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Die Wahrheit · 1922-05-30 · Heft 11 (30.5.1922) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 11 (30.5.1922)
Date
1922-05-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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grundiger und geistvoller Weise den Beweis erbrachte, daß .die Wurzeln des Jüdenhaffes (des Hasses ge-gen die Jüden) -weder religiöser noch wirtschaftliche r N-atchr seien. Sie liegen vielmehr „in der B c st i e im Menschen, die uralt ist und immer wieder zu neuem Leben erwacht, die Bestie, die sich ans den .^Schwächeren stürzt, um ihn zu erdrosseln".; Allein selbst nach dieser ersehnten Vereinigung könnte,. wie a-ngedeuitet, die Bestie wieder erwachen und sich auf die abseits stehenden Jüden stürzen, die nur darum nicht längst -ausgerieben sind, weil ihre Macht sich nicht -auf die Kraft der Faust, sondern -des u n -v e r g ä n g l i ch e n G e i st e s stützt. So dürfte denn -auch d a n n noch der Satz feine Geltung bewahren: „Lächelnd wird dieses rinfterbliche Volk anserstehen." Aasse, Volk, Nation. Von Dr.. Max Gru n w a l d. (Fortsetzung.) Goldstein. Soweit Kautsky. Wie er als S 0 z i 0 l 0 g e, behandelt G 0 ld st ei n („Rasse und Pölitik") die Rcissensrage unter politischem Gesichtspunkt. Weist jener die Ueberrragung des Rassentzuch tb egrisfes -ans menschliche Verhältnisse als -nuzn-treffend nach, so dileser als unzulässig den Vergleich einer hochkultivierten Menschengruppe, die Genies erster Ordnung hervorgernsen hat, mit Negerstammen, die von den Sklavenhändlern pauschal moralisch klassifiziert wurden. Ohne zu individualisieren, stigmatisierte man die. Abessinier des Nordens als moralisch minderwertig, die Niebas und Gallas als zuverlässig. ' Ebenso unsinnig ist die. Insinuation, den J-uden treibe sein Raffen in stinkt, sein Selbsterhaltungstrieb dazu, unter allen Völkern Zwist zu nähren, da dieser Zustand seine Dasemsbedingung sei. Dieser Vorwurf, wie die Verdächtigung des RrtUalmordes und die Ableugnnnig öder Mschwächung . aller Vorzüge, -und verdienstvollen Leistungen, findet seine schlagende Analogie in dom Verhallten der Entente gegen die Deutschen. Sie sind Ausgeburten Minden Hasses, der Politik dienstbar gewacht. In der Rassentheorie -vereinen sich dm Nachklang des Dogmas von der -Guadenwahl — ein Volk ist -erwählt, d-as andere unrettbar verdammt — die Grnndanischaurmg der Romantik, gipfelnd im Hegelia- . nismus, nachdem es geheimnisvolle Kräfte, Ideen, sin-d, die sich in der Individualität der Völker auswirlken, und die materialistische, ini Darwinismus wurzelnde Geschichtsauffassung, die diese Jnd-ividualität durch das Blut unlösbar begründet und unentrinnbar bewertet findet. Den Grad des Wertes bestimmt -die Macht. Aus der Rassentheorie spricht der Chauvinismus, -der sich vom religiösen Fanatismus dadurch unterscheidet, daß er auf lediglich materielle Zwecke -abzielt. Er ist aber in einer Verkennung der historischen ' Tatsachen besangen. Nationalität wird nicht durch Abstammung bestimmt. Erweislich ist Inzucht nicht das Mittel zur geistigen Höherzüchtung. Nation ist nicht Rasse, sondern Kulturgemeinschaft. Rasse im Sinne von Menschenschlag ist nicht Voraussetzung der Geschichte, sondern ihr Produkt. Nicht Rasse erzeugt den geschichtlichen Typus, sondern Geschichte den Rassentypus. Zu dem geographisichen Kriterium bei Kautsky tritt hier somit ergänzend d-as -historische. Mcht nur die Anthropologie, auch die Völkerpsychologie bietet kein -Fundament ftir die Raffeuch eorie. So -findet man denn auch alle Juden beigelegten Fehler bei anderen, die an diesen gerühmten Vorzüge 'bei