Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 9 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Wahrheiten vom Tage Das. amerikanische Eimvanderungsgesetz. I. C. B. meldet aus Washington: „Die Propaganda für die Verschärfung, beziehungsweise gänzliche Unterbindung der Cinwarrderung nach Amerika hat sich in letzter Zeit insoferu bedeutend verstärkt, als nunmehr geschossene Organisationen in dieser Propaganda austreten. Vor allem sind es die chauvinistisch gefärbte Demobilisiertenorganisation und die von Gompers geführte American Federation of Labour, welchen das Einwanderungsgesetz nicht streng genug ist und die aan liebsten das gänzliche Verbot der Einwanderung durchgeführt sehen möchten. Diese Organisationen beschränken sich aber nicht nur aus die Propaganda in her Oeffentkichkeit, sondern sie üben einen direkten Terror auf die einzelnen Senatoren aus, indem sie ihnen drohen, sie bei den Wahlen zu bekämpfen, wenn sie nicht schon jetzt ein beftimrntes Versprechen abgeben, für Verschärfung des Ernwarrderungsgesetzes einzutreten." Eine solche Verschärfung hätte für alle europamüden Auswanderer furchtbare Folgen. Es ist hinlänglich bekannt, daß einen großen Teil dieser Auswanderer heute die Inden bilden, daß namentlich aus Osteuropa die in ihrer Heimat durch Progrvme und ähnliche Errungenschaften rrroderuer Kultur bedrängten Glaubensgenossen in "Amerika das „neue Palästina" erblicken. Wenn nun diesen die. Einwanderung nach Amerika nicht ermöglicht wird, so würden sie hilflos dem Elend preisgegeben sein. Wohl käme noch Palästirm in Betracht, doch dort haben sich die Verhältnisse in letzter Zeit dank der zionistischen Mißwirtschaft, auch wenn die Lebensmittel um einen geringen Prozentsatz billiger geworden, so verschlechtert, daß eine Ueberflntung des Landes zu einer Mrtschastskatastrophe und außerdem zu neuerlichen politischen Reibungen führen müßte. Was nützt da die Keren Hajesiod-Propaganda, die nach den allerdings mit äußerst Vorsicht auszunehmenden Berichten in Amerika ziemlich günstig labgeschnitten hat. (In Europa, namentlich bei uns körrnen die Zionisten keineswegs auf ein solches Ergebnis Hinweisen, sie machen zwar in der „Vcorgenzeitung" krampfhafte Anstrengung, indenr sie _ die Einbringung der Schekelzahlungen als eine Prestigefrage hinstellerr, der Erfolg der „Aufrufe" spricht aber nicht für deren Wevbekraft.) Würde ein Teil dies in Amerika ansgebrachten Geldes für Amerika verwende rv erden, d. h. würde rrriarr den Juden die Einwanderung ermöglichen und ihnen in Amerika, das Raum für Millionen Mte, eine neue Heimat schassen, dann wäre den armen Opfern von Judenverfolgungen eher geholfen, als wenn das gesammelte Geld für alle möglichen, nur nicht reale Zwecke verwendet wird. Der Reichspost kann es natürlich nicht passen. In seiner heurigen Osterausgabe erbost sichdas Funder-B'latt darüber, daß Rabbiner Dr. Bloch in seinen „Erinnerungen", die wir demnächst gebührend besprechen werden, den aktenmäßig beilegten Nachüveis fitr die jüdische Abstammung des antisemitischen Nativ nach eiligen Dr. Karl Lueger erbringt. Dessen ^tanrnrutter war die Renegatin Barbara SchebölieM, später mit dem Mosterneuburger Nikolaus Lueger vermählt. Die ziemlich verspätete Erbosung der „Reichspost" steht in einem sachlichen Zusammenhang mit der gleichzeitig öffentlich betriebenen - Sammlung 'für ein Lueger-Denkmal. Da muß auch der Schatten eines Verdachtes beseitigt, werden, daß für einen Judenstämmling gesamimelt wird. Ob das notorische Lügenblatt der Christlichsozialen