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Die Wahrheit · 1922-05-12 · Heft 10 (12.5.1922) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 10 (12.5.1922)
Date
1922-05-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sWt. iö tu ■ftofsi'sij Seite & Die höhere Politik war mir soweit Sache Dr als sie die Judensräge berührte. In diesem Belange versuchte er die Wiener Juden, leider vergebens, von. der dürren Opposition gegen die Regierung des Graten. Tnasse abzubringen. Dieum den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde waren aus das liberale Programni eingeschworen «und mochten nur jenen Götzen dienen, welchen ans dem Hansaltar der „N.Fr.Presse" 'geräuchert wurde. Es war aber Heller Wahnsinn, den Ministerpräsidenten stürzen zrr wollen. Als Jugendgespiele und Freund des Kaisers genoß er dessen Gunst und Vertrauen in unbeschränktem Maße. Solange es ihn frönte, am Ruder zu bleiben, 'konnte ihn keine Macht au diesem Sport hindern. Als Staatsmann war Gms Taasse von einer frivolen Wurstigkeit, aber als Mensch besaß der in Wien akklimatisierte fröhliche Irländer manche schätzenswerte Eigenschaften. Es wäre ihm leicht gewesen, die Kennzelle des Antisemitismus mit einem Fingerdruck zu vernichten, aber er dachte gar nicht daran, jenen gefällig zu sein/ die ihm Steine in den Weg legen und den „geleimten Deutschböhmen" Gefolgschaft! leisten. Der legendäre Helnibusch des jungen Plener, der allerdings heute bereits zu den Fossilien des Liberalismus gehört, hatte es den führendeil Juden angetan. Als sie ihre Verblendung -erkannten, war es zu spät, da segelte die schwarze Reaktion mit tausend Masten heran. Zusammensassend läßt sich aus den Erinnerungen Blochs behaupten, daß er in der kirrzeii Zeit feines parlamentarischen Wirkens Bedeutendes geleistet und Großes angestrebt. Er wollte alle Gruppen der Judenschaft irr einen Block 511 Schutz und Trutz gegen ihre Feinde zusammenschmelzen, ungleich jenen Nachfolgern, die das Pfauenyad der Eitelkeit schlagen, weil es ihnen gelungen ist, Zwietracht z!n säen. Armut und Arbeit in jüdischer Beleuchtung. Armut. Um Hilfe und Unterstützmig für Arme zu fördern, verlangt Gott die Abtragung'einer Dankesschuld für unsere Befreiung aus dem Aegyptevlan.de. Es heißt in unserer B i b e l 5. B. M. 15. K. 11. V.: Es wird nicht aushörerr der Dürftige inr Lande; darum gebiete ich dir und spreche: „Austun sollst dir 'dein« Hand deinen! Bruder, dem Armen und Dürftigen in deinem Lande." Wenn man das Verhältnis Gottes zu dem Armen, wie es die Bibel lehrt, in Berücksichtigung zi-cht, so muß es Wille Gottes sein, die Menschen arm und reich zu machen den Armen zu erhebeil inüb ihn neben dem Reichen zu setzen. S a nr u e l, 2. K., 7. V.: „Der Ewige macht arm und macht reich, erniedrigt und erhebt." Den Armen zu kränken und den Armen ztt verachten, zählt zur größten Sünde. Spr. S a l 0 m 0 n, 17. K., 5. V.: „Wer des Armen spottet, lästert den Schöpfer, der Schadenfrohe bleibt nicht ungestraft". Daselbst, 14. K., 31. V.: „Den Armen spotten, heißt den Schöpfer lästern," hingegen heißt es Spr. S a l 0 m 0 n, 19. K., 17. V.: „Wer. gegen den Armen mildtätig ist, leihet dem Ewigen". Es wird i-hin die erwiesene Wohltat vergolten. Jeremias, 22. K., 16. B.: „Er verschaffte Recht dem Armen und Elenden, da ging es ihm wohl, dieses heißt mich erkeniien, spricht der Herr." Jere'.nias, 20. K., 