Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 10 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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, v-v=W;',..'V,-Av ■' Seite 12 D i e Wahrheit Nt. 10 Q&, mm Von Nah und Fern | Tirettor Simon Heller | Svuniag, den 7. dlpril, wurde im Alter von 79 Jahren Oer Direktor des Israelitischen BliÄdelunstituts in Wien, Simon Heller, zur ewigen Ruhe bestattet. Ein der vornehmsten Menschenliebe, -dem Erbarmen mit den unglücklichsten Kinderir -gewidmetes Dasein rastloser Tätigkeit kam hier zu eh reu reichstem Abschluß. Hilse den blinden Kindern, das war die Lebensausgabe, der Lebenszweck Sinron .Hellers. Wie er seiner selbstgestellten Mission gerecht wurde, darüber hat -die -gesamte Kulturwelt Worte Ides höchsten Lobes gesunde.il. Ohne Ueberschwan-g läßt sich demevken, daß Direktor Sinron Heller mit den: galrzen ihm eigenen vornehmen Denken und Fühlen in -seinem Berus ansging, daß er ein V-atex seiner Zöglinge gewesen, und sonach ist es auch keine Hyperbel, wenn erklärt wird, daß der Hingang dieses Mannes einen unersetzlichen Verlust bedeutet. In die tiefe aufrichtige Trauer über fein Scheiden mischt sich die ^berechtigte Gerrugtuung, daß wir die Auszeichnung genössen, ans. der Feder dieser hervorvagenden Persönlichteit eine Reihe von Aussätzen veröffentlichen zu können, die für die Entstehung und Entwirklurrg des Blindeninstituts aus der Hohen Warte hochinteressante Ausschlüsse gaben, aber leider ein Torso gckblieben sind. Die wohlverdiente hohe Ehrung des Verewigten, die er genoß, kam bei seinem imposanten Leichenkwgäuguisse zum sinusälligeu Ausdruck. Ehe der Sarg hiliausgetragen wurde, saug der Chor der blinden Kinder ein Traner'lied. Auf deni Zentralsriedhos trug Oberkantor K a u s m a ll n mit dem Telnpeilchor die Gesänge des Rituales vor. Dann nahm RMbiner Dr. Täglich t, ein langjähriger persönlicher Freund gleitung des ersten Tempelvorstehers Dr. Bruno Werner gemeinde hielt Präsident Generalstaibsarzt Dr. P i ck die Trauerrede. Im Austrage des Kuratoriums sprach Rechtsanwalt Dr. Emil W o l s, namens des Döblinger Teinpelvereines Obmann Eduard R e ch u i tz e r, welcher in Be- Hellers, von dem Toben Abschied. Im Namen der Kultusevschienen war, im Naineir des L-chvkörpers und der Zöglinge des Instituts Blindenlehrer Altman n, im Namen der im Berufe stehenden Blinden ehemaliger -Zöglilnge Fabrikant Schuh -m a u u und nach ihm ein Vertreter der Vereinigung der Blindenlehrer. Am offenen Grabe sprach ein Zögling der von DiiMor Heller begründeten Anstalt für Späterblindete tiesgeffihlte Mschiedswvrte. ALzuMisches in Genua. Die zweite Garnitur der Deuffchnationalen im deutschen Reichstag hat sich zu folgender Ansvage an die Regierung aufgch'chwüngen: „Unter den bekanntgegebenen. Personen der Delegierten und der Sachverständigen ffir die Konferenz -in Genua befinden sich miUdeftens 12 Herren jüdischer Rasse. Das Zahlverhältnis der deutschen Staatsbürger jüdischer Rasse zu dem arischen Geblüts beträgt wenig mehr als 1 Prozent, nach der oftjüdffchen Zuwanderung mag es vielleicht au 2 Prozent herankommen. Da die Zahl der Delegierten und Sachverständigen für Genua insgesamt 39 Personen betragen so ll (!), bedeutet der rassenmäßige jüdische Anteil nach obiger Feststellung fast 33Prozent. Wie will dieReichsregierung diese ungeheure Bevorzugung der Juden bei der Auswahl -der Delegierten und 'Sachverständigen zur Vertretung der deutschen Belange in Genua rechitsertigen?" Beauüvoriet, wurde diese Interpellation wohl hauptsächlich aus dem Grunde nicht, weil ein Narr mehr fragen kann, als eine ganze Ministerbank zu beantworten imstande ist. Immerhin hatte man den wackeren Lencken erklären dürfen, daß man in Fragen des höchsten Staatsinteresses nicht nach dem Proporz, sondern nach der Eignung der zu Berufendem Vorgehen muß. Es ist eine fatale Sache, daß die Fähigkeiten in den Reihen der Deutschnationalen so spärlich vorhanden such. Delegiertenversammlung der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge. Unter