Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 10 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerte 14 Nr. 10 Dir «ahrhr4, Theater, Kunst nud Literatur Einem vielseitig geäußerten Wunsche unserer .Leser Folge gebend, haben wir die Absicht, von nun an die Rubrik „Literatur" durch Nachrichten ans der Theaterwelt, sowie aus dem Gebiete der Kunst zu ergänzen. Aufgabe dieser.neuen Rubrik, für die hervorragende Mitarbeiter gewonnen wurden, soll Kritik der diesbezüglichen Ereigniffe sein. Es ist natürlich selbstverständlich, daß in diesem Rahmen hauptsächlich jüdisches Theater und Kunst beifprvchen werden soll, und hoffen wir, damit, den Lesern und deren Wünschen bestens zu entsprechen. Meie jüdische Volksbühne. Schmates (Abfälle). Schauspiel in vier Akten von H. Leiwik. Die „Freie jüdische Volksbühne", die seit ihrem verhältnismäßig kurzen Wirken in Wien, es doch verstanden hat, sich immer Freunde zu schassen, brachte in . ihrem neuen Heim in der ,Molaüdbühne" als Eroffnungsvorstellnng das Schauspiel „Schmackes". Endlich ein Drama, bei dem nicht wie in den rneisten dieser ostjüdischen Schauspiele das erotische Moment eine Hauptrolle spielt. „Schmates" ist aber auch Lein soziales Drama, obwohl auch das soziale Problem in Form eines Streikes der Lumpenklauber berührt wird. Es handelt sich vrelmchr um ein psychologisches Schauspiel — vielleicht ist darin sogar etwas zu viel Psychologie — um den oftmals auf die Bühne gestellten Konflikt, zwischen Alter und Jugend. Der alle Lunrpenklauber Mordche Mose fühlt, wie sich seine drei Kinder ihm entfremden, hauptsächlich sein jüngster Sohn, in dem er seinen Todfeind erblickt, der ihn durch sein Draufgängertum vom Tffch des Lebens, einfach „abwischt". Mase ist durch den oben erwähnten Streik der Lumpenklauber gegen seinen Willen gezwungen, der Arbeit, die ihm Lebensinhalt war, sernzubleiben. Und nun ist er vollends aus dem seelischen Gleichgewicht ^gebracht, denn diese Arbeit unter den „Schmates" war für ihn symbolisch, nur dort war er in seinem Element, denn er ist scklibst nur ein „Abfall" vom Tische-des Lebens. Doch als er nach einer Aussprache mit seinem Sohn, dem er, «ohne auf Verständnis zu stoßen, seine Welt zu erklären versucht, zu den „Schmates" zurückkehren tvill, zwingt sein treues Weib den Willensschwächen Menschen, den Schabbesrock anzuziehen und' endlich Feierabend zu machen. — Die Aufführung in der Freien jüdischen Vo'Wbühne" 'ist ejme hervorragende, ddch alle überragt Ben Zwi (Paul Baratoff) durch sein meisterhaftes Können. Wir wollen -außerdem noch Herrn Jana Reißmann hervorheben, der als Reb Elje (der einzige Mensch, der die Ansichten Mases versteht) großes schauspielerisches Talent an den Dag legte. Sehr gut inszeniert war die Streikszene, in der Herr Isaak Deut s ch, der Regisseur des Abends, selbst mitwirkte^ in diesem Akt ist Me Type vom Autor gut gezeichnet und auch von den DoaMllern vortrefflich Wiedergaben. O. H. M. Grumoalds ^Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde". Das -soeben erschienene 06.'Heft (32 Seiten, «durch die Wnrimstvation unseres Blattes zu beziehen) enthalt eine Abhandlung des Herausgebers über „Jüdische Waisensürsvrge in alter und neuer Zeit", tut der die >gesamte, die SckellLmg und Behandlung des WaiserÄntdes bei den Juden behandelnde Literatur seit «den ältesten Zeiten bis aus, die Gegenwart verwertet ist, sowie „Jüdische Sprichwörter und Redensarten". S. M. UWW>! Vermischtes Probeoortrag..Am 29. v. M. hielt Herr David Weiß-mann, Kantor am Döblinger Tempel, im Agramer Tempel P^ybevorträge und errang durch seine sympathische Tenorstimme, wie auch durch seine vorzügliche musikalische Begabung die vollste Zufriedenheit des gesäurten Publikums. Ein wahrer Menschenfreund ist der Direktor des „Helios"-Kino in der Taborstraße, Herr Albert Frankl. Am Mittwoch-versammelte der gütige und tatkräftige Mann die Kinder des israelitischen ' Taubstummeninstitutes, die Waisenkinder des Mevores-Waisenhauses. die verlassenen Mädchen des Kinderheimes in der Auhosfstraße und Kinder des Pestalozzivereines, um ihnen durch säst zwei Stunden entzückende