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Die Wahrheit · 1922-05-12 · Heft 10 (12.5.1922) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 10 (12.5.1922)
Date
1922-05-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gerte 4 Die Vahkheif Nr. 10 Kreisen, die auf 'moralische Reinheit halten, wie ein Triumphator gssseieck. Nur die Wiener Kultusbonzen blieben kühl bitz 'ans Herz hinan. Ihnen hatte Bloch zu viel gesiegt, hatte gegen ihr Prinzip, „sich in kein Gedränge einlassen", gehandelt. Der Prozeß hatte aber noch ein anderes beschämendes Nachspiel. Unter denen, die ain-fangs Feuer und Flamme für die gerichtliche Austragung waren, befand sich einer der Brüder G u t m a n n, ein Großmillidnar, der sich durch Kohlenspekulativnen Riesenvermögen erwarb und als Verteidiger Blochs den hervorragendsten Wiener Rechtsanwalt Dr. Jos. K o p p wünschte. Jin Protzenton des Emporkömmlings bemerkte er „Kostenpunkt NÄrensache, ich zahle alles". Wer als We -mäßig bemessene Expensnote präsentiert wurde, versuchjte der Kohlenmagnat knickerisch schäbig einen Wstrich. Dr. Kopp ließ sich daraus nicht ein und klagte den vollen Betrag! ein. GNtmann wurde verurteilt und -versuchte nun an das befreundete Haus Rothschild h-eranzutrieten, es möge eine Beitragssumme leisten. Rothschildließ ertvidern: „Ist es mit der Firma Gutmainn so weit, daß sie für sich muß eine Kollekte veranstalten' lassen?" Nach diesem Streich übers ganze Gesicht, mußte der Kavalier Gut-mann wohl oder übel allein und vesttlos die Rechnung begleichen. Dankbarer als die „Größen" der Wiener Ku-ltusgemeinde für die -epochemachende Tat Dr. Blochs erwisfen sich' seine galizischen Landsleute. Sie erachteten es 'als Ghr-eufache, ihn nach dem Freiwerden eines Reichsratsmandates in das Abgeo rdneteuhaus zu wählen. Bloch sprang nun mit beiden Füßen in die Politik und schlag mit beiden Fairsten auf die Widersacher der Juden, die jetzt mehr denn je — als Revanche für den abgesagten Rohling — 'tollwütige Angriffe unternahmen. Es war eine bunte Gesellschaft dnnkler Ehrenmänner. Fast alle deckt sie schon 'die Erde. Wer in den „Erinnerungen" werden ihre Schatten heranfbeschworen und strenges Toteagericht'über sie abgehalteu. Da ist der Generalstäbler der Chrisilichsozialen, Prinz Alois Liechten si e i n , der sich Nicht sch eute, seine Aristokratenhand in' jene des Stampiglienfälschers Ernst S ch n e i d >e r zu legen. Dem nachmaligen Herrn von Wien, vorherigen Freund Mischer Deindkraten, Dr. Lueger wird ein längeres Kapital gewidmet. Alle die Köpfe und Tröpfe, die in der Bewegung der damaligen Zeih eine Rolle spielten, werden mit scharfen, charakteristischen Strichen gezeichnet: Der fast immer alkoholisierte Ritter v. Sch ö n e r e r, der Salonautisemit Dr. Pattai,. Cornelius Bett e r, G e ß m a wir, H a u ck, die Judenftänrinlinge P o r z e r, S ch w a r z, L ö w itnib andere, deren Antisemitismus und Tanfe gleichen Datums wären. Es vevdienit erwähnt zu werden, daß die „Erinnernngen" auch an manchen zeitgenössischen JNden nicht glimpflich vovüberg'chen, wie an dem gesinnuugsniedern, einflußreichen Kultusvorstand B a u m g a r t n e r, dem Baron Nathaniel R o t h s ch ild, x der grundsätzlich ^keiire Juden in feinem Palais sehen wollte, die Herren B y k und' Trachte n b e r g, die sich mit der jüdenseindlichen Schlachta"gegen Bloch v-eribüitdeten, damit er nicht Wiederigowählt werde. Zeigt sich schon die Politik jener' Tage als ein