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Die Wahrheit · 1922-04-07 · Heft 8 (7.4.1922) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 8 (7.4.1922)
Date
1922-04-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 Die Wahrheit Serie 11 die Klage der Leute gegen die Juden vernahm, erhob er M üyd redete -aus tiefer Feindschaft vor dem König und seinen Ratsherren: „Das Volk Israel, es ist ein Ausschlag in unserem Lande, es bleibt nichts übrig, als es geschwind zu vernichten." ■ v - Die anderen Ratsherren freuten sich ob der Worte ihres Genossen; auch ihr Herz war boshaft. Und sie sprachen zum König: „Herr und König, Gott erhübe Dich und bescheide Dir ein langes Leben! Wir sind wohl'Deine Diener — doch wir können ob. dieses Verbrechens nicht schweigen. Sieh', o König, wir fordern die Verurteilung der Mörder unseres Stammesgenoss-eu; würdest Du aber die Inden -auch diesmal nicht'zur Verantwortung ziehen, dann .bleibt uns nichts übrig, als ohne Deine Erlaubnis das Blut des Ermordeten zu rächen!" Und sie riesen wie -aus einer Kehle: „Tod und Benderben den Juden!" v Der König antwortete und sprach: „Brüder und Freunde, hört mir zu. Wisset, daß wir dem Schöpfer der - Welt, dem Allgewaltigen des Rechtes und der Gerechtigkeit, ein Opfer des Dankes.dwrbringen'müssen, der uns bewahrte, unschuldiges Blut Zu vergießen. Er sicht cftles Tun der Menschen und vergilt dem Frommen nach seiner guten, dein Bösen aber nach seiner schlechten Tat. Seht her, die Männer, die da vor Euch sichen und Zeugnis dblegten — Falschheit ist ihre Aussage,.Verleumdung ihre Behauptung, die Juden hätten einen Menschen getötet. Ich will es vor Eurem Angesichte beweisen, es soll Euch -alles in Erinnerung bleiben, /daß ihr es noch Eurem Nachkommen erzählen werdet." Und nun befahl der König: „Man rufe in der ganzen Stadt ans: „Die Juden sollen an: heutigen Tage vor dem König erscheinen". «Und sie. versammelten sich alle voll Angst, denn, sie kannten nicht die Ursache dieses plötzlichen Ausrufes. Als sie vor dexn König kamen, neigten sie -sich zu Boden und küßten den Saum seines Gewandes; ein Beweis, daß sie seine Gnade erflehten. Der König aber rodete: „Ich ließ > euch Inden herkommeir, denn ich will an euch eine Frage richten. Dies die Frage: David der König, isagt in seinen Psalmen: „D e n n e s s ch l it mmertnich t u n d schlästnicht der Hüter Israels." Da wäre es zu 'ftagen, wenn es sicht „-er schlummert nicht" — verstünde es sich doch schon von selber, daß er „nicht schläft", wozu dann noch das Wort „er schläft nicht"? Die Juden erwiderten: „Uniser Herr und König: Es war die Art der Propheten, >den Sinn in doppelter Sprache auszudrücken." Darauf sprach der König: „Eure Antwort ist nicht richtig. Ich will eine Geschichte erzählen un>d ihr werdet dann verstehen,> warum sich David dor König auch des Wortes „er schläft nicht" bediente." Und nun wandte er sein Angesicht zu. seinen Ratsherren und sprach: „Gestern nachts tat sich von mir der Schlaf ab und ich konnte überhaupt nicht einschlasen. Ich wurde -überdrüssig, erhob mich vom Lager, kleidete mich an und ging in den äußeren Hof, um mich -in.der kühlen Nacht zu erfrischen. Ich lustwandelte lange. Plötzlichvernahm ich mehrerer Leute Stimmen, die des Weges kamen. Mir siel -es auf, daß nach Mitternacht Menschen herumwandelten, und ich sagte mir: Gewiß haben die Nachtwanderer ein Verbrechen vor. Ich neigte mein Haupt zu dem Gitterfenster und ich sah eine Rotte Männer gehen, die einen toten Menschen auf den Schultern trugen. Darauf