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Die Wahrheit · 1922-05-30 · Heft 11 (30.5.1922) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 11 (30.5.1922)
Date
1922-05-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 D i e Wahrheit Nr. 11 Cciiam^eit niil Benzin, ftatt und es konnte nur mit knapper Mühe'ern großer Brand erstickt werden. Daß der Anschlag in der Vorhalle geschah, weist darauf hin, daß die ^Attentätern: perfider Berechnung es darauf angelegt hatten, den jüdischen Andächtige n den Weg a dz u s ch n e i d e n, d a m i t sie in den Flammen u m k o m m e n. Die „Erwachenden" suchen eben, die ihnen mißliebigen Juden -vollkommen -auszurotten, und geht es nicht in Form eines Bombenattentats, so versucht man, Juden nur ihr Brot zu bringen. Infolge einer Verordnung des Unterr'chts- und Kultusministers Baß mußte der Direktor des städtischen Theaters sämtliche Schauspieler jüdischer Konfession bündigen. Unter den entlassenen Mitgliedern des Thearers befindet sich auch der bekannte Dirigent Desidcr M arkus. Direktor A b r a n y i hat die Absicht, wegen dieser Verfügung des Kultusministers seine Stelle als Direktor des städtischen Theaters auszugeben. Also ein Mensch, unter wenigen, dem Kultur nicht abzusprechen, dem Herrn Minister siir Kultus (das Wert hat Sprachverwaudtschast mit Kultur) ist ein solcher Vorwurf nicht zu machen. Palästinensische Mißwirtschaft. lieber die durch die Schuld der Zionisten verursachte unerträgliche Lage, in Palästina, unter der 'besonders die eingesessenen Juden zu leiden haben, ist des öfteren geschoben worden. Bisher' beschränkten sich aber mir die jüdischen Blätter, die nicht, mit Feuer uird Flamme auf das iraNonalzionistische Ideal eülgeschworen sind, die durch arrchentische Quellen belegten Berichte über diesen Skandal, denn zu einem solchen ist es dank der Zionisten gekommen, zu veröffentlichen. Nun sehen sich selbst nichtjüdische Blätter, denen 'sonst der ganze Zionismus und 'daher auch Palästina vollkommen Hekuba ist, infolge der himmelschreienden Ungerechtigkeiten veranlaßt, ihr Augenmerk den Ereignissen im Hdiligen Lande zuMvenden. So berichtet das „Neue Wiener Tagchlaitt" in seiner Ausgabe vom 17. d. M. über eine Versammlung kirchlicher Würdenträger in Rom, bei welcher Monsignore Berlassina, der lateinische Patriarch in Jerusalem, ein Mann, «der genauen Einblick in die Lage hat, einen Vortrag hielt. Weitzmanns BemÄhnngen in Rom scheinen wenig genützt zu haben, um die Wahrheit über Palästina zu vertuschen. Denn der Patriarch sprach von der Irreligiosität und Unmoral -der Zionisten, die so weit geht daß sie sogar aus die eingesessenen Juden, die treu zum Glauben chrer Väter halten, einen furchtbaren Terror Mijsüben, sie zum Beispiel mit unerschwinglichen Mazzothsteuern belegten. Daher ist 'der Haß gegen die Zionisten nicht nur bei den Mohammedanern und Christen, sondern auch bei den palästinensischen Jüden ein sehr großer; wie in den Gvllls-ländern stehen sich im Heiligen Lande, wo doch. Eintracht herrschen sollte, durch die Schuld der Zionisten die beiden jüdrschen Parteien feindlich .gegenüber'. Die „Morgenzeitung" erwiderte am 18. d. M. 'aus diesen Bericht im Zusammeichang mit einer Entgegnung auf -eine andere arrtizroniistrsche StvnNne („Reichspost") in einer Weise, .die jeden Unbefangenen zum Lachen zwingt. Vor allem stellt sie bei Wiedergabe des Vortrages des lateinischen Patriarchen in Jerusalem folgendes irr Pararrchche: „In R o m muß man das genau wissen." Ja, wolleu die Herren in «der Taborstruße uns Md machen oder glauben sie, ihre Leser bluffen zu können? Dann schreibt sie als Entgegnung aus den Vorwurf, 'daß der Zionismus die Quelle des Unfriedens rniit der arabischen Welt zu bezeichnen