Bilder aus Natur- und» Menschenleben vorführen zü lassen. Es war ein Vergnügen und eine Freude, die lachenden und frohlockenden Kinder zu sehen und zu hören, und alle versicherten, daß diese zwei Stunden ihnen unvergeßlich sein werden. Auch die Lehrpersonen, welche der Vorstellung beiwohnten, danken hiemit dem -gütigen Menschenfreund, Direktor Albert Frankl. Als Illustration für unsere Ausführungen wollen wir nun bemerken, daß am 7. d. M. über Initiative des Herrn Frankl in seinem „Helios-Kino" eine Wohltätigkeits-Akademie zugunsten des Heimes für arme verlassene Kinder des Wiener FrauenverÄnes unter Mitwirkung hervorragender Künstler stattfand, die dem wohltätigen Zwecke einen erheblichen Betrag zu-gsjAhrt hat. Unter den Mit,wirkenden verdienen «besondere Erwähnung das Koschat-Q-uartett und Herr Boris B o g o l s,k y, der mit seinen meisterhaft vorgetragenen Gesängen großen Beifall auslöste. Kranken-, Witwen- .und Waifen-UnterstÄtzunqsvereirr „Selbsthilfe". (Sitz Cafe Nard, 2. Bezirk, Heinestraße 15.) Die am 20. v. M. stattgefundene ordentliche Generalversammlung des -obigen Vereines gestaltete sich dadurch besonders interessant, da Herr N. K u.s z n t e r. der nicht zu den Vorstandsmitgliedern des Vereines, gehörte, ans einer eigenen Liste kandidierte. Zn einer, von den Anwesenden äußerst beifällig aufgenommenen Rede entwickelte Herr N. Kusznier, der durch sein humanitäres, edles Wirken in weiten Kreisen der Oeffentlichkeit bestens bekannt ist, idin Vrogramm. Der Ersola dieser Rede war ein ganz bedeutender, die Liste wurde mit großer Majorität gewählt. Bei der hierauf erfolgten Konstituiernna des Vorstandes wurden gewählt die Herren: Samuel Kohn zum Ehrenpräsidenten, M. Timym zum Obmann, Nathan Kusznier z-um Obm-annstellvertrcter, Oskar Fischer zum ersten Schriftführer, Otto Blum zum zweiten Schriftführer, Mols Fürst zum Kassier. Als Ausschußmitglioder erscheinen gewählt die Herren: Emanuel Adler, Samuel Bojnitzer, Julius Bauer. Josef Brod, Karl Charmatz, Philipp Ernst, August Feldmann, Martin Faßler, Ferdinand Fürst, Mor. Glückselig, Sigmund Hochfeld. Simon Rosen-baum, Arthur Schmosch, Julius Stern, Dr. Sieg-fr. Warenreich, SigmuNd Waschinsky, Saul Wolf, Gdmund Wolf, Isidor Zimmer. Als Revisoren die Herren: Isidor Gersten und Heinr. Himmelreich. Generalversammlungen. Sonntag, den 14. b. M., um 343 Uhr nachmittags., findet im Großen Saal des. Beth Hamidrasch die Generalversammlung der ,Adas Jisroel" statt. — Sonntag, den 26. März fand im Saale der Toynheehalle, XX., Denisgasse, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Brigittenauer Tmnpelvereines statt, zu der eine ziemlich große Anzahl der Mitglieder. erschienen war. — Den Vorsitz führte der interimistische Obmann Herr Mols Feuer, assistiert von dem Obmannstellvertreter Herrn Jg. F r e u n d und dem Kassier Herrn Salomon. In seiner Eröffnungsansprache begrüßte der Vorsitzende zunächst die -Erschienenen, gedachte der in diesem Jahre aus dem Lehen geschiedenen Vereinsmitglieder in der pietätvollsten Weise und bat die Versammlung um einen ruhigen und würdigen' Verlauf der Debatte. Sodann erstattete er gemäß der Tagesordnung den Bericht, erörterte die Vorgänge - im äb-gelaufenen Geschäftsjahre, -welche dazu führten, daß drei -außerordentliche Generalversammlungen notwendig wurden, und zwar wegen AeNderung. der Statuten, der Rabbinerfrage -und Anstellung des gegenwärtigen ' Oberkantors. Die Verhandlungen mit der Kult us gem einde, «daß der alternierend aus der Landstraße und in der Brigittenau wirkende Rabbiner ganz allein dem 20. Bezirke zugewiesen werden soll, führten bisher zu keinem Positiven Resultate, hatte aber zur Folge, daß die Herren Herm. Eltbogen, Dr. Max Weißenste-in, Leov. Spira und Hermann Reichsseld demissionierten. Auch die Oberkantovfrage sei noch immer eine -ungelöste, da Herr S chneew e i ß, der vorerst bloß für die Dauer eines Jahres akzeptiert wurde, die Absicht geäußert habe. Wien zu verlassen. Herr Beck ien., der als erster das Wort ergriff, unterzog die Tätigkeit des Vorstandes einer scharfen Kritik und -beklagte es besonders daß -der Bezirk v