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Die Wahrheit · 1922-05-12 · Heft 10 (12.5.1922) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 10 (12.5.1922)
Date
1922-05-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Die Wahrheit Seite 11 zur aufrichtigen Freude aller Ritualmord-Märchenerzahler, dem Osterlamm der Juden um so größeren Raum und will glauben machen, daß die Juden im grauen Altertum -nicht nur Menschenopfer brachten, sondern auch diese verzehrten, also Menschenfresser waren. Der ge-' lehrte Forscher der „Arbeiter-Zeitung" beweist weniger, als er vermutet. Er weiß für seine Sache anzusühren, was Ovid und Vevgil diesbezüglich schrieben, er ist mit Kybele und ihrem Sohn Atis auf du und du und kennt sich in der Tontafelbiblivthek des Königs Assarbanipal aus. Man sieht, der Mannweiß unheimlich viel. Es ist ihm deshalb zu verzeihen, wenn er das Naheliegendste nicht weiß, daß es vor Abraham kein Judentum gegeben hat und daß sich im mosaischen Gesetzbuch wie ein roter Faden eine heilige, ängstliche Scheu vor dem Genuß jedweden Blutlos hinzieht und dem Zuwiderhandelnden die furchtbarste Strafe, „die Ausrottung, aus seinem Volke", angedroht wird. Als Ersatz 'für solche Ignoranz bietet der Religionskuindige der „Arbeiter-Zeitung" wieder ein anderes: „Heute wissen wir, daß die ganze Geschichte des Auszuges aus Aegypten ein Märchen ist." Wir, das heißt Alpha Omega. Es ist erstaunlich, was er alles weiß und nicht weiß. So sicht es mit dem Verzapfen der Volksbelehrun-g und Volksaufklärung aus. Wie recht hatte doch Schiller: Was sie gestern gelernt, wollen sie heute schon lehren. Ach, was haben die Herren für ein kurzes Gedärm. Jaüotinski ist nicht zufrieden. Eine Gruppe der Zionisten äußert ihre UnzusriedonhÄt darüber, daß Wladimir J ab otinsk i, der sich von dem Vorwurf der Pakeleien mit dem berüchtigten Petljura nicht reinigen konnte, eine Rolle in der Exekutive der zionistischen Organisation spielt. Jabotinski revanchiert sich damit, daß er seinerseits mit den Ergebnissen der dreijährige z-ionist-ischeu Tätigkeit 1918 bis 1921 unzufrtiüden ist und sich darüber in mehreren zionistischen Blättern folgenderweise äußert: Seit d-em Waffenstillstand ist ein 2bprozentister Aufschwung der jüdischen Bevölkevnngsz-isser in Crez Jisroel zu verzeichnen, -ein 20prozvntiger Aufschwung der jüdlischen Kolonien, eine 20prozeMge Erhöhung -des in jüdischem Besitz besndlichen Bodenaraels Palästin-as, eine IMprozentitze Erhöhung des Bodenbesitzes in Jerusalem und Jaffa, zwei neue jüdische Banken und ein bisher nie gekannter Aufschwung in jüdischer Privatinitiative Häuserbau, Meer- und Seöschisfahrt, Handel und Jndurstie umfasiönd. Den Umständen Rechnung tragend, unter welchen all . dies in Palästina erreicht worden ist, glaube ich, daß man bej objektivem Urteil eher zu der Ueberzeugung kommt, daß wir rmsere kolonisatorischen Fähigkeiten, unsere Ausdauer :mb. unser Anpassungsvermögen bewiesen haben. Wenn aus irgend etwas, so köimen wir stolz auf unsere Leistungen sein, und diese Leistungen geben uns das Recht, mit einem gewissen Maße von Selbstvertrauen in die Zukunft blicken." Wenn dem so ist, warum schließt Herr Jabotinski seinen Lobgesang mit den- Worten: „Stellt inan mir aber die Frage: „Sind Sie mit dem gemachten Fo r ts chrit te zu sried en?" so würde msineAnüvort,,wie. die Antwort eines jeden Zionisten — ganz-besonders,, wenn er ein Mtglied 'der Zionistischen. Exekutive ist — nein lauten. Wäre der von uns erzielte. Fortschritt um das Zwanzigfache größer, so wären wir immer noch