Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1922-05-12 · Heft 10 (12.5.1922) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 10 (12.5.1922)
Date
1922-05-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063949-3063959--11710-3079128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

•Seite 8 Die W a Und dies ist auch beute ider Weg, deruns Juden über alle Spaltungen hinweg zur Einigung zu führen vermag: „Wir müssen den Weg zurückfinden zu Gatt, dem Allbefreier, dem Allerlöser, indem wir gleich unseren Vorfahren am Schilfmeere wieder Begeisterung gewinnen für unseren Gott, Liede zu Gott und seiner heiligen Lehre, Freude in Gott und seinem erhobenen Glauben, indem wir unsere Seele heiligen und läutern in wahrer, edler Frömmigkeit, in der Betätigung allumfassender Menscheuliede, und indem wir in der Heranwachsenden Jugend dieses fromme Gefühl, diese fromme Gesinmmg und Betätigung zu erwecken und zu festigen suchen und so zum friedlichen Einklang gelangen mit der Seelenstimmung unserer- Eltern und Voreltern. Vielleicht ist das diesmalige Passah-Fest der Anfang einer wirklichen Erhebung und Befreiung für Israel und die ganze, nach wahrem Frieden -und wahrer Freiheit sich sehnende Menschheit, daß die Jett näher komme, von der gleichfalls Jesaja's Prvpheteumund kündet: „Sie werden nichts Böses treu und kein Verderben anrichten auf mebnem ganzen heiligen Berge, denn wie die Wasser das Meer füllen, wird die Erde voll sein d5r Erkenntnis des ewigen Gottes." - Rasse, Volk, Nation. Von Dr. Max G r u u w a l d. Drei Worte, über deren Sinn imiendlich viel und heftig gestritten wild, Worte von allergrößter Bedeutung, insbesondere für uns Inden. All ihnen orientiert sich die lieueste Geschichtsansfassnng. Der Politik der letzten hundert Jahre dienten sie wiederholt als Schlagworte. Um so überraschender ist die Unklarheit und Verwirrung in Fragen dieser Elementarbegriffe. Eill Blick auf einige einschlägige literarische Neuerscheinungen liefert hievon ein anschauliches Bild und legt der jiddischen Journalistik die Pflicht auf, unablässig über diese drei Begriffe Aufklärung zu verbreiten, deren Unklarheit eine Fchlerquelle von unabsehbaren Folgen bildet. Die neueste Literatur: Kautsky/) /Kants k y nimmt, von der Lektüre F i s h b e r g s angeregt, als Soziologe zu deil Rassencheorien Stellung. Für den Rassentheoretiker ist die Rasse das moderne Fatum. Was eilt Mensch ist im'b was er tut, ist und leistet er mit Naturnotiw endigteit. Diese Eigenart ist Hm unabänderlich angeboren, sie vererbt er fernen Nachkommen. Die.Bezeichnung Nasse trifft, genau genommen, nur aus Haustiere zu. Man spricht voll einer Rinder-, einer Hichnerrasse usw. Sie wird künstlich dadurch erzielt, daß der Tierzüchter die Entwicklung gewisser, ihm nützlicher Eigenschaften eures Tieres und durch Neberwachnng der Fortpflanzung Hre Vererbung fördert. Bei den wilden Tieren ist eine solche Züchtung nicht vorhanden. Es fehlt an einem bewußten Streben, irgend eine Tierart einem außerhalb. seiner Naturbestimmung liegenden Zweck entgegenzuzüchten. Wäre eine solche planvolle Absicht vorhanden, so würde ihre Ausführung an der Unkontrollierbarkeit ihrer Fortpflanzung scheitern. Tatsächlich Heiden sich die jetzt bekannten Unterarten der wilden Tiere seit Menschenlgedeniken nicht geändert. Bei ihnen kommen nicht, wie bei den Haustieren, die individuellen Borfahren, «der Stammbaum, in Betracht. Man unter- > Kautsky, Rasse und Judentum, 2. Ausl., Stuttgart 1921, I. H. W. Dietz Nachs. h r heit_10 scheidet bei. ihnen nur