Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1922-05-12 · Heft 10 (12.5.1922) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 10 (12.5.1922)
Date
1922-05-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063949-3063959--11712-3079130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 Die Wahr'heit Nr. 10 Wahrheiten vom Tage pj Oppositionelle Zionisten. Daß etwas, -and zwar nicht wenig saut sei in der garantierten Heimstätte der Inden, wußte man schon lange, besonders seit dem Karlsbad'er Kongreß. Damals 'aber wurde die Kritik von den Mameluken des A. C. niedergestimmt und niedergetvampelt. Die Folgen dieser Gewaltpolitik traten alsbald mannigfach zutage. Auch der Keren Hajefsod mußte daran glauben. Vor einiger Zeit saüd im Haag eine Konferenz der zionistischen Opposition statt, zu der Deutschland, Frankreich, Holland und Amerika die besten und bekanntesten Vertreter entferfböt Hatte. Die Forderungen der Opposition erstreben ebne scharfe Kontrolle der Ausgaben, Unparteilichkeit in der Besetzung der Stellen und Remter, Wfchassung jeder Protektionswirtschaft. und äußerste Sparsamkeit. Gegen diese vollberechtigten unerläßlichen Forderungen wendet sich sonderbarerweise der Jewish Ehronicle. Also eine Opposition gegen die Opposition, die zu denken gibt. Besonders nümnt dwse Opposition Anstoß an der zionistischen Finanzwirtschaft, resp. zionistischen Finanzmißwirtschast. Ueber dieses Thema erschien kürzlich eine Broschüre, deren Verfasser Hwnrich Margulies an der Verwaltung des Palästinasonds eingehende sachliche Kritik übt, wie dies berMs Brandeis, Kami, Marmorek und andere bei wiederholten Anläßen getan. Die maßgebenden Herren der zionistischen Organisation verschließen sich keineswegs den von Margulies ms Tressen gebrachten Argumenten, bestreiten aber deren Berechtigung. Es ist eine bequeme, aber durchaus nicht glückliche Mähode, sich einfach aufs Negieren zu verlegen. . Der zuKischneidige Wolfs. Aus die Legitimisten ist heute in Oesterreich kein sicherer Verlaß, seitdem der letzte Kaiser verstorben und für seine Hinterbliebenen die öffentliche. MMtätiAeit angerufen wird. Solange von Prangius gute Schweizer Francs und gute Schecks kamen, war es . eine Luft und Freude, in Wkonarchiismus zu arbeiten. Hsrte tut man es, wenn das harte Wort erlaubt wird, nur noch schandenhalber. Leben, daß heißt gut leben, laßt sich von der Herausgabe eines Lsgitimistenblattes nicht wifb wäre es auch so jämmerlich gering wie die „Staatswehr", von der. sich der Besitze Oberst Wolfs viel versprochen hat, weil auch ihm viel versprochen wurde. Indes, wo kein Kaiser ist, da hat der Wolfs das Recht verloren und als geschäftstüchtiger Deutscher wirf er die Wurst nach einermMren Speckseite. So ging er denn kurz entschlossen andteGründung einer legNmiftisch-demokmÄschen Partei, in der' alles ohne Unterschied der Nation und Konfession autzenoMMM wird. Warum auch nicht? Der Mitgliedsbeitvag. eines Juden oder das jüdische Geld für eine An- .zeige in.der „Staatswehr" hat keinen besonderen Dust. NlMrgut, der Herr Oberst Wolfs macht seinem Frieden mit Nationen und Konfessionen im Prinzip und auf. der Stirnseite seines Blättchens. Wer etwas weiter hinten, im Brieskaßenraum, wo nicht wacker gebissen, sondern Vorsicht^ gekläfft wird, begegnen wir einem anderen Wolfs, der aus. seinem Herzen keine Mördergrube macht und der OestenMchckeit das Geheimnis verrät, daß an dem Tod des Kaisers Karl die Christlichsozialen mit Herrn Seipel an der Spitze: genau, so schuld haben, wie die jüdischen Sozi Bauer und Austerlitz. Man sollte nun meinen, daß die Christlichsozialen