Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 8 (7.4.1922)
- Date
- 1922-04-07
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 Die Wahrheit . Nr. 8 u-chmer anwefend-wareu und dm Sude überaus reichlich war. Um das Gelingen der Sude halben sich ferner ganz 'besonders bemüht »der allseits beliebte' narb hochverehrte Ofentaun der Cchewra Kadischa, Herr Dr. Gustav Wer n e r, sowie die durch ihre Wohltätigkeit und Philanthropie bestens bekannten Damen Regina Mandl, Hevmine Weiß und Berta Winkler. Herr Rabbiner Dr. S. Funk, der eine eindrucksvolle Rede am Friedhofe hielt, beehrte auch die Sude mit seiner Anwesenheit. Es sprachen ferner die Hroen Dr. Gustav Werner, Kultusvorsteher Ferdinand Mandl, Dr. Heinrich Modrp, Baumeister Hugo Winkler und Moritz Reumann. Selbstverständl.ich zeigte sich auch hier das echte jüdische Herz, denn cs wurde bei der Sude ^üder eine halbe Million gesveudet, uud bezeichnend für das - gelungene Fest ist, daß bei Vorträgen und sonstigerheiterer tlnterhaltung, wdbei sich namentlich' die Herren Dr. Modry, Dr. Ernst Rosenbaum nnd Jakob Rosenbannr beteiligten, sowie beim sröhlicken Tanz die Zeit schnell verfloß und erst um halb 6 Uhr morgens das Fest in bester. Stimmung beschlossen wurde. Am Purim-Nachnrvttag veranstalteten, wie im Vorjahre, die Damen Hermine Weiß und Bertha Winkler der gesamten Schuljugend, unseren Lieblingen, eine reizende Purim-Jause. I. F. Der Weltreisende für Zionismus, Dr. Weitzman, ist aus seiner Tour auch vom französischen Ministerpräsidenten Poiuear4e empfangen worden, und zwar, wie sich die „Morgenzeitung" drahten ließ, m Begleitung des Vertreters der französischen Zionisten Dr. Bern-arid. Dieser Beisatz ist eine der gewohnten Verschleierungen der „M.-Ztg.", denn. Dr. Vernarb vertriÄ nicht weniger als offiziell die französischen Zionisten, kann also bestenfalls mit seinem Erscheinen einer privaten Neigung gefolgt sein. Abgesehen von dieser Tatsache verdient die weitere Meldung registriert zu nwrden, daß die Unterhäst-ung zwischen Weitzman und Poincoröe angeblich „einen durchaus herzlichen Charakter" trug. Da-rnber freut sich das Blatt in Paranthese mit den Worten: Die sympathische Stellungnahme PoiNearöes gegenüber dem Zionismus ist umsomehr zu begrüßen, als er vor einiger Zeit sichtlich .unter dem Einfluß'- seiner südisch-assinnlatorische.n Berater sich über den Zionismus zu einem jüdischen Journalisten recht ablehnend geäußert hat. Der letztere Umstand 'cheiint das Ausschlaggebende. Der französische Ministerpräsident ist, gleich den meisten seiner Landsleute, ein höflicher Mann, das ließ er auch .Herrn Weitzman fichlen. Es ist nun krasser Undank, wenn Poincaräe so dargesiellr wivd, als fehle ihm die Urteilsfähigkeit und hätte er sich durch Herrn Weitzman in seir.en Ansichten umsiimmen lassen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ank Bndapester Rabbinierseminar fand eine Promovierung dreier absolvierter Hörer statt, darunter von Dr. Zo ltan Wallen - stein, der einer Berufung nach Ko morn folgt. Aus diesem Anlässe fand sich eine zehnglisdrige Deputation der römisch-katholischen Kirche unid eine, fünfgliedrige Abordnung der reformierten Gemeinde zur Teiln-ahme au der Feier ein. Die Führer der christlichen Deputationen erklärten ganz offen, daß sie mit ihrem ErscheinM bei dieser rein jüdisch-konfesiidncllen Veranstaltung öffentlich zu erklären wünschten, daß jenseits der neuen ungarische:! Grenze im Gegensätze zur alten Heimat d e r ko n s»e s s i on e l l e F r i e d e u n g e ft ö r t s e i urrd