ist: „Da wild wohl Herr S iegh ar t ein« Freude haben!" Wir sind!der unmaßgoblichen Ansicht, daß Herrn Sieghart die ganze Affäre wenig älteriert, baß er bei -zionistischen Mißerfolgen keme Freuden tränen . ergießen, bei zionistischen Erfolgen, von 'denen Man allerdings wenig hört,. kaum in Schmerzensru.se ausörechen wird. Es wäre viel vernünftiger, diesem Vorwurf Tatsachen entgegenzusetzen und ihn zu entkräften, mir einem Wort ausklärend zu wirken. Das hat die hohe „W. M." nicht notwendig, denn sie hält es für ebne zwecklose Arbeit, da „Tendenz und Böswilligkeit an der Arbeit ist, nur Zerrbilder der Wirklichkeit zu entwerfen". Sie begnügt sich mit Floskeln vom „friMichen Charakter des Zionismus, der als Kulturträger in den Orient einzieht, mit absolut loyalen Mitteln 'arbeitet" ufw. Schließlich ioird das , Nene Wiener Taglblatt" und seinesgleichen wieder eininal als „asffmÄatörische Judenpresse." bezeichnet, deren „Aufklärungsarbeit nicht eher zürn Stillstand kommen wird, bis ihr «die Wucht der Tatsachen, deren Schaffung die ANsgabe der, gesamten Judenhleit ist, alle Möglichkeit benimmt, ihre Unwahrheiten in die Welt zu setzen."?lha, die ganze Judenheit hat die Tatsachen mitzuschasseir — mit Arrsnahme der .assinulatorischen Judenpresse, aus deren Mitwirkung wird 'gn'ädigjstz verzichtet. Sie betreibt eben ,Aufklärungsarbeit", die „Morgenzeitung" hält dies für zwecklose Arbeit; das ist Ider Unterschied. O. Aristides aus der Rechten Wienzeile. Zum Unterschiede von seinem klassischen Vorgänger heißt er mit seinem Familiennamen A u ft e rlitz. Namen, sagt man, sind imt Rauch und Schall, aber das stimmt deicht in jenen Kreisen, die auf reiuilicher Scheidung zwischen arisch und semitisch bestehen. Deshalb ist unser Aristides stets beflissen, vor der Oefsentlichkeit Gesinnung zu markieren, die verzeihend wirken soll. Da stand kürzlich eine Gesetzes Vorlage gegen den unlauteren Wettbewerb im National rot zur Diskussion. Man sollte glauben, jeder rechtschaffene Mensch müßte ein solches Gesetz, gerade in dieser Zeit maßlosen Schwindels in Handel und Wandel, lebhaft begrüßen, besonders ein Vertreter jerrer Partei, zu deren Programm die allgemeine Moralgesundung zählt. Es geschah aber das Wunderbare, daß Aristides-Austerlitz in zwei langen Reden gegen die Schaffung des so notwendigen Gesetzes sprach, das — nebenbei bemerkt — schon im Jahre 1906 dem alten österreichischen R'eichsrate Vorgelegen hatte. Seit damals hat sich der ethische Zustand unserer wirtschaftlichen Kreise wahrhaftig nicht gebessert. Mau braucht mir den verschiedenen Ankündigungen etwas Ausmerksamkeit zu widmen und wird unsere Behauptung unterschreiben können. Als Schlüssel zum Geheimnis, weshalb das erwähnte Gesetz sabotiert werben sollte, dient seine Urheberschaft, die von der Mehrheit der gesetzgebenden Körperschaft ausging. Auch gut, der Mensch muß ein Parkeiprinzip haben unid es um jeden Preis sesthalten, aber doch auch in der Wahl seiner Bretsidigungsmittel keine Angriffspunkte schaffen, tvie es hier der Fall war. Unser Aristides meinte nämlich, nachdem er das vorgeschlagene Gesex als überflüssig, zwecklos und sogar schädlich bezeichnet hakte, unter 'anderem: „Viele Erscheinungen auf dem Gebiet des Wiener Zwischenhandels waren allerdings wesentlich d i k t i e r t n nd s i n d en t st a n d e n d u r ch d e n Einbruch ans d e m O st e n, u n d e s w a r e n speziell die galizischen Formendes Handels, die. i h r e R n ck w i r k u n g aus die Formen de s Wiener Handels geübt haben." Wie ist uns denn? Und wie haben die Genossen des geehrten Redners in ihrem Zentralorgan und in Versammlungen unentwegt daraus hingewiesen, daß die Agrarier, die gewiß

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