Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 10 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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■s Nr. 10 Die Wahrheit Seite 13 System nicht cmfhört, Das. das Judentum für alles verantwortlich macht, was vor und nach der Revolution. geschehen ist, solange man uns nicht erkennt und nicht anerkennt, solange nicht mit Den'Vorurteilen gebrochen wird und die neue Mode nicht amfhört, daß die Menschen davon leiben wollen, daß sie nicht als Juden geboren sind, solange die Einheit des Hasses kein Ende nimmt: So lange ist es berechtigt und natürlich, daß wir einheitlich bleiben. . . . Ich glaube, in diesem Augenblicke dürfe es keine Mein un g sunt er schiede unter uns geben, müssen wir einheitlich bleiben, was für Opfer immer dies auch erheische. Wir halten noch nicht dort, daß die jüdischen Kapitalisten andere Wege Heschreiten, wie hie jüdischen Kleinbürger und Angehörigen des Mittelstandes. Schließlich ist es doch das jüdische Kleinbürgertum miib der Mittelstand, die am meisten zn leiden haben. So lange die Schmachgesetze nicht aufgehoben find, müssen wir zusammen arbeiten, einander hilfreich die Hände reichen." Verein „Tomche ubikor Cholim". Tank der Initiative des Herrn Jakob Schaf f e r ist vor -kurzem im 20. Bezirk ein Verein unter dem Titel „Tomche ubifor Cholim" (Unterstützung und Krankenpflege) ins Leben gerufen worden, der sich, wie schon sein Name besagt, bedeutsame humanitäre und charitative Ausgaben zum Ziele gesetzt hat. Besondere Bedeutung gebührt über dem Vereine dadurch, daß bei der Ausnahme Dem Mitgliedern keine Altersgrenze vorgesehen ist und daß der Verein nicht nur verarmte Mit/ glieder mit angemessenen Geldbeiträgen unterstützt und solchen auch in Krankheitsfällon unentgeltlich Arzt und Medikamente beistellt, sondern auch noch notleidenden Inden und jüdischen Familien, welche die Hilfe des Vereines anrufen, mit allen denlselben zn Gebote stehenden Kräften beizustehen beireit ist. Um aber dieser idealen Bestrebung in einem Kreise von mehr als 60.000, zumeist den unbemittelten Ständen ungehörigen Juden auch die volle wirksame Tat folgen zu lassen, erscheint ' es von eminenter Wichtigkeit, daß recht viele Glaubensgenossen dem Vereine, sei es als ordentliche oder unterstützende Mitglieder, beitreten. Ganz besonders aber ergeht somit der Appell an nufere vermögeniden Glaubensgenossen, dem Beretin durch Spenden ihre Unterstützung ituib Gönner schuft augeÄckhen zu lassen. Wir leben irr einer Zeit großer wirtschaftlicher Bedrängnis, die Bedürfnisse der Familie wie des einzelnen sind enorm und die Erlverbsmöglichkeit vieler Glaubensbrüder steht in gar keinem Verhältnis zu denselben. Dem Ueberhutldnehmen kataftrophalvr Verarmung in den Reihen der hiesigen Judenfchaft kann nur ibftmt gesteuert werden, wenn die besitzende Schichte sich dieser Gefahr voll und gariz bewußt wird und durch Schaffung und Förderung ähnlicher Institute Dämme vorrichtet, welche Sturzwellen der Verarmung und Verzweiflung in den jüdischen Reihen zn hemmen geeignet sind. Am Sonntag, den 18. März, hat sich der Verein, welcher seinen Sitz, 20. Bezirk, Staudingergasse 2, hat, konstituiert'und aus allen Schichten der Bvigittenaner' Juden schüft besteht, einen 24gliodrigen Vorstand gewählt. Derselbe wählte ans seiner Mitte Herrn Schewach Knöbil zum Obrpann, Natan Goldmann und Jakob Schaffer zu Stellvertretern, Levi Luft zum Kassier und S. Beiner zum Schriftführer. Ferner gehören dem Vorstand an: Die Herren E. Sabarski, H. L. Vogel, Ch. Bloch,. Rabbiner M. Gottesmaun, G. Hager und I. Horowitz, Landau, Ellenberg, Glaser, Käufer^ Griffel, Tieger und Trompeter. Die Vereinsleitung gibt sich der sicheren Zuversicht hin, daß ihr Appell in den weitesten Kreisen sowohl der Wiener ivie auch der auswärtigen Judenschaft ans fruchtbaren ' Boden fallen und den lebhaftesten Widerhall finden wird. CH. Mißbrauchtes Gastrecht. Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" klagt in der Wochenschau, ihrer Ausgabe voin 6. Mai daß die vor kurzer Zeit bemerkte Ab- , flaumig des dortigen Anbisemitis-mus einer Zunahme der Bewegung weiche. Es läßt sich feststellen, daß es sich fyiet um keine bodenständige Erscheinung handle. Das klassische Land politischer imd religiöser Freiheit hat für Judenhaß irichts übrig. Dieser wird von zitsammengelaufenen dunklen Existenzen besorgt. So hat ein gewisser Dr. Pran'vl, Sekretär des katholischen Volksvereines Aaarau, gelegentlich der Generalvorsammlnug dieses Vereines ein zweistündiges Rkeferat „Beiträge zur JudeUftage" erstattet, das von grober: Lügen un!d Entstellungen strotzte. Prantl soll angeblich alls Oesterreich importiert lifo eben sein. Nun hat aber die freie Schweiz auch ein Gesetz gegen lästige und schädliche Ausländer, das sie bekanntlich. wiederholt in Anwendung brachte, als rilssische Anarchisten dort ihr Unwesen trieben. Wenn es der Schweizer Bundesregierung um den religiösen Frieden ernstlich zu tun ist — und wir zweifeln nicht daran — kann sie mit den verschiedenen Pranrls in kurzent Verfahren aufrünmen. Badetr b. Wien. Wie groß auch das Elend mid der Kummer seit! mag, von denen heute in dieser schweren Zeit nnfereArmen und Elenden heimgesucht werden,wie mannigfach auch die Not sei, mit der unsere vom SchiÄsal schwer heimgesuchten armen Mitbrüder sümpfen müssen, so sind das Elend, der Kummer und die Not doppelt so groß und gewaltig bei unseren armen Kranken, die infolge ihrer großen Armut und ihres pflegebedürftigen Körpers eilten herzzerreißenden Anblick darbieten. Dieser Umstand hat schoit int Attfartg der Kriegsjahre viele edle Herren in j unserer Gemeinde unter der Leitilug des verdienstvollen und tatkräftigen Herrn Bernhard. A f f e n k r a n t, bewogeit, eiuen Bicku r - Ch au l im-B e r e in ins Leben zn rufett, desseit Tätigkeit anfangs sich bloß auf das Besuchen der Kranken in Spitälern und Privathüusern und aitf deren Kostaufbesfernng beschräilkte, späterhin aber ist es durch entsige. Arbeit des obgertanllteu Herrn gelungen,' diesen Bcreilt zn einem Mnsterverei'it heransznbilden, so daß viele heilllische und auch meistens answärtige arme Kranke ans Kosten des Veremes in den hiesigen Spitälern gute Pflege und kräftige Kost bekommen. Nun aber ist für diesen herrlichen Verein der Zeitpml>kt gekommen, wo seine Mittel durch den großen Krankenstand vollends erschöpft sind, io daß der Vcreili genötigt ist, die llnterstütznng auch unserer auswärtigen Glaubensgeitossen in Atispruch zu nehmen, von denen sich gewiß viele herbeilassen werden, diesetn edlen Werke seilten Fortbestand sichern zu helfen. Spenden werden entgegengonommen bei der Israelitischen Kultnsgemeiude Baden für: Bickur-ChatUim. Aguda - Waisenhaus, Baden. Das Aguda - Waiieichaus. Baden, dankt herzlkchst seinem Hausarzte Herrn Doktor Samuel Deutsch für <bk feit einem Jahre in uneigennütziger Weise und bereits die Zahl 100 überschrittene Behandlung, deren Zöglinge, wie auch für seine genaue und Pünktliche Inspizierung der Anstalt. — In gleicher Weise hat sich der hiesige Zahnarzt Herr Dr. Mäximilian Dorsner dem Hause zur Verfügung gestellt, seine Tätigkeit daselbst bereits begonnen. Beiden Herren sei in der Qssfenklkchkeit der beste Dank gezollt. — Das Äriegswaiisenhaus benötigt eine Nähmaschine und die Leiter desselben bitten edle Menschenfreunde, eine Nähmaschine als Spende oder zu ermäßigtem Preise dem Waisenhaus zur Verfügung zu stellen. 70. Geburtstag. Am 13. Mcu 1922 >begeht der bekannte Prob Gd. Na che seinen 70. Geburtstag.