unANfrieden. Es wäre alles „nichts" im Vergleich, zudem, was wir erzielen wollen!" Nun, bescheiden, si^ thie Herren von!der Z. Ei dnrchdus? nicht, uMHerr: Jabvtinski am allerwenigsten. Er wird aber, besonders'. wenn die Bewegung keinen anderen Kurs nimmt, Genügsamkeit lernen müssen. Gegen die Störenfriede. DieUeberhanidnrchme der gistgüschwollenen Schmäh- und Hetzlitevatur >gegen die Juden hat den Minister des Innern in Preußen veranlaßt, an alle Polizei- und Landesregierungsstellen einen Erlaß zu richten, laut welchem mit der Konfiskation derartiger Flugblätter vorzugehen ist, falls diese geeignet sind, im Widerspruch mit dem Staatsgrundsatz Unruhen zu stiften und Klassen zu bedrohen. Das ist eine Maßregel, von der nur zu wünsche:: wäre, daß sie eine stramme Durchführung fände. Es ist aber auch schon -hohe Zeit, daß regierungsseitig die Vogelstraußpolitik verlassen wird, denn die Ausschreitungen gegen die Juden in Deutschland sind-bereits über den Rahmen des Theoretischen hinansgewachsen, wie die täglichen -Verprügelungen der Jtid-en nnd JUdenvvrdächtigen aus offener Straße und bei Hellem Tage bekunden. Ein deutscher Jünglingsvevein hat. es zu einer, neuen Marseillaise gebracht, deren Kehrreim lautet: „Schmiert die Guillotine mit Jndensett, Judenblut muß fließen dick!" Man muß diese Junggermanen lehren, nicht nur auf die'' Juden, sondern -auch auf die Kulturwelt Rücksicht zu nehmen. Zur palästinensischen Arbeiterfrage. Vor einigen Tagen hat der bereits wieder hergeftellte Oberkommissär Sir Samuel eine Urlaubsreife nach London angetreten und empfing aus diesem Anläße eine Preßedeputation, zu der er sich über die Schwierigkeit des dortigen Arbeitsproblems äußerte. Die Einwanderung mußte notwendig unterbrochen werden, weil sich eine empfindliche Arbeitslosigkeit fühlbar machte. Das ist aber so zu verstehen, daß es an „Chaluzim" nicht fehlte; im Gegenteil. Diese Gruppe besteht jedoch fast durchwegs aus jungen Leuten ohne eigentliche:: Berits, die :mr für Straßenbauten oder in der Landwirtschaft verwendet wevden können. Hier besteht mehr Angebot der Kräfte als Nachfrage und es dauert immer längere Zeit bis der Ueberschuß der feiernden Hände abgeleitet werden kann. Woran es aber fehlt und was bisher auch schwer zu beschaffen war, das sind die qualifizierten Arbeiter, namentlich Mechaniker, Schlosser, Chauffeure, Tapezierer und Tischler, auch Banarbeiiber, solche werden für Jerusalem, Jaffa uüd andero Städte gesucht. Sie wären willkommen :rnd fanden fraglos lohnenden Erwerb. Der Fall Birnbaum. Es war ein Sturm im Waßerglase, den das I. C. B. vor kurzem hervvrgerusert hatte, als sie die Meld:vng über einen Austritt Dr: Nathan Birnbaums aus der Agndas verbreitete, 'dabeiihrem Senfationsbedürfnisse hemmungslos die Zügel schieße» lassend. Dr. Birnbaum sieht sich veranlaßt, in einer. Berichtigung zu erklären, daß a,n der ganzen Meldung, der I. C. B. kein wahres Wort ist. Vermuten konnte man dies schon früher, wenn man die kluge -besonnene Art bedenkt, die er bei für die QeffenEchkeit bestlirnMten Aenßerungen einhält. Der Tadel einer derartigen Leichtfertigkeit müßte weit, schärfer ausfallen, als . es in den zahmen Worten der „Jüdischen Rundschau" geschehen ist,, die nach Albdruck der Berichtigung schreibt: „Es ist bedauerlich,'daß der Gewährsmann des I. C. B. sich in seinem Berichte solche Ungsnanigkeit. zu schrrlden kommen ließ, Red. „I. R." Jchenfalls hat ein derart frivoles Nachrichtenbüro das Recht verwirkt, ernst genommen. zu werden.

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