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Die Wahrheit · 1922-05-12 · Heft 10 (12.5.1922) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 10 (12.5.1922)
Date
1922-05-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Hette-7 1. B. M., 2. K., 15. V.: „Also nahm der Ewige, Gott, de,n Menschen und setzte ihn in den Garten Eden." Auch in einem Paradies auf Erden soll der Mensch nicht müßig sein, sondern die Erde, durch Fleiß und Tätigkeit urbar machen, sie bearbeiten. In jedem Stande und in jedem Berufe kann der Mensch durch Fleiß und Tätigkeit die Erde zu einem Eden, zu einem Paradies gestalten. , Die Arbeit ist das einzige Mittel, um den Verarmten wieder zu erheben. Die Arbeit verschafft ein ruhiges Leiben, einen ruhigen Schlaf. K o h e l e t, 5. K., 11V.: „Der Schlaf des Arbeiters ist süß, er mag wenig oder viel genießen; während der Schlaf des Reichen ein unruhiger ist." Vieles können wir in der Arbeit der Tiere lernen, so von der Ameise. Spr. Salomon, 6 K., 6. V.: „Gehe hin zur Ameise, du Faulenzer! Betrachte ihre Weisen und werde klug." Daselbst V. 8: „Sie bereitet ihr Futter zur Erntezeit, sammelt im Herbste schon ihre Kost." Es ist staunenswert, wie dieses fleißige Tier die gesammelten Körner an der Spitze abbeißt, damit sie in der Vorratskammer keine Keime treiben kann. Sie baut senkrecht die Vorratskammer 'in drei Teile. Der obere Teil dient zum Schutze vor Regen, der mittlere Teil für den Vorrat und der untere Teil dient zur Verhinderung der Feuchtigkeit. Der Talmud C H ulen bringt den Dank an Gott bei der' Betretung und' Betrachtung der Werktätigkeit der Ameisen rmd lautet: „Derne Gerechtigkeit, Gott, ragt -wie die'Berge Gottes hoch empor." Ebenso können wir von dem' beharrlichen Fleiß der Biene vieles lernen. Von allen diesen' Tieren ist keines dem Müßiggänge gewidmet. Zur. Anregung für die Arbeit war die Würdigung für ein Handwerk im Judentume. Wie geliebt ist'das Handwerk vor Gott. Es gibt kein Handwerk, Mit dem nicht Armut und Reichtum verbunden wäre. . Talmud S a nhedrin: „Ist sieben Jahre eine Hungersnot, die Türe des Handwerkers erreicht sie nicht." Die bÄeutendsten Talmndlchrer der Vorzeit waren zugleich Handwerkerso z. B. war H i ll el, der Weise, ein .Holzhauer, so wie R ab b i A k i b a, R a b b i N e h e m i a Hakador ein Töpfer, Rabbi I o ch a n a n hafandler ein Schuhmacher, Rabbi I u d a ein Schneider, Rabbi Jrzchrak Nezacha ein Eisenschmied, und so viele andere betrieben ein Handwerk. In Jerusalem waren Straßen und Gasten nach Handwerkern benannt. Eine Bäckerstraße, ein Töpfertor, Zimmertor, ein Wascherfeld. Im Talmud Kiduschim heißt es: „Wer seinen Sohn kein Handwerk lernen läßt,' ist, als wenn er ihn zum Räuber erzogen hätte." Belehrend ist die Stelle im Talmud P e s a ch i m: „Vermiete dich zu jeder Arbeit, wenn sie noch so niedrig, und'falle den Menschen nicht zur Last." Die Arbeit im Judentume wurde so hoch geschätzt, daß die größten Gelehrten von jedem Arbeiter die übliche Ehrenbezeugung. sich versagten. Albert Löw. Freie Bahn in die Zukunft. > Eine Zeitbetrachtung. Die jefajanische Verheißung. . Von Dr. M. E. Pro ß n i tz. „Und es wird eine Bahn stjin für den Rest feines BoiLes^ der> Wrig bleibt aus Aschur, wie-sie einst für Israel gewesen ist am Tage, da es heraufzgg aus dem Lande Aegypten" mutet uns heute ganz merkwürdig an, sie erhebt unsere Herzen auf den Schwingen der Hoffnung, wenn wir sie zur gegenwärtigen Lage des JM>enitums, sowie zur allgemeinen