahrhaft jüdischen Geist in diese Lehranstalt getragen und bestrebtest, gleichgeartete GlaNbenÄbvüder als Mitarbeiter an diÄsem schönen Werke zu werben. Antisemitismus in Kurorten. Der Schlesische Bädvrtag hat folgende Verlautbarung herausgegeben: „Besondere Vorkommnisse der vorjährigen Kurzeit geben uns Veranlassung, im Allgemeininbevesse folgende Entschließung des Schlesischen Bädertages vom 6. und 7. Dezember 1921 zu unterbreiten: Die Bäder dienen der Kur und Erholung Kranker. Politische Veranstaltungen im Kurpark, Verschärfung der Roligiions- oder Raisengegensätze, Störung des gesellschaftlichen Friedens beunruhigen die Kurgäste üuÄ beeinträchtigen den Kurerfolg. Die schlesischen Bäder müssen als HÄbäder 'darauf dringen, daß die Heilerfolge nicht durch Störung des gesellschaftlichen Friedens in Frage gestellt werden." Der Verband ist zn diesem Schritte durch ein unliebsames Vorkommnis, das ein gerichtliches Nachspiel hatte, veranlaßt worden. Diesbezüglich erfahren wir aus der „C. V.-Zeitung": Im Juli 192, kam es in dem schlesischen Badeorte Landeck aus einem Promenadenweg zu einem Rekonter zwischen mehreren jüdischen und christlichen Kurgästen. Ein christlicher Juftizobers e k r e t ä r G-rundmann, der ein Hakenkreuz trug, wurde, als er bei jüdischen Kurgästen vorbeiging, von einem derselben gestellt. Es entstand «ine wörtliche nnd tätliche Auseinandersetzung, die zu einem gerichtlichen Nachspiel führte. Beide Parteien wurden vom Schöffengericht in Laudeck zu geringfügigen Geldstrafen verurteilt. In den Gründen des Urteils heißt es unter anderem: „Das Hakenkreuz gilt als Wahrzeichen derjenigen Bestrebungen, die auf die Bekämpfung der ausdehnenden Kraft der semitischen Rasse abzielen. Bekennen sich Angehörige -der deutschen Rasse, die in unserem Vaterland an StaÄe der semitischen bedeutend überlegen ist, äußerlich zu diesem Wahrzeichen, so kann dieses von der angegriffenen Rasse als Herausforderung empfunden werden .... Indem *