daß gerade dieses friedliche Zusammenarbeiten der verschiedenen Gesellschaftsschichten zum wirtschaftlichen und sozialen Segen aller gereiche. £i»£Xi Vermischtes Graf Hans Wilczek und Oberkantor Josef Goldftein. Der im abgelausenen Winter in hohem Alter verstorbene Gras Wilczek, ein Mäeen der Kunst und Wistenschäft und wahrer Menschenfreund, gab einst eine große Soiree, zu der die erstell Wieller Persönlichkeiten von Rang und Stand geladen wurden. Es sollte diesmal etwas Besonderes geben und der berühmte Meister bes „Neuen Tempels" Äl der Teinpelgasse sollte Tempelgiesänge zum Bortrage bringen. Ich erwähne, daß schon in «der vormärMchen Zeit ilichtjüdische Größen gerne den jüdischen Gottesdienst aussuchten, um den hebräischen Gesängen zu lauschen. Mein seliger. Vater weilte um 1836 in Budapest und air einen, Freitagabend trat der berühmte Liszt ins Orczische Betbaus, um „Kabolasschabbos" mit anzuhören. MM guter Vater -verrichtete danrals den. Segensspruch „beim Anblicke menschlicher Größen" und erzählte gerne von dem -tiefen Eilldrnck, den die Alldacht auf den großen Meister gemacht Halle. Liszt bl-ieö bis zn.m Schlüsse der Gebete. So lauschte auch die. große intelligente Göfellfchast den Gesängen Goldsteins, der vvln ganzen Chorpelosonäle begleitet war. „Null noch einen schönen Gesang vom kommenden Passahseste", sagte Gras Wilczek, nud es erklangen die Melodien voll „Hallet" und dem ,,Tnl"-Gebete. Damit schlossen die Vorträge nnd ein nicht endenwollendor Beifall der illustrcn Gesellschaft wurde Meister Joses - Goldsteili zuteil. Irr einen: schönen Saal nebenan wurde voll einem - erstklassigen ritneCfeh Wiener Restanraltt ein Souper serviert. Gras W i l c z c k kam selbst in den jüdischen Speisesaal und hatte nicht genug Worte des Lobes und Dallkes für den Genuß, den Joses' Goldsteiu mit seinem Chore ihm und seinen Gästen bereitet hatte. Moritz A n t s ch e r l. „Einheit". Vor einigen Tagen fand unter Vorsitz des .Herrn Bernhard H o f b a u e r die diesjähriige. Genevalversammlung des obigen Vereines statt. Wir werden über die Tätigkeit dieser wirklich Humanitären Institution in der nächsten Nlimmer unseres Blattes ausführlich be- Jsraelitischer Synagogen-Verein „Beth Israel". Samstag, den 8. April d. I., -um 144 Uhr nachmittags, hält Se. Ehrwürden Herr Raübiner M. Mayersohn in der Synagoge, des Vereines „Beth Israel", 2. Vbzitk. Leopoldsgasse 29, eine Drösche. Die Wahlen im Döblinger Tempelverein. Unter außerordentlich starker Beteiligung fand Sonntag, den 2. Apoll l. I. die Neuwahl des Döblinger Tempelvorstandes statt. Die offizielle' Vorstandsliste (Dr.'Bruno Werner—Philipp Koh n) wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt. Die erst mn Wahltage im Wahllokale aufgetauchte, beim Vorstande nicht angemeldete Gegenliste (Moritz ÄIüller-Blum) blieb in der Minorität. , Restaurant S. Mahersohn. Herr S. Mayei-sohn gibt gegen vorherige Anmeldung in seinem erstrangigen Restaurant, II., Taborstroße l24u (Straßenhos), einen Sederabend> für Gäste, die keinen FannlieNanschlnß haben. Kantor Abraham Gottlieb' uns FraNzensbad wurde für di? Religionsgemeinde ist Leipzig als Funktionär berufen und hat bereits seine neue' Stelle angetreten. Herr Gottlickb, der im Besitze einer sehr schönen Baritonstimme ist, ist Fachmann in allen PailltorMn Disziplinen und hatte mit seinem Bort-vage bei sämtlichen Gästen des WÄtkuvortes FraüzenWad stets nngeteilten Beifall gesunden. — Die Religionsgemeinde in Leipzig hat eine ausgezeichnete Akquisition mit ihrem nenen/Beamten getrofsen. W.