geographische Rassen, einen Berberil nd einen Perserlöwen, einen indischen und afrikanischen Elefanten. Das „Milieu" bewirkt sie. Der Mensch schasst sich einerseits bis zu einem gewissen Grabe künstlich sein Milieu, und seine Freizügigkeit erleichtert Mischungen der verschiedenen Milieüprodukte. Anderseits wird die bei . Haustieren durchführbare Inzucht bei menschlichen. Rassen, die oft mit sozialen Gegensätzen, Kasten, identisch sind, durch sexuelle Untreue problematisch, sie führt nicht selten, anstatt zur Veredlung, zur Degenerierung. Noch hat die wissenschaftliche Anthropologie kein Kriterium für eine Menschenrasse sestgestellt. Weder die Schädelform noch die Sprache oder sonst ein Merkmal kann dafür gelten. Im übrigen ist, nach Lufchan, es heilte nicht wichtiger zu wissen, wieviel menschliche Rassen es gibt, als herauszufiüden, wieviel Engel ans einer Nadelspitze tanzen können. Die Rassen sind durchaus variabel, sie alle gehen ans einen gemeinsamen Ursprung zurück, ihr Kulturwert hängt von den Umständen ab. Der Rassennuterschied wird zum Beispiel, wie E!d. M a y e r Hervorhebt, im Orient gar nicht empfunden, scharfen Geigensätzssn prägt er sich nur aus, wo Kulturen derzeit soweit von einander abstchen, wie Zwischen dem Anglogermauen 'und den:, Neger, »oder dort, wo er die demagogische Ausn>ütznng aller Vorurteile erleichtert, wie im Antisemitismus. Die Juden werden als Rasse bekämpft. Sind sie es in Wirklichkeit? Als Merkmal der jüdischen Rasse gilt vor allem die krnsmme Nase. Die Wahrheit ist, daß nur 13' bis 14 Prozent der Juden diese Nase aufweisen. Die Katholiken Allbayerns sind zu 31 Prozent damit behastet. Ebensowenig ist das dunkle .Haar ein jüdisches ChavaEteristiku!M. In Deutschland stellte matt, mnter den jüdischen Kindern 30 Prozent Blondköpfe fest. Die Schädelform der'Juden entspricht der seiner Umgebung. J-m Brustumfang ähnelt der Jude dein Nichtjuden ähnlicher Ber-nfsart. Der fricheire Eintritt der Menses ist der .Städterin eigentümlich, nicht speziell der Jüdin. Die jüdische Akklimatisationssähigkeit erklärt sich zum Teil aus der Mäßigkeit im Alkohvlgenuß. Größere Fruchtbarkeit ist, wo sie Überhaupt noch bei den Juden besteht, nicht aus. physivlogifcheu, sondernaus sozialen Umständen zu erklären. Ebensowenig wie Anthropologie und Physiologie, bietet einen Anhalt die Pathologie. Die Znckerkrankheit ist eine Krankheit nicht der Rasse, sondern des Berufes. Eine letzte Zuflucht bleibt die Sprache, genauer die A.nssprachc. Das Gleiche wäre von den stets sächselnden Sachsen nitb den unabänderlich schwäbelnden Schwaben zu sagen. Schon ein Blick auf die Geschichte' lehrt nach K a u t s k y, daß die Juden von Hans aus ein Rassengemisch darstellen. Nachdem sie. änfgehört hatten, ein. eigenes Staatswefen zu bilden, setzte eine starke religiöse Propaganda diese Mischung fort. Auch später blieben 'die Juden von fremder Art ebensowenig frei, wie diese judenrein. Weder im Sinne der reinen Hanstierrässe noch im Sittue der geographischen Rasse hat es je eine jüdische Rasse gegeben. . > ' Wie aber steht es mit den g e i st i g e n Merkmalen? Sie sind nichts anderes als gleichfalls ein Produkt des Milieus, sie find die aus die Spitze getriebene Eigenart des Städters. Das Vorherrschen der Intelligenz erklärt sich unter anderem daraus, daß, während^im Katholizismus die intelligentesten Elemente dem Dienst der Kirche, das heißt dem Zölibat, zugesührt wurden, die jüdische Zuchtwcchl gerade im Gegenteil die der Intelligentesten war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.