Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 8 (7.4.1922)
- Date
- 1922-04-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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büß En-tstüllungsfeier dieser Gedenktafel, welche iun Vestibüle des Tempels angebrachtwurde, statt. Dicht gedrängt standen die Zuhörer ijm engen Raume, als der Präses der „Chewra ^Kadischa", vor der schwarzverhüllten Votivtasel stehend, das Wort ergriff. Selbst tief bervegt von der Weihe der Stunde, besprach er das Zustandekommen und die Ausführung des Projekts und drückte allen, die Aas Werk förderten, iusbösondere aber den bereits genannten drei Herren, denen hauptsächlich das Gelingen zuzuschreiben ist, in warmen tiefentpfundenen Worten den Dank aus. Am Schlüsse seiner Rodle fiel die Hülle von der Gedenktafel. In wenigen, «aber marfantem Worten erklärte nunmehr der um die Interessen unserer Gemeinde so hochverdiente Obmann des Bethausvorstandes und Bizepräses der „Chewra Kadischa" Herr Salomon Weitzmann die Uekbernahme der Tafel m die Obhut der Knltnsgemeinde. Und nun nahm Sr. Ehrwürden Herr Prof. Dr. Julius Max B a ch das Wort, um in gewohnt meisterhafter Weise, in geistvoller Rede nud zu Herzerr dringenden Worten den entseelten Helden des Weltkrieges den Nachruf zrr hätten. Die Feier endete mit dem El rrrole rechamirrr, rezitiert vom neuen Obövkwntor Herrn Rudolf K o ga rr, der mit seinem gefühlvollen Vorträge und seiner technisch geschulten klangvollen Stimme, der Anerkennung aller - unserer Tempelbesucher sicher ist. . ' . Generalversammlung der Chewra Kadischa in Baden. In der am 12. März 1922 stattgefundenen Generalversammlung wurden nachstehende Herren gewählt: Mols Raab, Gustav O e d e n b u r g e r, Ludwig Lackenbacher, Ernö E h r e n st e i n als Vorsteher, die Herren Hsmrich Fleischmann und Leopold Weiß-mann als Ersatzmänner, die Herren Johann Hosbauer und Fritz Flaschner als Revisoren. lieber Antrag des Herrn Anton Stern wurde der Präses der Chewra KaÄscha, Herr Adolf Raab, der Förderer aller jüdischen Institutionen" und Schützer der Armen und, Bedrängten, einstimmig mit Begeisterung zum Ehrenmitglied der Chewra Kadischa ernannt. Mit dem Danke an die Vorsteher der. Chewra Kadischa wurde die Versammlung geschlossen. Lord Northclisfe winkt mit' dem Zaunpfahl. Auf seiner Rückreise von Palästina weilte LordNorthcliffe in Kairo und wurde seitens -der Pressevertreter ersucht, seine Ansicht über die Lage in Palästina zu äußern. Lord Northclisfe entsprach diesem Wunsche und was er bei diesem Anlasse den Journalisten sag,te, wurde auch in efrtient „DiMesartikel" mitgeteilt. Es ist dies so interessant uNd bedeutsam, daß die wichtigsten Stellen hier wiedergegelben werden müssen. Er verwies zunächst darauf, daß den 700.000 Mohammedanern und Christen.des Landes nur -etwa 70.000 Inden gegenüberstehen, von denen die geborenen Palästinenser mit der Majorität der Andersgläubigen im besten Einvernehmen leben, während die jüdischnaitionalen Emigranten durch ihr herausforderndes Verhalten Aergernis und Unruhen verursachen. Wörtlich sagte dann Lord Northclisfe: „Das, was mir englische und amerikanische Missionäre, wie auch' Geistliche hier berichtet haben, kantet sehr ungünstig für den -extremen Zionismus. Ich habe mich überzeugt von der Angst, die bei der muselmanischen und -der christlichen Majorität wägen der Reden herrscht, die die zioniastischen. Führer in Palästina, England, Amerika und Europa gehalten fyaiben. Diese Neben, wie auch geschriebene Artikel, staben bei den altansäßigen Bewohnern Palästinas die natürliche Meinung erweckt, däß die zionistischen Juden entschlossen sind, die Kontrolle über das Land vollständig ansich zu reißen. D i e i n P alast i n a gebor e n e n Iud e n, w i e au ch dieenglischen Einwohner, sin d groß e Gegner d er A rr o g.an z und Großtuerei d er neu en An-- k ö m m i t n g e a u » -b e it Ghett o s O st- und Z e nt raleur o p a s, der