überaus starker Beteiligung der cm geschlossenen Bcroine.und Wohlfahrtsinstitutionen hat Mittwoch, den 29. März, nn großen Sißungssaale der israelitischen Kultusgemeinde die Deleglertenversammlung der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge stattgefundcn. Der Vorsitzende, Präsident I. Wachtel, begrüßte die erschienenen Gäste, insbesondere Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. P. Chajes und den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn I. G lü ck und gedenkt hierauf der im abgelausenen n<rhre Heimgegangenen Mitglieder und Förderer. Nach Verlesung und Verifizierung des Protokolles der letzten Delegiertenversammlung erstattet Sekretär Dr. M. L ö w den Bericht über die Tätigkeit der Zentralstelle, indem er zunächst ans die großen Vorteile hinweist, die in gleicher Weise den Fürsorgebedürftigen, wie den Fürsorge pflegenden Vereinen infolge der Zentralisierung zugute kommen und schildert dann die einzelnen Aktionen des Knrve-rbcrndss, Altersfürsorgeverbandes, des Bekleidungsverbandes und des Jugendsürsorgeverbandes in eingehender Weise. Durch die in nächster Zeit in Aussicht genommene Errichtung von Bezirksfürsorgestellen, welchen insbesondere fürsorgerische Beratung der Bezirksbewohner, Arbeitsvermittlungen, die Erfassung notleidender M i tte l st an d s f ä l l e, Aufrichtung und Sicherung bedrohter- Existenzen zugedacht ist, wird die Organisation der jüdischen sozialen Fürsorge weiter ailsgevaut und neue Kräfte uud neue Mittel der Fürsorgetätigkeit zugeführt werden. Vizepräsident der Kultusgemeinde, Herr I. Glück, zollt dem Bestreben der Zentralstelle, die einzelnen Institutionen zu gemeinschaftlicher Fürsorgearbeit zu vereinigen, sowie der Tätigkeit der einzelnen Verbärge wärmste Anerkennung und richtet auch Worte des Dankes an Herrn Oberrabbrner Chajes und Frl. Ella Kreisler für ihre intensive, wiederholte Förderung mannigfacher Fürsorgeaktionen. Ueber Antrag des Generalsekretärs des Vereines gegen Verarmung, Herrn Dr. Glaser, welcher die im Berichte geschilderte aufrichtende ' Fürsorge, sowie die territoriale Ausgestaltung der Zentralstelle mit besonderer Freude begrüßt, wird dem Kuratorium das Absolutorium erteilt. Die vom Kuratorium beantragte Aenderung des Regulativs, welche eine Vertretung der Bezirksfürsorgestellen im Kuratorium ermöglichen soll, wird unter Annahme eines von Herrn Regierungsrat Rudolf Tanssik diesbezüglich gestellten Antrages einstimmig von der Versammlung genehmigt. Ueber Antrag des Herrn Direktors Max Fischer werden die Ergänzungswahlen in das Kuratorium per Akklamation vorgenommen. Als gewählt erscheinen: Die Damen Friederike Roth, Sofie Grün seid und die Herren Anton Beck, Dr. Rudolf Schornstein, Karl Klemperer, Medizmalrat Dr. I. S a m u e l y, Paul K a r p e l e s, Dr. Hermann L o e w und Oskar Goldschmied. Ein vom Verein „Jüdische K i n d e r f r e ii n d e" gestellter Antrag, betreffend die Ausgestaltung des Fürsorgekatasters, die Herausgabe periodisch erscheinender Mitteilungen, sowie die Ausarbeitung gemeinsamer Plattformen für jene FürsorgÄnstitutionen, deren Arbeitsgebiet kulturellen Charakter trägt, wird nach kurzer Debatte dem Kuratorium zur geschäftsordnungsgemäßen Behandlung zugewiesen. Herr Oskar Goldschmied lenkt die Aufmerksamkeit der Anwesenden aus die ini Heim Baumgarten errichtete Werkstätte' für Schuhreparaturen, durch wÄche es'ermöglicht wirb, die in den erirzelnen Wohlfahrtsiirstituten notwendigem Schuhreparaturen billiger herzustellen. Nach Erschöpfimq der Tagesordnung wird die Delegiertenversammlung unter Dankesworten des. Vorsitzenden an die Erschienenen geschlossen: Jüdische Einheitsfront in Ungarn. Gelegentlich seiner Wahl in die Repräsentanz -der Pester ffvaelitischen Religion sg emeinde sagte -der ehemalige ungarische Justizminister Wilhelm V a z s o n y i: „Solange die uns schmähenden Gesetze nicht Es dlem Gesetzbuche gestrichen sind, solange Iber Zustand kein Ende nimmt, daß wir zweitklassige Bürger des Staates sind, solange das Werbet Abonnenten für unser Blatt!