13. B.: „Singet dem Herrii, lobet beit Herrn! Denn er errettet die Seelen aus der Hand der Uebeltäter." Spr. Salomo n, 22. K., 22. V.: „Beraube den Uebernatürliches und Geheimnisvolles iwib betont wiederholt, das; die Propheten ihre Osfenbarnngeii meist im Traume erhielten. „Man zöigte es ihnen im Traum," lautet der technische talmudische Ansdruck. Es muß indes darauf hinbewiesen werden, daß der Talmud Bedeutung und geheimnisvollen Ursprung nur den Träumen hoher und wichtiger Persönlichkeiteu zuspricht, zum «großen Teil nur den Träumen der Regenten und Fürsten, von deren Einschlüssen und Handlungen das Wohl und Wehe vieler abhängt. Aber auch die Weisen und Frommen werden bcheutungsvoller Traumgesichte gewürdigt. Charakters' llisch Ast folgender talmudischer Ausdruck: „Einem guten Menschen werden nur schlechte, einem schlechten nur gute Träume gezeigt." Hiezu bemerken die Kommentatoren: Ein guter^ Mensch, das heißt eill frommer Manu, hat schlechte Träume, einmal seiner selbst wegen, damiit das im Traume ihm gezeigte Böse ihn rechtzeitig warnt oder von einer schlechten Handlung zurückhält, sodann aber auch anderer und nicht selten des ganzen Volkes wegen, aus daß - er es auf ein bevorstehendes Unglück aufmerksam acht und zur Einkehr, Besserung und Pflichterfüllung nrahnen kann. Der schlechte Mensch aber, der unter der Herrschaft des Bösen steht, kann nie einen Traum haben, der ihn aus seinem geistigen Schlafe aufschreckt. So soll nach der Tradition der fromme David nie einen guten, ihn heiter stimmenden Traum, dagegen der böse Ahitophel in seinen! ganzen Leben keinen bösen Traum gehabt haben. Eine andere nicht minder interessante, aber wenig verständliche Behauptung des Talmud über dis Träume -ist folgende: „Wenn jemand sieben Nächte hintermnandier keinen Traum hat, so ist dies ein Beweis, daß dieser Mann schlecht sei." Für diese Ansicht findet «der Talmud den Beweis lediglich in den Sprüchen 19, 23, wobei durch sine erzwungene, im Talmud aber häufig angewandte, Um- .deutungsmeihode folgende Uebersetzung der betreffenden Stelle erzielt wird: „Wer siebenmal übernachtet und (von Träunien) nicht heimgesucht wird, ist schlecht." Natürlich wird auch hier der Versuch gemacht, zu dieser Uebersetzung eine annehlnbare Erklärung zu geben. Der Talmud meint nämlich, daß Wahrträume nur derjenige haben kann, «der durch Mäßigung die natürliche Einwirkung des Berdauungsprozesses auf die geistigen Kräfte zu verhindern sucht. Wer aber durch Unmäßigkeit seinen Magen afft ziere und sich siebenmal hintereinander so übersättigt zur Ruhe begibt, daß er in dumpfem Schlaf versinkt, deffen Geist kann kein Traumbild schon. Wie sehr die. Talmudisten überzeugt waren, daß sin böser Traum ein drohendes Verhängnis kündet, bäoeiist der Umstand, daß sie den Brauch des „Traumsastens" eingeführt haben. Damit hat es folgende Bewandtnis: Wenn einer einen Traum gehabt hat, der ihn beunruhigt, so soll er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten, Almosen geben und der Buße sich befleißigen, um das böse Verhängnis abzuwenden. Am Tage des „Traumsastens" innß er drei Freunde um sich versammeln und ihnen seinen Traum mitterlen, wobei die Unterredung mit den Freunden in einer vorgeschriebenen, in hebräischer Sprache abgesaßten Form, wirrer Art/ Frage- und An-twortspiel, zu? 5 "i 2i^'7r'

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