Weltlage, zu dm vor unseren Augen sich vollziehenden Ereiguisten und Geschehnisten innerhalb der Menschheit, innerhalb dev Völkergemeinschaft in Beziehung setzen. Da zeigt uns diese prophetische Verheißung mit sicherer Hand förmlich selbst einen Weg, der aus dem Wirrsal der Zerstörung uns erlösen, der uns das Werkzeug weist, das aus den Trümmern zugrundegegangener Werte und Güter, sowohl wirtschaftlicher Werte, wie geistiger und kultureller Güter, eine neue Welt wieder aufbauen, sie herrlicher, blühender als je zuvor Wiedererstehen, neu erstehen lasten soll. Es ist eine wechgedehnte Aussicht, . die dem hoffnungsreichen Blicke sich eröffnet. — Doch betrachten wir zunächst die düstere, rauhe, grobe Wirklichkeit, wie sie jetzt seit vielen Jahren täglich fast sich darbietet: Die Völker noch immer durch Haß und Eigennutz und Eiglensinn zerklüftet, der früher die Länder und Meere umspannende Ring eines Weltwirtschaftsverkehres zersprengt und zerbrochen, alle Bande wirtschaftlicher Ordnung ^gelost durch die fortschreitende Entwertung des Geldes, durch das Mißverhältnis zwischen Gätererzengung und Gütervevbrauch. Nun sinh die Vertreter -der Völker und Staaten feit mehreren Wochen dort unten in -der sonnenbeglänzten, meerumspülten Hafenstadt, im Süden versammelt, um zu beratschlagen urD zu beschließen, einen wirtschaftlichen Wiederaufbau in die Wege zu leiten, die abgerissenen Handelsbezichungen zwischen Ost und' West wieder zu knüpfen. Doch die Staatsmänner und PolitVtzr, die dort zusammenkamen, sind nur Menschen mit ihren Leidenschaften, Menschen mit ihren Fehlern und Borzügen, mit ihren verschiedengearteten Weltanschauungen, mit ihren mannigfachen Gedanken und Empfindungen, und darum begleitet jedes fühlende Herz diese Beratungen mit dem innigen Wunsche, ja mit dem Gebete für sdrsn glücklichen Erfolg,' daß nach dem BerherßungswaE Jesaja's auch dort eine Bahn sich eröffnen möge, Sin sicherer Weg, der zum Frieden, zur VerftäNdigrmgund Eiuigung führt. Dies kann aber nur geschehen, wenn Sin Funke des Gottesgeistes dort sich entzündet, das heißt, wenn ein starker, sittlicher Wille, zur Einigung zu gelangen, wie >er dort schon aufzukeimen schien, über alle Widerstände hinweg sicher und siegesgewrß sich anch zu behaupten vermag. Wenn wir nun im besonderen die Lage des Judentums in der Gegenwart betrachten und sehen, wie es gleichfalls in Parteien und Partsirichtungen gsspaltear ist, so gilt doch auch hier wiederum, hoffnungsvoll befreiend, die jesaijanische Verheißung: „Und es wird ein gebahnter Weg sich eröffnen für den Rest seines Volkes, wieer einst für Israel gewesen ist am Tage, da es heraufg^ogen ans dem Laude. Mizrajim." Wohin soll dieser Weg uns führen, welches ist sein Ziel? Darauf geben die Hallelpsalmen an der bekannten Stelle uns Aufschluß: „Ms Israel aus Aegypten zog, das Haus Jakobs aus idem Volke der Fremde, da ward Jehuda zu Gottes Heiligtum, Israel ein Gottesreich", da hat das ganze Volk, von hsWWr Begeisterung ergriffen-, das erhabene Siegeslred augestimmt: „Dies ist mein Gott, ihn will ich rühmen, der Gott meines Vaters, ich will ihn erheben." Hie^u bemerkte' einer der Wersen im Talmud, Rabbi Jose, >der Galiläer, in phantafievoller Erklärung, daß seiWst die 'kleinen 'Kinder auf dem Arm der Mütter migesungen haben, heißt es-- doch in den Psalmen: „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast Du, o Herr, 'dir. Macht und Sieg ge^ gründet"' . _ _.

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