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Die Wahrheit · 1922-05-30 · Heft 11 (30.5.1922) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 11 (30.5.1922)
Date
1922-05-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. il hex physischen Verwandtschaft Gemeiusamkeit der Heimat, der Sprache und der Kultur hinzutritt. Durch den Zusaurmenschluß von Stämmen entgeht das Volk. Volk ist ' em sozowMcher Terminus, der Ausdruck für den objektiven Bestano dessen, was subjektiv, bewußt und gewollt als N atio n bezeichnet wird und zuerst «im Gegensatz zu der Universalität eines weltlichen oder geistlichen Jmpe-rums lernpsunden wurde. Nationalität bedeutet Zugeyövigkeil zu einer Station, neuerdings, gleichfalls mit politischer' Tendenz, mit dem Nebensinn einer nach Älntarkre oder Autonomie strebenden Besonderheit innerhalb eines und desselben Staates. Von allen diesen Begriffen sind konstant nur der des Stammes, als erweiterter Familie, und der des Staates, als politischen Gebildes und hijwrischen Faktums. Sich Nation zu nennen und nationale Forderungen aufznstellen, ist, nach Zo l ls ch a n, ein Volk -nur dann berechtigt, wenn es wenigstens zwei hiefür entscheidende Kriterien, Land und Sprache, ausweist. Fehlen diese beiden Momente, so darf es immerhin sich als Volk bezeichnen, da dieser Begriff variiert wird als Staatsvolk, Sprachvolk oder Blutsvolk und wenigstens diese dritte Kategorie hierauf zutrifft. In dieser Lage befmden sich nach Zollschandie Juden der Diaspora. Daß sie einst im eigenen Staat eine Nation gebildet haben und wieder in Palästina eine Nation werden wollen, gibt ihnen kein Anrecht, im Gcvluth sich als Nation zu gerieren und damit ein neues Martyrium heraufzubejchwören.' Z o l l s ch a n anerkennt, daß die Jwoen eine Gemeinschaft «uL Mneris find. Ursprünglich «m ' Religionsvolk, können sie einen übernationalen Charakter nicht verleugnen. Unter 9iationatisnms ist somit nicht, wie sonst unter diesem Wort, beim Juden ein Stroben nach materiellen Werten, sondern nach allgemein menschlichen Idealen zu verstehen. ' Jedenfalls bildet, bis auf erneu Bruchteil, heute nicht mehr die Religion das einigende Volksband. Alle, die von dem Willen zur Gr- Haltung des Judentums beseelt sind, sollen in der Ertenntnrs der Stammesgemeinschaft sich zuscunmenschließen in dem Bekenntnis zu Zion, - als der einzigen jüdischen ZuEunftsmöglichkeit, womit, wie Z o. l l s ch a n betont, keineswegs eine jüdische nationale Galuthpolitik identisch ist. (Fortsetzung folgt.) Die Stellung der Kantoren. Vom Ersten Kantor Mcfthias Matyas. (Schluß.) Achnlich, -besser gesagt, noch viel ärger, steht es um das Los des Kantors. Wie oft hört man nicht von Kritikern: Ja, der Kantor hat es leicht, der singt immer dasselbe „Lecho Dodi", dasseilbe „Haznr Tomim" und hat dann von einem Samstag zum andern (die Feiertage ausgenommen) nicht viel zu tun. Daß sie den in dieser Bchauptung liegenden, groben Trugschluß einfach übersehen, sicht diese Herren zweiter nicht an. Denn die ArbeitslePung bleibt für den Sänger dieselbe, mag er nun immer die gleichen Melodien oder auch abwechselnd andere Kompositionen zu Gehör bringen und die der Arbeitsleistung fohMde Rötung tritt'mit Naturnotwendigkeit in dem einen wie in dem anderen Falle ein. Freilich kann der Kmüdor nicht eine mechanische Dauerarbeit im Gesänge leisten, wie etwa ein Beamter, der Schreibarbeiten fertigzustellen hat; das ist nach der Natur und dem Wesen des GÄsänges einfach unmöglich. Wer selbst die Ruhezeit des Sängers ist nur eine scheinbare, denn sie wird von einem gewistenihlHen Kantor nur zur Vorbereitung für seine zukünftWTätWeit benützt werden und so