befahl ich einigen meiner Diener, den Leuten nachzugchen, - ihr Gespräch zu belauschen und zu schen, wohin sie den Toten bringen werden. Sie kamen dann und berichtetenmir: „Wir hörten, wie die Leute zueinander sprachen: „Kommet, werfen wir den toten Körper in die Judengasse, des Morgens aber ziehen wir znm König und sprechen: „Wir haben .die Leiche in der Judengasse gefunden, der Ermordete ist ein Staanmesgenosse, die Juden haben ihn ermordet, um sein Blut für die Mazzot zu -benützen". Daraus ließ der König seine Diener kommen und diese bezeugten unter ED vor dem König und den Ratsherren: „So und so haben wir gehört", sie zeigten auch die Männer, die in der vergangenen Nacht die Leiche trugen. Die Ratsherren erhoben sich von ihren Sitzen und sprachen: „Habt ihr diesen Frevel wahrhaft gesehen Ihr hättet die Mssetäter ergreifen und vor /dem König -führen sollen!" Sie -antworteten: „Der König-, unser Herr, besohl uns gleich hinzugehen, daß -die Männer unseren Augen nicht entschwinden, zu scheu, was sie tun würden, wir hatten es > eilig und konnten Schwert und Bogen nicht nehmen, mit leeren Händen aber konnten wir keinen Kampf ansnöhmen, denn sie waren uns an Zahl überlegen". Nun wandte der König fein Angesicht zu den Inden und sprach: „Jetzt werdet Ihr vor sichen, wie der -Satz zu lesen sei: „D enn e s s ch ln mm er t n i cht u n d schläftni cht d e r H ü t c r I s r a e l s. Gott schlummert nicht nur nicht, sondern er läßt oftmals auch den Menschen nicht schlafen, den er zum Wächter für Israel -machen will." Und er befahl die Mörder hinzurichten. Die Toynbee-Kallen. In unserer letzten Nummer berichteten rviir über einen ausgezeichneten Vortrag Sr. Ehrwürden. Herrn Rabbiner Dr. Abeles in der Toynbee-Halle im 20. .Bezirk. Der Ort des Vortrages legt die Frage nahe: Wer war Toynbee und was sind Toynbee-Hallen?, eine Frage, deren Beantwortung leider viel zu selten erfolgt, so daß die wenigsten unserer Glaubensgenossen sich über dieseü Begriff Aufschluß geben und den hervorragenden ethischen Zweck der Toynbee-Hallen würdigen können. Arnold Toynbee war im Jahre 1852 als Sohn eines Londoner Arztes geboren; feilte Jugend verbrachte er auf dem Lande, ohne einen regelmäßigen Schulbesuch zu genießen. Mit 18 Jahren zog er sich ferner Gesundheit wegen in ein Dörfchen an der See zurück, wo er sich viel mit dem Lesen sozialer- und religiöser Schriften befaßte. Aus der Universität iu Oxford, die Toynbee dann besuchte, wurden diejenigen Studenten, die sich für die indische Verwaltung vorbereiteten, von ihm unterrichtet. Mit 30 Jahren raffte, ihn der Tod hinweg; er hinterließ nur wenige Schriften. Toynbee war kein Parteimann, er hatte nur den einen Wunsch, den armen Leuten zu dienen, nicht durch Almosen, sondern durch persönliche Freundschaft, durch Lernen und Lehren. Jedes Jahr ging Toynbee auf einige Monate nach Whitechapel, denft berüchtigsten Armenviertel Londons; «r wohnte in -einer armselig möblierten Stube, besuchte die Arbeiter in ihren Klubs, debattierte mit ihnen, fragte, antwortete und hielt geduldig aus. Eine kleine Schar sozial empfindender Gebildeter schloß sich seinem Beispiel an, und im Jahre 1883 trat Barnet, der unermüdliche Prediger von St. Jude in Whitechapel, mit seinem . Schriftchen „Praktischer Sozialismus", hiervor, in welchem er die Plane der zu entfaltenden Wirksamkeit auseinandersetzte: „Der Arme braucht mehr Brot, richtig! aber gebt ihm mehr Wissen, damit er mehr Brot erringen könne. Bloßes

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