C h a l u z i m, wie m a n sie lietiit t, denen man, wie es scheint, nicht beigöbracht Hut, daß ml allen Ländern Immigranten Nach ihrem Benehmen beurteilt werden. Ich kann mich nicht znrückhalten von der Voraussage, daß in Palästina -auch fernerhin «ernste Uttan u e h m l i ch k e i t e n Vorfällen werde n, w e n n tt ichtd ie g r o ß e Z a h l d e r gemäßigten Z r o n i st e n i u d e r g a n z e n W e l t d ie Extremift e it zurück h a l t e n w e r den. Meine Meinung ist, Idaß, falls Uran setzt nicht d-ie Lage mit Festigkeit behandeln wird und mit größerem Respekt für die 700.000 palästinensischen Muselmanen und Christen, die Gefahr droht, daß Palästina zu einem zweiten Irland werde." Die letzte Bemerkung deckt sich mit jener, die S h i b l y E ffeudi I a m a l, der Seh?etär der -arabischen Delegation, in der National Political League -am 2. März zu London -geäußert indem er das Minoritätsverhältnis der Juden in Palästina gegenüber den Arcvbern -als 1 :8 feststellte, ohne den erstereu ihre Minovitäts rechte bestreiten -zu -wollen. Aber auch eine -andere prominente Persönlichkeit, aus die sogar die Zionisten äls -einen, der ihrigen schwören, Wi-Nson Churchill, sprach, -als iw Unterstause die Paläftinadebatte nbgesührt wurde, die bedeutungsvollen Worte: ,,Unsere Anstrengungen richteten sich nur darauf, gute Bürger für den Landesansbau zu erwerben. W i r können es nicht erlauben, daß das Land von e i u e m b o l s ch e w r -st r s ch e u Gesindel übe r s ch w e. m m t werde, das die Institutionen Palästinas zertrümmern würde, so wie es dies mit «gutem Erfolge im eigenen Laude vollbracht -hat." Ein monumentales Hilsswerk. Die 14 Millionen Dollar- Sammlung des „Joint" legt ein echt amerikanisch rapides Tempo an den Tag, so daß erwartet werden darf, die Riesensmmne werbe nicht nur erreicht, sondern überschritten werden. Diese ohne Beispiel dastehende Betätigung der Humanität ist bekanntlich der Initiative un>d Opferwilligkeit amerikanischer Juden zu danken, die es trefflich verstanden haben, auch in andersgläubigen Kreisen erfolgreich zu werben. Da Zahlen beweisen, so mögen einige aus dem überraschenden Spendenregister hier verzeichnet sein. Die 50.000 Dollar, mit denen sich die Baumwollbranche fatiert hätte, wurden lange vor dem anberaumten Fälligkeitstermine erreicht, ohne daß der Sammeleifer sich Ruhe gönnen würde, so daß weitere ansehnliche Summen in Aussicht stehen. Die Wäschereivereimgung, die sich zu 25.000 Dollar verpflichtet, hat an einem Tage 35.000 Dollar erzielt. Das Frauenkomrtee hat die angestrebten 100.000 Dollar gleichfalls mit einem Plus, von 30.000 eingebracht. Die Kipotheater widmeten dem edlen Zwecke eine Million Karten und so geht es in erhebendem Wetteifer durch alle Kreise und Stände. Ein schönes Wort aufmunternder Mahnung des Rabbiners Stefan Wiese soll auch zum Gewissen der europäischen Glaubensgenossen dringen. Rabbiner Stefan Wiese geißelte diejenigen, die zu viel essen, sich zu kostspielig kleiden und zu oft ins Theater gehen, anstatt den Geldaufwand für solche Dinge ihren unglücklichen Brüdern in Europa zu widmen. Groß-Enzersdorf. Die hiesige Chewra Kadischa feierte am 7.Adar (7.März) den Chswra-Tag in althergebrachter, traditioneller Weife und es sei gleich gesagt, daß dieser Tag wohl no-ch lange in der Erinnerung aller bleiben wird; denn sowohl die Bormittagsseier am Friedhof als auch die großartige Chewra-Sude -am Abend staben den , denkbar besten Eindruck h-interlassen, und mit großer Freude muß man konstatieren, daß ein echt jüdisches Leben pulsiert und diese Gemeinde, wenn auch nur klein, mustergültig ist. In allererster Linie gebührt Herrn Sigmund Weiß der Dank und die Anerkennung aller: denn mit seiner Energie und Tatkräftigkeit sowie mit seiner bekannten beispiellosen Freigebigkeit hat er fast die -ganze Sude, der Chewra Kadischa -kostenlos zusammengsstellt und man bedenke, was das bedeutet, da über hundert Teil-