liegt darin eine wahre Avbeits-Ko ntinuität. In dem Vorwurfe des „Einerlei- Singens" mag wohl etwas Wahres liegen und in diesem Mgeschränkten Sinne mag >er wohl auch gerecht sein; aber selbst in -diesem zugegebenen Sinne trifft dieser Vorwurf nicht den Kantor, sondern -nur die ihm Vorgesetzte Behörde. Sache des Beth-ausvorftandes wäre es, sich mit diesem Gegenstände , ex oküeio zu befassen, ihn zu prüfen uuo zu umerjuchen und darnach Anordnungen zur Aenderung des gegenwärtig bestch enden Zustandes zu treffen. Denn nur er ist hiezu kompetent und der Kantor hat nicht die Möglichkeit, irgendeine Jngerenz hieraus zu nehmen. Dabei wäre eine Aenderung in dieser Richtung ebenso leicht durchführbar als ersprießlich für den Gottesdienst; denn auch die Sulzerrschen Traditionen könnten dann b«ibchalten werden, sp^iell bei jenen Gesängen, die Responsorien-Chavakter tragen. Bei den übrigen Piecen aber könnte man, zum Vorteile der Sache und zur Hebung und Belebung des Jntevesses, Kompositionen .anderer Meister alternativ mit den Sulzerrschen bringen. Dabei ist es meine innerste und wohlibegrnndete Ueberzengung, daß es den Intentionen unseres Großmeisters Snlzer keineswegs entspricht, daß zum Schaden der Sache, durch den ausschließlichen Vortrag seiner Kompositionen, in die Dempelgesänge eine schädigende Monotonie hineingebracht wird. Liegt doch für die Richtigkeit meiner Anschauung chn zwingender Beweis in dem Umstande, daß Sulzer selbst in seinem.berühmten Werke dieselbe Piece oft ans verschiedene Art vertonte, ja selbst Kompositionen anderer Meister in seinen „Schic Zion" ausgenommen hat. Nach dem Statut «der Kültusgemeinde II. Kap. § 3 ist es Aufgccke der Kultusgemeinde, für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse >chrer Mitglieder zu sorgen, ins- ' besondere für die Errichtung, den Bestand und die Erhaltung gottesdienstlicher Anstalten. Dies«er Paragraph, dem Sinne nach genommen, will also auch «besagen, es habe sich die zuständige Behördezwecks Erreichung des angestvebten Zieles auch eingchend mit dem Kwntorate, rsjpöktive mit den Rechten und Pflichten des Kantors zu 'befassen. Und wenn ich in letzter Zeit die Stellung der Kantoren., in mehreren Artikeln öffentlich -besprochen habe, so geschah dies viel mehr im Interesse der Gemeinden als in dem der Kantoren. Denn es droht bei Fortdauer der gegenwärtigen Verhältnisse ein völliger Verfall des Kantorates und dieser Umstand kann, so scharf dies catch klingen mag, zum großen Nachteile für die Gemeinden, eventuell sogar zu einer Katastrophe für dieselben führen. Ich. behalte mir vor, .aus dieses Thema ineinem spateren Artikel .ausführlich, zurückzukommen und . diese meine Bchauptung dort näher zu begründen. Heute möchte ich zur Illustration der hier angeschnittenen Frage nur einen anekdotischen Vorfall erzählen. Der Vorbeter einer kleinen Gemeinde wurde sowohl vom Vorstände, als auch von den Mitgliedern derselben schr germggeschätzt. Diese Geringschätzung, ging .so weit, daß an einem Samstage, beim Vorlesen der Thorax der Vorstcher zur Rechten und das zur Thora, auHeruifene Mitglied zur Linken,^ es sich so schr bequem machten, daß sieben Vorbeter von seinem Platze , gänzlich verdrängten, und er nicht weiter lesen konnte. Das brachte dieHevrew von selbst zu der Einsicht, daß der Vorbeter . am Altäre, eigentlich der Hauptfiakwr sei und so mußten sie ihn auf. den chm gebührenden Platz vorlassen. Wenn man aber hier den Dingen, werter freien. Lauf lassen will, ohne rechtzeitig hemmend einzugveisen, dann kann der Verfall leicht! so weit gediehen sein, «daß. es nur schwer, vielleicht übet-

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