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Die Wahrheit · 1922-05-30 · Heft 11 (30.5.1922) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 11 (30.5.1922)
Date
1922-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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D i e Wahrheit .A •’-f u Seite 4 Nr. 11 aus Diamantenstaub kunstvoll zusammengesetzter Edelstein sich befand. Diese Statue wurde in einer DunkMämmer dem 'bewundernden Volke gezeigt, das von 'der leuchtenden Prachtdes künstlichen Steines 'geblendet, voller Bevchrung hinsank. Eines Tages wurde diese Statue vom Volke geraubt und ins volle svere Tageslicht hiuwusgeführt. Da aber der Edelstein die zersetzenden Strahlen des Lichtes nicht ertragen konnte, zerfiel er wieder in einzelne Staubteilchen und der Zauber der Stcchue war verflogen. Sv dürste es manchen, aus fremden Elementen zusaimnengesetzten konfessionellen Anschauungen im Lichte der modernen kritischen Wiffenfchafton ergchen. Von Israels Glauben aber «gilt jenes Wort, das der Ewige an den Propheten gerichtet hatte: ,Miche, ich mache dich zu einer Veste, zu einer eisernen Säule und zu einer ehernen Mauer... sie werden gegen dich ankänrjpsen und nichts vermögen." Das vieltausendjährige Erbe der Gemeinde Jakobs wird uNvevschrt sortbestchen und noch die spätesten Geschlechter werden das Dichtevwvrt betätigen: ,,,Was du ereM von deinen Vätern Hast, Erwirb es, um -es zu besitzen." Dr. R. Die bekehrten KuttusangefieMen. Der Streik ist gewissermaßen das tägliche Brot uNseres svzialwiirtschaftlichen Elends. Keine BevNf^- gruppe der intellektuellen und manuellen Arbeitnehnrer, die nicht in beängstigend rascher Wiederkehr zu dem Gewalt- und Verzweislungsmittol des Ausstandes gegriffen hätte, überzeugt, daß es, wenn auch nur vonübergchend, der ärgsten^ Not abhelfen werde. Wenn auch alle bisherigen Streiks Schrauben ohne Ende waren, die int toten Gewinde laufen, so war fast immer der leitende Gedanke der Uebevwalzung entscheidend. Gewerbe und Industrie überwälzen die Mehrkosten der Produktion auf den Verbraucher. t Der Racker Staät hilft sich bei den ewigen Neufovderuugen seiner Angestellten durch bedenkenlose Neuibesteuerungen, und wenn sMst diese nicht zureichen, öffnet er einfach Ne Schleusen der Notenpresse, die ungezählte Milliarden speit. So ging es bisher mit Ach und Krach, vielleicht schließlich nur mA Krach, aber die Streikenden fanden immer noch ihre Absichten erreicht. In den Lohnkämpsen der Gegenwart gibt sich der Arbeitnehmer stets als de? Ausgebeutete, von dessen Schweiß und Mark der Arbeitgeber sich mästet.' Dieses demagogische Schlagwort kann in Ansehung des Verhältnisses der Wiener Kultusgerneinde zu chren Angestellten nicht gebraucht werden. Dieser „Betrieb" har keinerlei Gewinn, im Gegenteil, er zeigt von Jahr zu Jahr, von MoNat zu Dkonat tyachsendje UrrterbAanz und ist schön so weit 'gelangt, daß er zur Ausrechterhallung seiner Wohlsahrksanstalten bekanntlich bei der Jndenheit des In- und Auslandes milde Gaben sammeln lassen muß. Die Einnahmen >der Kultmsgemeinde werden stetig im Verhältnis zrr ihren Ausgaben bedenklicher, so daß es immer schwerer wird, die unablässig steigenden Ansprüche der Angestelltenschaft zu befriedigen. Nur unter den riesigsten Schwierigkeiten war bisher der drohende Zusammenbruch zu verhindern. Niemand weiß all dies besser als die Angestellten selbst, die irr den Büchern und der Kassagebarung der Kuttusgerneinde Einsicht haben. Anderseits ist das Argument, daß her Men-sch leben muß, zwingend und nicht bestreitbar, und der Kultusvorstand hat sich ihm nie vevschlossen. Bereits am 5. Mai hat der Vorstand den Vertretern der Angestellten erklärt: „Der Vorstand der israelitischen Kultusgerrrjeinde erklärt sich bereit, ohne diesbezüglich irgendeine rechtliche Verpflichtung ans sich nehmen zu können, die Bezüge der ML« K-um-.«. «WM Zum' Feste der Zehn-Gebote am Sinai. „Den Schall der Drescher hör ich gern, Ta ist der Segen nimmer fern; Es folgt im Takte Schlag auf Schlag, Und Mer fördert Frucht zu Tag; Kein Körnlein schlägt ein Schlag entzwei, Er macht's nur von der Hülle frei." (Beveschi-th Rabba, Cap. 4.) Trostwort an Israel. Mehr als die römische und griechische Kultur Waren die unter Donnervollen ans dem Sinai gegebenen Zohn- Gebote ausersehen, bestimmend ans Ne Familien einznwirken. Wo das Judentum austvat, vor den Griechen, Römern, vor «den Päpsten, Kreuzfahrern, Königen und Inquisitoren^ hielt -es die Gesetztaseln -aufrecht. So wnvde^ rm Feuer, das sich dem Moses .aus diesem Berge zeigte, der erste menschliche Fortschritt geboren, Gesetze wurden gegeben, welche über jeden Altar geschrieben uiÄ) in jedes Gesetzbuch eingetragen wurden. Diese Gesetze nähmen ihren Weg über die ganze Welt und ebneten der -Zivilisation die Bahn. Daher sollen Religionen und Beikenntnisse die Menschen nicht scheiden noch trennen, sie sollen sie einigen 'in Menschen-, Friedens- und Gottesliobe, und jeder Priesterfanatismus muß «aus dein Gotteshanse, aus dem Religionskveise schwinden. In diesen zehn Geboten vom Sinai sind verpönt der Neid' und die gemeine Habgier, die Triebfedern der Rassen. abneigung. Haß und' Vevachtuitg sind Gefühle, traurig und un> erquicklich für den, der sie hegt, peinigend und .erbitternd für den davon Betroffenen. Aus diesen Untugenden entstammt die Unduldsam, keil, welche jedem Staate znm Nachteile -gereicht. Die Unduldsamkeit, ein Gemeingut des Antisemitismus, ist wieder undankbar, unvevföhnlich und rücksichtslos im höchsten Grade, und sucht die Misten Bestrebungen und Bemühungen Andersdenkender, wie überhaupt jedes schöne, anerkennenswerte Verdienst, das sich ein Seinite um seine Mitmenschen erwirbt, zu verdächtigen und zu verunglimpfen. Diese Rasfoidtheorie wird einst irr das Rapitätenkabinott der menschlichen Verirrrmgen gelangen, bemerkte treffend Freiherr von '©uitlmer. Ein wnridiger katholischer Priester schreibt: „Es gibt viele katholische Geistliche, welche nicht ermüden, und sich nicht schämen, die Juden wit der Erbärmlichkeit ihrer Wut imd ihres Hasses zn überschütten, nNd welche dadurch

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