Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 9 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Rr. 9 Dt- «»hrtzeit Gerte IS der 9. Generalversammlm,g vom 22. Februar 1920. Mer wurde auch der Tatsache Erwähnung getan, daß der Obmann Ehrenmitglied des Vereines geworden stk. Herr Präsident Hofbauer nahm den Anlaß der heutigen Generalversammlung wahr, mn für diese Ehrung zu danken und das Versprechen zu geben, solange seine Kräfte reichen, für das Woh-l und Gedeihen der „Einheit" zu. wirken und zu schaffen. Herr Kultusvorstand Dr. Friedjung pries die Tätigkeit der „Einheit" und brachte, hiefür den Dank des Kultusvorstandes zu Ausdruck. Die schlechte finanzielle Lage der Kultusgemein.de verbiete es, die „Eini)4t" so zu unterstützen, wie die Kultusgemainde es wollte und sollte. Er könne aber die Versicherung geben, daß dieser groß und wohltätig wirkende Verein _ bei allen Parteien und allen Richtungen des Kultusvorstandes Anerkennung und Beifall findet. Von der Verlesung des Rechenschaftsberichtes wurde Abstand genommen, aber Herr Adolf F i s ch e r gab noch ergänzend folgende Tatsachen bekannt. Im Pessach 1921 verabreichten wir m Lainz je 1143 Frühstücke, Mittage und Nachtmahle. Ferner verköstigten wir von dort die jüdischen Insassen am Steinhof und im Jubiläumsspitale. Wir verabreichten an dieselben 463 Mittag- und ebensoviele Nachtmahle. In unserer allgemeinen Ausspeismxg verköstigen wir gegenwärtig gegen 800 Personen pro Tag. Böi den Naturalien allein (exklusive Regie) haben wir ein Defizit von zirka K 40. — pro Menu. In der Mittelstandsküche speisen gegenwärtig 400 Personen täglich; pro Person und Tag zahlen wir K 100.— (exklusive Regie) darauf. Regie pro Monat eine Million Kronen. Täglich speisen wir 100 Personen gratis. Bor allem drehte sich die folgende Debatte um die Frage, wie der „Einheit" zu helfen und ihre Speisehallen zu erhalten seien. Der Abgang von K 3,513.773.76 war das Problem der lebhaften Wechfelrsde. Es beteiligten sich daran besonders die Herren Pappenheim, Retter, Dr. Werner, Präsident Moritz Felsenburg, Rabbiner Dr. Noseummm, G6za Braun, Franz Dünes, Direktor Dr. Krenberger und Dr. Reiniger. Es wurdb lnran tragt, bei jedem Tempelveirein einen „Einheit "-Vertreter zu no urinieren, der bei den Thora-Aufrufen zu Spenden für die „Einheit" veranlasse. Ferner solle durch Sammlungen von Mann zu Mann gewirkt werden und das Interesse für die „Einheit" immer intensiver gestaltet werden. Insbesondere rvurde die Tätigkeit der Herren Max und Bernhard Hofbauer und Adolf Fischer rühmend hervorgehoben. Es wurde aber auch betont, daß jdber Herr des Vorstandes in feiner Art für i die „Einheit" wirke. Wie aber jode huananitäre rrnd soziale Institution, leidet auch die „Einheit" unter der Ungunst der Verhältnisse. Dies brachte vor allem Direktor Doktor Krenbevger in einen, Neferate zum Ausdruck. Er bövichteke von der Errichtung der Mittelstandsküche ab Februar 1921, gab die Ziffern bekannt, welche die Löhne und Gehalte der Angestellten in Anspruch nehmen, wies auf die Teuerung der Beleuchtung und Beheizung hin und nicht zum wenigsten ciiuf die Preiserhöhung aller Lebensmittel. Er zeigt, wie notwendig aus physiologischen Gründen 'die Zuführung von Fleisch für den geistigen Arbeiter des Mittelstandes sei, wie anderseits der manuelle Arbeiter viel Nahrung braucht, vor allem aber Brot und Begetabilien. Er wies auf die Umschichtung der Gesellschaft hin, wie ein Mann, der mit 2 Millionen Kronen in den Ruhestand getreten ist, heute kaum