inehr Vertrauen, verdient als die Chronik dpr Stadt Klosterneuburg, darüber kanU schwerlich ein Zweifel obwalten, auch wenn jene die unliebsame Enthüllung des Dr. Bloch als „Schmonze" /bezeichnet. Man weiß ja, was von den unverfrorenen Behauptungen der „Reichspost" zu halten ist. Jedenfalls hat sie dem Denkmalzwecke weniger genützt als dem Memoirenwerke Dr. Blochs, dein nach der kleinen Kostprobe sich das lebhafte Interesse weiter Kreise zuwenden wird. Das Palästina-Mandat in Nöten. Infolge der Konferenz in Genna, wurde die Völkerbundtagung, die für diesen Monat vorgesehen war, neuerlich verschoben. Es sicht noch nicht fest, wann der Völkerbund zusammentreten wird, das eine aber ist mit ziemlicher Sicherheit arrzunehmerr, daß die Ratifizierung des Pailästma-Mandats, die von einer VMkerbundsitzurrg ans die andere verschoben wurde, Mich diesmal nicht erledigt wird. Denn erstens sind aus der Genueser Konferenz so viel Fragen unbeantwortet geblieben — vor allem, ob das deutsch-russisch e Abkommerl, das hervorragende Meisterwerk unseres Glaubensgenossen R a t h £ n a u, anerkannt werden wird — daß der Völkerbund in seinen Augen Wichtigeres erledigen rnuß als das von den Nationalzionisten mit Hochdruck betriebene Mandat. Urrd zweitens sind gegen dessen Ratifizierung zuviel Stimmen ans den. verschiedensten Kreisen, sowohl arabischen, wie englischen, laut geworden, daß der Völkerbmrd die Angelegenheit auf die lange Bank schieben will, bis zu dem Zeitpunkt, wo die Sachlage restlos geklärt ist. Das ist den Zionisten natürlich riesig unangenehm und so bewerkstelligen sie alles Mögliche, um die Ratifizierung zil erreichen. Vörr diesem Gesichtspunkt sind die Reisen des Zivrristenführers Weitzmann erklärlich, daher können wir es auch verstehen, wenn die Zionisten nicht.mehr, im Osten, sondern im Westen, in Amerika, das Heil erblicken und dort mit möglichst viel Schwung, aber auch möglichst viel Lärm Keren Hajessod-Propaganda betreiben. Denn gestützt auf deren Erfolg ist es ihnen möglich, nich'tjüdische Persönlichkeiten siir sich zu gewinnen. So gelang es ihnen, den bekannten Senator Lodge, den Führer der republikanischen Partei, zu kapern. Man wird es auch begreifen, wenn der Herausgeber des „Independent" und Präsident des Wilson-Fonds, Hamilton 5) o l t sich dahin äußerte, daß die Ratifizierung der Balsour-Deklaration und' die unverzügliche Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im Heiligen Lande nicht nur für das jüdische Volk, sondern für jeden, den: Ordnung und Gesetzmäßigkeit am Herzen liegt, von allerhöchster Wichtigkeit sei. Von diesem Startdpunkt würden auch wir die Ratifizierung des Mmrdats begrüßen, daun würde in Palästina endlich die lang entbehrte Riche und. Oitdnung emkehren. Man müßte dann nicht mit Furcht un<b Schrecken jede Nachricht ans Jerusalem erwarten, ob es nicht vielleicht wieder dort zu blutigen Kämpfen zwischen Arabern und' Juden gekommen ist. Auch siir das Nebi-Mnsah-Fest (die arabischen Ostern), das Heuer mit unseren Feiertagen zusammenfiel, befürchtete man das Aergste. Die „Morgenzeitung", eine Spezialistin in Aliarmnachvichten, hatte sich gräßliche Vorbereitungen melden lassere. Wieder einmal wurde sie um eme Sensation gebracht, aber immerhin waren diese Alarmnachrichten diesmal ettvas fester basiert, als zu rurseren vorjährigen Feiertagen. DeshaW wäre es unbedingte Notwendigkeit, daß Palästina endlich zur Ruhe kommt, und eine solche ist durch Einsetzung einer Maüdätsmacht mit unumschränktVr Macht irr Händen zu erreichen. mmssmMmmmMMmM