Jirden. Die Pseudowissenschaft der Rassentheoretiker ist nichts als die Ulte Fabel vom Wolf und Lamm. In der modernen europäisch-amerikanischen Kultur stehen einander zwei urrüberbrückbare Gegensätze gegenüber, entweder Rassentheorie, das heißt Raffenantisömilismus, oder Beikenntnis zu -den ewigen Gedanken der Bibel. Ern Drittes gibt es nicht. Kahn. In seiner schwungvollen Darstellung „Die Inden, als Rasse und Kulturvolk" nimmt Fritz Kahn zwischen den Antipoden „Mlieutheoretiker" und „Rasfentheoretiker" eine vermittelnde Stellung ein. Rasse definiert er als ,Mollektivbegriss ftir die von einem Menschenzwöig durch Natur- und Kultnrzucht zurzeit erreichte Höhe und Art der Jndividualisation". Raffe ist keine chinesische Mauer, kein Entweder — Oder von Auserwähltiheit -oder Berstoßensein, sondern das, was Schicksal und Wille aus einer Gruppe von Menschen geschaffen haben. Auf dem Boden der Raffe entwickelt sich die Nation, die in ihrem Nährboden schlummernden Kräfte in einer bestimmenden Kultlvrrichtung entfaltend. Nation ist Seelenraffe. Das heißt ans die Juden angewandt: Bis aus eine Nuance, die durch den Zustrom slawisch-mongolischen Blutes der Jude des europäischen Ostens angenommen hat, bilden sie, nach Kahn, seit etwa einem Jahrtausend, vom Religi-onsgesetz dazu angühalten, «durch Not gezwungen, eine anchropologisch umgrenzte Einheit, eine Raffe in dem höheren Sinn einer durch gleichen Milieueinfluß und fortgesetzte Inzucht geschaffene Gemeinschaft, deren Mitglieder sich auch einander körperlich und -geistig verwandt fühlen, und eine Nation, die eine Heimat besitzt und einen Staatsverband bildet — in är Idee, im Willen. „Das Lecho. daudi übertönt im jüdischen Herzen die Marseillaise der verschiedenen Gastnativnen." Das Judentum ist nicht nur Religionsgemeinschaft. Man bleibt Jude, wenn mau -den jüdischen Glauben ansgibt, während Proselyten, wie die jüdischen Kaükasier, Jemeniten ustv., so n?enig als Repräsentanten des Judentums zu betrachten sind, wie etwa ein Hottentotte, ein Bure oder ein Inder, obwohl britische Untertanen, als Engländer. Immerhin ist doch das, was die Inden zur Kultur der Menschheit — wohl zu unterscheiden von der ZioMsation —■ beigetragen h-Uben: der SiEchkeitswMe, den die Propheten Jsrmls in die Welt gebracht. (Mischehen verwirft Kahn.) Mieses. In seiner Studie „Zur Raffenfrage" betont Mach. M i e s e s, -daß gerade Proselyten im Judentum eure führende Rolle erlangten (so R. Meir u. a.), und -daß nicht die Mstamnmng, auch nicht die Sprache die Nation bilden, sondern -die Staatsidee. Sein kosmopolitischer Ideal ist die Annahme der englischen Sprache, als der ,;beä zahlreichsten, kulturell höchsten Volkes der weißen Raffe", als allgemeine Kultursprache. Zollschim. Hören wir vor allem Zolls chan selbst, zu bern,. nach «dem Erscheinen seines grundl^enden, bereits in 4. Auflage vorliegenden Werkes „Das Rassenproblem" alle späteren Belhalndlnngen des Gegenstandes' Stellung nehmen müffen. Gegen Bube r, der auch das Schicksal des Volkes im Blute sucht, findet Z 0 llschan, daß die Stammesgemeinschaft gewisse gemeinsame Instinkte und Dispositionen erzeugt, die aber nichts Konstantes darftellen. Die Qualität, -die Form, in die jedesmal die angeborenen Energien gegossen werden, wird vom Milieu bestimmt. Während er für den physischen Habitus der Juden, gegen M. Fishberg, eine Raffengemeinschast anerkennt, bestreiket er eine solche für ihre Geistigkeit. Aber, auch die erstüre ist nicht als ewig zu deklarieren. Diese arckhropologkische und ethnologische Einheit, die Rasse, bildet die Grundlage für den Stamm, indem zu

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