allwegen so schwarzgelb wären wie der Herr Oberst Wolfs. Dem sei.nun so, oder anders, wenn der Herausgeber der „Staatswehr" seine Freunde von gestern sich zu Feürden macht und vor den Kopf stoßt, dann wird es mit der legitimiftisch-demo kratischm Partei Essig: fein und ihm bleibt als Notanker der Staatswehr zwerter, noch schlechterer Teil der „Tfchechenfpiogel", der an Idiotismus so außerordentliches bietet, daß die großdeutsche Fabrikantengruppe, der zuliebe so was heransgeschrieben wird, sich baß schämen sollte. Der Friede mit den Arabern. Die „New-Aork Times" dienen mit einem Plan, wie die Konflikte Wischen Juden und Arabern in Palästina aus der We'lt zu schassen wären, und zwar scheinbar sehr einfach, indem ein.größeres 'arabisches und kleineres jüdisches Territorium, jedes für sich, als Nationailheim zu schaffen tpäre. Aus einer Seite kommt immer die Hochzeit bald zustande, nur ibezweifeln wir, daß es die Juden sein toerben, die sich mit dem bescheidenen kleinen Teil begnügen würden. Aus Horthy-Ungarn. Wollten wir alle Schandtaten der famosen Bethlen-Regierung berichten, die Spalten unseres Blattes würden dafür nicht ausreichen. Doch Ehre, dem Ehre gebührt; es sind nicht immer Schandtaten,- die wir zu vermelden hätten. Graf BeMen, den die Geschichte wohl einst mit dem schmeichelhaften Beinamen „der Doppelzüngige" versehen wird, ist den Juden bei all seinem Liebäugeln mit den „Erwachenden" ein loyaler Regierungschef. So hat er, als in Budapest das Stadtparlament den Antisemitenhäuptling Misp o th, ein übel beleumundetes Individuum, zum Bürgermeister machen wollte, die Wahl verschieben und einen kommissarischen Bürgermeister einsetzen lassen. Wenn man von so hervorragendem Tun hört und an so manches vergessen könnte, mochte man gar nicht an einen Antisemitismus in Ungarn, im Lande des „numerus clausus“, glauben. Wer immer wieder ist man gezwungen, die Erinnerung -an die Judenverfolgungen zu wecken, und immer wieder spricht man von diesen. Ungarische Inden in Amerika wandten sich cm Präsident Hu rd i n g gegen das Treiben der ungarischen Antisemiten. Und diese begnügen-sich nicht mit der eigenen Heimat. Erst unlängst wurde ein Spitzel der „Erwachenden" in Wien anläßlich einer von den ungarischen Internierten abgehaltenen Versammlung in Hast genommen. Auch in Rumänien strecken sie ihre antisemitischen Fühler aus, doch dort holten sie sich die gebührende Antwort. Versuche ungarischer Studenten, in Klausenburg die Judenbeschränkung, einzuführen, wurden von den Rumänen mit den Worten abgelehnt: Wer iden numerus clajisus will, gehe nach Budapest. Was er nicht alles weiß! Das Zentralorgan der Sozialdemakvatie Dentschöfterreichs hät in seinem Programm die Bekämpfung jeder, positiven Religion, was im Widerspruch mit dem sozialistisr^n Grundsatz steht: „Religion" ist Privatsache". Trotz: alledem nimmt die „Arbeiter-Zeitung" Anlaß, bei geeigneten Gelegenheiten besonders bei hohen Fest- und FÄertagen, deren Ursprung als heidnisch und prähistorisch hinzustellen. Der Spezialist für dieses Fach zeichnet ■ Alpha. Omega; eine symbolische Andeutung, daß der Verfasser die Religionswissenschaft von A bis Z (Alpha Omega) im kleinen Finger habe. Dieser Privatgelehrte, der-aus unerfindlichen Grurckren fernen Namen' verschweigt, hat am Vorabend' des-: Pchachfestes) so tief' als; es ihm möglich war, in 'den Schatz-feines Wissens gegriffen und. sich, über „das PaGahlamm bei Heiden, Juden' und Christen" verbreitet. Während Alpha Omega dieMaL- Christen und^ Heiden nur vorübergehend streift, widmet-eh

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.