für einen Monat Äe notigen Geldmittel hat. Ebenso ergeht es allen Angestellten mittlerer und unterer Kategorien, die zwar dem Namen nach große Geldmittel beziehen, diese Geldmittel aber nur für die Nahrung aufbrauchen. Sammellisten uud erhohte Werbearbeit sei für die „Einheit" nötig, um^diese segensreiche Institution, deren Gründer Herr Seide Komet, Samuel Meisels seligen Angedenkens, Direktor Doktor Kreubergkr und Dr. Rybaczewski gewesen, zu erhalten. Auch Herr Bezirksrat Plaschkes spricht warme Worte für die „Einhalt"' und rät vor allein Sammellisten aufzulegen Nachdem Herr Revisor Jakob Stern die tadellose Buchführung in der „Einheit" hervorgehoben hatte, beantragte er das Absolutorium für den Borstand, was auch unter Akklamation angenommen wurde. Als Jahresbeitrag wurde der Betrag von K 300.— festgesetzt. Die Neuwahl, ergab die Wiederwahl der Herren Dr. Josef Bondi, Max Hofbauer, Dir. Dr. Krenberger, Hermann Kuuer, Univ.-Pros. Dr. Heinrich Neu,nanu, Heinrich Pappenheim und Nathan Schiff und die Neuwahl des Herrn Alfred Landesberger. Herr Alfred Landesberger widmete sogleich K 250.000.— dem Verein, Herr Heinrich Pappenheinr gab schriftlich bekannt, daß er monatlich K 10.000.— geben werde und Herr Denes teilte mit, daß die Chewra Kadischa Wien, 1. Bezirk, der ,,Einheit" K 125.000.— und für die Pessachausspeisung in Laiuz ebenfalls K 125.000.— gewidmet hat. Reicher Beifall begleitet diese Ncitleilangen und sie geben Anlaß, daß der Vorsitzende die Anwesenden und ihre Freunde aufsorderite, dem Beispiele der edlen Spender zu folgen. Daraufhin Erklärt der Vorsitzende die Versammlung für geschlossen. Josef Fischer s. A. Am 11. d. M. wurde Herr Joses Fischer, einer der angesehensten Kaufleute des Metten Bezirkes und langjähriger Vorsteher des LeopoLdstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohoin" zu Gralbe getragen, der nach kurzem Leiden seiner Familie und seinen zahlreichen Freunden entrissen wurde. Um seinen Sarg scharten sich usbst den schNrevzgebeuigten Leidtragenden zahlreiche Bovsta-ntds- und VereinsmÄgslielder der genannten Gottesgemcinde mit Herrn Rat A. W e n g e r an der Spitze uitib ein weiter Kreis von Freunden und Verehrern. Den Trauevgästeu sah man den aufrichtigen Schmerz an, den: auch Herr Rabbiner Dr. S. Funk in 'berüdten Worten Ausdruck verlieh. Er hob die Verdienste des Verewigten hervor, die er sich als langjähriger Kassier uim den Tempelverein erworlbeu, rühmte feine Selbstlosigkeit und Opsevwilligjkeit, die -er als Mensch, -als Jude und vor allen, -als Familienvater bekundete. Selbstlos 'für seine eigene Person, «lebte er für .feine Familie, arbeitete rastlos bis zum letzter, Atemzug. Nachdem, Herr Kantor Stift die Grabgesänge -ergreifend vorgetragen, dankte Herr Obmannstellvertreter Oskar S ch r a m e k dem Verewigten iu herzlichen Worten für die treuen Dienste, die er dem Tempslverein geleistet, und gelobte, sein Andenken in Ehren zu halten. Im Namen der Freunde nahm Herr Sekretär M. Kohn Abschied von den, Frühvollendeten — der Sarg wurde gehoben -und in das Grab gesenkt. Bewegten Herzens seihen die Gäste!die 'ersten Schollen auf den Sargdeckel kollern, der schwer und duirnpf über einem blühenden, noch lcbvnskväftigen Mann lag. An die Kantoren der Wiener Tempelvereine! Alle Kantoren der Wiener Tempelvereine werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, sich am Dienstag, den 2. Mai, »m 4 Uhr nachmittags, im Josefftädter Tempel, 8. Bez., Neudeggrrgaffe 12, zu einer dringende« Rechtsprechung einzufinden.