Sumpf, dann 'erscheinen die berüchtigten polnischen Wahlen mit ihrem Stlimmenkaus, Verrat und Terrorismus als eine Kloake. Mit seinem Scheiden aus dem Parlament schuf sich Dr. Bloch in der „Oesterreichischen Wochenschrift" eine Tribüne, von der er seine mächtige Stimme vernehmen ließ. In den Erinnerungen fehlt es auch an freundlichen lichtvollen Bildevn nicht, wie an den'Weisen vonEmmers- 'dorf, Dr. Adolf Fis ch hm \, den 'vornehmen, klugen Politiker Dr. Ignaz Kuranda, den gosinnlmgstr-euen Demokrat Dr. K.r o n a w e t t e r und andere. «asm Bä« Der Talmud über die Träume. Von Wolf Rapaport, Przemysl. Den Alten war der Traum ein Stück wirklichen Lebens, derrn alles Geträunlte war ihnen Wirklichkeit, in einem gewissen Sinne höhere Wirklichkeit, weil der Traum meistenteils nicht das Gegenwärtige und Seiende, sondern das Werdende und Kommende betraf. Der Traum war ihnen Orakel, Zukunstsverkündung, Vorzeichen oder Warnung; er war die Bildersprache, in der die Götter oder die Seelen der Vorfahren mit den Sterblichen verkehrten und ihnen solcherart Winke, Ratschläge und Verhaltungsmaßregeln für die Zukunft gaben. In jenen altersgrauen Zeiten war denn auch der Trauindeuter eine hochgeachtete Persönlichkeit und wurde ohne weiteres den Männern der Weisheit zu gezählt. Auch in der Bibel spielen die Träume eine überaus wichtige und bedeutungsvolle Rolle, und unter den Patriarchen- und ihren Nachkommen verschmähen es die weisesten Männer nicht, sich mit dem Träumeauslegen zu befassen. -Wohl einer der schönsten und bedeutungsvollften Träume, von denen die Bibel zu berichten weiß, ist der Traum Jakobs^ (Es ist ausfällig, daß dür Traum, Jakobs der einzige raum ist, zu dein die Bibel keine eigentliche Deutung hinzusügt; um so zahlreicher aber sind die Auslegungen und Deutungen zu Jakobs Traum, die später nicht von Tra»undentern, sondern von Theologen und Religionsphilosophelr versucht wmldßn. In jüngster Zeit hat der Wiener Dichter Richard Beer-Hosnrann in seinem, bekannten- Werk „Jaakobs Traum" eine wundervoll sinnige Traumdeutung gegeben.) Ein großer Träumer und Trauindeuter vor dem Herrn war indes Jakobs Liebliugssohu Joseph. Schon als Jüngling träumt er den herrlichen Jünglingst-raum von SonNe, Mond und Sternen und deutet diesen Traum vor seinen Brüdern, wodurch er sich ihren Haß und ihre Feindschaft znzieht. Diesem Traum und seiner Deutung hat er. cs zu verdanken, daß er, an die Midiamter verkauft, nach Aegypten unb in das Hans des Potiphar. gebracht, wird. Als er daun durch das lüsteiue Weiib des Potiphar in den Kerker geworfen wird, erlangt er durch Deutung der Träume des Mimdbäckers und des Mundschenken fcjine Freiheit und wird schließlich, da er dem Pharao selbst seine Träume aus legt, in Anerkennung seinsr hohen Weisheit („Keiner ist so verständig und weise als du," sagt Pharao zu Joseph) zum Vizekön.ig ernannt und'über das ganze Aegyptevlaud gesetzt. Ein weiser Traumdeuter gleich Joseph ist Daniel, der dem Nebukadnezar seinen Traum in sinniger Weise auslegt.' Bei der Bedeutung und Wichtigkeit, die die Träume in der Bibel haben, ist es erklärlich, daß sich auch der Talmud sehr eingehend mit Träumen und Traumdeutungen besaßt. Der-Talmud enthält -einen besonderen Abschnitt über die Träume, der neben vielem Abergläubischen auch manches Sinnige und Interessante dem verstauduisvollen Leser bietet. Auch der Talmud sieht in den Träumen etwas

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