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Die Wahrheit · 1922-04-28 · Heft 9 (28.4.1922) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 9 (28.4.1922)
Date
1922-04-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Die Wahrhert Nr. 9 ausgezeichnet abgeschuitten hat, wie sogar I. C. B. zugeben muß. Ueber das Verhältnis zwischen dem Papst löib «MAölnen jüdischen Persönlichkeiten Kegen zwei BlLtterstiimmen vor, dm hier wiedergegeben sein sollen. Das „Naue Wiener Journal" bringt ein Schreiben des Mailänder Oberrabbiners Kommeudatore Alessandro da Fano, in dem es heißt: „Dieme Bekanattschast mit dem nunmehrigen Papst Pius XI. datiert ans einige zwanzig Jahre zurück, meine freundschaftlichen Beziehuingen aus sechzehn Jahre. Dieser so wissensdurstige und vielsprachige Mann studierte auch die hebräische Sprache, und 1908 bis 1909 benützte er meine Unterweisung, um sich im Studium dieser Sprache zu vervollkommnen. Dafür hat er sich immer danDbar gezeigt, und er hielt mit mir immer die herzlichsten Beziehungen aufrecht, auch nachdem er zum Kardinal und dann zum Erzbischof von Mailand ernannt worden war. Es war, als er die höchste Laufbahn erreichte, natürlich nur meine Pflicht, ihm meine Gratulation zur erfolgten Wahl, meine Wünsche für die Zukunft darzrärrmgen. Pins XI. ist nicht nur ein wahrer Gelehrter, sondern ein großer Edelmensch von seltener Güte, der in Mailand in herzlichsten Beziehungen zu sehr zahlreichen Juden, namentlich aus der Welt des Geistes stand. Ich glaube, seine Erwählung war ein Glück für das Wohl der Allgemeinheit -und der ganzen Welt." — „Cri de Paris" erzählt anläßlich der Wahl Atütti-s zum Papst die folgende Geschichte: An: Tage, als die Nachricht vom Ableben Benedikts XV. einlangte, wurde der Direktor des Ministeriums des Aeußern, Maurice Herbette, gefragt: „Wer wird Papst werden?" OhUe zu zögern, kam die Antwort: „Kardinal Ratti." Als die Wahl tatsächlich erfolgt war, richtete ein Amtskollege Herbettes an diesen die Frage: „Keimen Sie Kardinal Ratti persönlich oder haben Sie geheime Verbindungen mit dem Vatikan?" „Nein", antwortete Herbette lächelnd, „mein Gewährsmann in dieser Sache ist kein anderer als mein guter Freund, Kommandant Weil, ein außerordentlich gelehrter Mann und Bücher- und Handschriftensorscher, der vor etwa zwanzig Jahren in der St. Ambrosius-Bibliothek in Mailand die Bekanntschaft des Mb6 Ratti gemacht hat. Der Aob6 Und der Kommandant fanden sich trotz der Verschiedenheit ihrer Religionen, in der gemeinsamen Liebe für alte Bücher -und Handschriften, und von dieser Zeit hielten sie gute Freundschaft und standen in dauerndem Briefwechsel über ihre gegenseitigen Forschungsergebnisse. So oft ich mit dem Kommandanten beisammen war, erzählte er mir vom Kardiua! Ratti, pries dessen große Gelehrsamkeit, die Schärfe seines Geistes und seine Herzensgüte. Auch die neuen Würden Rattis brachten keine Erkältung des Fwundschaftsvechaltnisses und bis in die jüngste Zeit erhielt Kommandant Weil waringehaltene Einladungen in das erzbischöfliche Palais nach Mailand. „Und nun sehen Sie," schloß Herbette seine Erzählung, „aus welche Weise mein Interesse für Kardinal Ratti erweckt wurde? Ich dachte mir, dieser Mann, der als frommer katholischer Priester eine so iNniige Freundschaft mit einem jüdischen Kommandanten aufrechterh'ielt, muß ei.nen guten Papst abgeben. Kaum erfuhr ich vom Hinscheiden Benedikts XV., telephonierte ich d'chn Kommandanten Weil: „Herr Kommandant," sagte ich ganz ernst, „Ihr Freund Ratti ist daran, Papst zu werden und — fügte ich weniger ernst hinzu — „and Sie werden zum Kommandanten der Nobelgarde des Vatikans erwärmt werden." Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde. Donnerstag, den 6. April, fand eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kültusgemeinde statt, in welcher die Frage der Kultnsgemein!desteuer besprochen wurde. Es lag ein Antrags des Vertreterkollegiums vor, entsprechend den geänderten ZeitiverhUtnissen das Steuermaximum von K. 500.000.— aus eine Million, das Minimum auf K. 200.— zu erhöhen und eine diesbezügliche Aenderung .des Statutes durchzuführen'. Weiters wurde beantragt, den § 15 des Kultussteuerregulativs in dem Sinne zu ergänzen, daß fortab, wenn gegen die Bemessung der Steuer Rechtsmittel eiugebracht werden, diesen 8rechtsmitteln eine ausschiebende Wirkung nicht zukomme. Namens der Jüdischnationalen erklärt Gemeiniderat Dr. P lascht e s, daß dem Steuerreformausfchuß verschiedene Anttäge Vorlagen, die aber aus Bedenken stießen oder undurchführbar waren, woraufhin das BertreterkollegiNm beschlossen habe, den alten Modus weiter zu belassen. Aber das wird Mißstimmung Hervorrufen und darum sind die Jüdischniationallen der Ansicht, daß man die Steuerskala ordentlich berate und publiziere, um der Oeffentlichkeit zu erklären, warum man ihr so hohe Steuern auserlege. Vizepräsident G l ü ck, der Vorsitzender der Plenarsitzung war, erklärte, man habe mir der Not gehorchend diesen Ausweg, welcher eine baldige Steuervorschreibnng möglich macht, gewählt. Nach einer kurzen Debatte, aus der die Ausführungen des Herrn Dr. Ticho hervorgehoben seien, der aus die Dringlichkeit der Erledigung der SteiDrsragen hinwies und die Nesormbedürftigkeit des Steuerwesens unterstrich, wurde abgestimmt, und einstimmig beschlossen, das-Steuermaximum auf eine Million zu erhöhen. Ferner wurde der Antrag, Plaschkes, die ~ zu beschließende Steuierskala solle publiziert werden, angenommen. Die Anträge bezüglich Steuerminimums und Aufhebung der aufschiebenden Wirkung von Rekursen wurden zurückgestellt. Hierauf wurden die Beratungen in vertraulicher Sitzung fortgesetzt. Generalversammlung der „Einheit", Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen, Wen, 2. Bezirk, Malzgasse 12. Dieser Verein hielt am 20. März dieses Jahres im Turnsaale der Volksschule, 2. Bezirk, Malzgasse iö, seine 10. ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorstand des Vereines war fast vollständig erschienen, den Vorsitz führte der vielveMiente, langjährige Obmann Herr Bernhard H o s b a u e r. Als Vertreter des Kultusoorstandes war das Vorstandsmitglied Dr. Ernst Frieds u u g erschienen. Der Obmann begrüßte ferner als Gäste der zahlreichen Versammlung die Herren Rabbiner Dr. R v s e n m a n n, Dr. L e w i n, Dr. Joel P o l! a t und N e u w i r t h, als Vertreter ider Adas Israel und der Aguda Herrn Wolf Pappen heim, für die B'nai Brith-Verenügnngen die Herren Kommerzialrat Kl ein per er und Dr. Ascher, für die „Bereitschaft" Herrn Ludwig Adler, für Jessod Hathora Herrn Emil Kritzler, für Achdus Jsroel deren Obmann Joftf Winter, für das Sanierungskomitee Franz D e n e s, Redakteur H i r s ch f e l d und Dr. Bruno W e r n e r, der - auch den Döblinger Tempelverein vertrat, für die „Frauenhilfe" Frau Johanna Schiff, für den Fürsorgeverein für alte Männer Herrn Gustav P l a n e r, des .weiteren die Schriftstellerin Cloitilde Benedikt. Nach der Begrüßung hielt der Präsident einen . warmen Nachruf dem vor kurzen plötzlich dahingeschiedenen Künstler und Men Menschenfreund David Kohn, der bei der x Gründung der Mittelstandisküche vor allem mitgewkrkt hatte. Hierauf verlas der Schriftführer Direktor Dr. K r e n b e r g e r das Protokoll

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