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Die Wahrheit · 1922-04-07 · Heft 8 (7.4.1922) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 8 (7.4.1922)
Date
1922-04-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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,v. v;;r j- K. f. Seite 10 Die Wahrheik Nr. 8 im Jahve 1859. Dis Auspizien für die Jahrhundertfeier des Tempels der Seitenftettengasse 1626 sind traurig genug. Hoffen wir, daß sich der Himmel bis dahin lichte. Tatsächlich war somit bis 1822, vom Friedhof abgesehen, der einzige Grundbesitz der Wiener Juden, sicherlich aber der einzige sichtbare monumentale Mittelpunkt deir Wiener Judenschast das Spital. Wie wurde es erhalten? Bis 1848, solange die Gemeinde keine anderen direkten Steuern sinh eben durfte, durch das Bnchelgeld, so daß auf eine Partei je nach ihrem Vermögensstande 12, 24 oder 36 Fl. entfielen. Ferner durch den Fleischkreuzer, indem man auf das Koscherfleisch, das bis 1852 in der Mischen FlSischbank ausgeschrmet wurde, zugunsten des Spitales einen halben bis iy2 Kreuzer ausschlug. Bei Heiraten zahlte man zu diesem Zwecke mindestens 25 Fl., bei Wochenbetten von 10 Fl. aufwärts, auch sonst 'wurde dafür gesammelt, so daß dadurch jährlich 3000 bis 6000 Fl. eingiingen. Diese'Einnahmen, verschwindend an heutigen Verhältnissen gemesien, erscheinen immerhin nicht unbedeutend, wenn mau bedenkt, daß damals, anfangs des 19. Jahrhunderts, an den Krankenvater für jeden Kranken pro Wo che 1 Fl. 45 Kreuzer, freilich 1812 bereits ebensoviel pro Tag gezahlt wurde, was in den nächsten Jahren wieder ein wenig zurückging. Große Opfer erforderten die KriegszeiLen 1805, 1809, 1859, 1866 und der Weltkrieg, in denen jedesmal das Spital in weitestgehendem Ausmaß Len Verwundeten aller Religionen und Nationen zur Verfügung gestM würde. In Zeiten allgemeiner Not reichten alle die genannten Mittel nicht hin. Es waren Zeiten einer Depression, die sich auch in der kauen Beteiligung an den Vertneterwahlen äußerte. Die Regierung erteilte daraufhin im Jahre 1818 den Wiener Judsn eine Rüge. Es waren von den 111 Wahlfähigen nur 45, also etwa 39 Hchzent, erschienen. Falls die' BeteiligiM sich nicht reger zeigen werde, wolle die Regierung das den Jick)en 1792 erteilte Wahlrecht auch eben und die Vertreter selbst ernennen. In demselben Jahve 1818 ersuchten die Juden zur Erhaltung des Spitals um die Kvn> zefsion für eine BranntweinschaNk. Sie wurde erteilt u nd in der Rotenturmstvaße 515 der Schank eröffnet. Wer die Zunft der Branntweiner machte dagegen geltend, daß das Spital -ctj§ eine moralische Person zur Ausübung eines Personalgeiverbes nicht geeignet sei, und so wurde nach 3 Monaten dem Spital die Schankgerechtigkeit wieder entzogen. ' Währeird die Lasten. der" Spitalserhaltung immer drückender wurden, verbreitete sich sein Ruf immer weiter. Berühmte durchreisende Fremde, zum Beispiel Adolphe Cr6mieux, der große Staatsmann!, besuchten es und zollten ihm die höchste Anerkennung. Vortreffliche Aerzte wirkten darin, unter den Assistenzärzten sirrden wir 1851 Dr. Ado st Fischhos. Anziehend wirkte ganz besonders die gute rituelle Verpflegung, die man den Kranken, und zwar Unbemittelten, auch Fremden, unentgeltlich gewahrte. Das war ja von jeher eiai Ruhmestitel der Wiener Juden, daß sie den zuströmenden Einwanderern, besonders aus dem Osten, weitherzigste Gastfreundschaft angedeihen ließen. Während' andere Gemeinden, zum Beispiel BeÄ'in uUd Budapest, diese schiffbrüchigen Existenzen so rasch als möglich abzuschütteln suchten^ wurde die Wiener Gemeinde von den Eiirwanderern überschwemmt. Die Freizügigkeit, die Verbesserung der Verkehrsmittel, vor allem die Judenverfolgungen im Osten steigerten diesen Zuzug ins Unermeßliche. 1849 zählte man in Wien 4000 Juden, Ende 1869 das Zehnfache. Von diesen 40.000 Juden waren zirka 7800 einheimisch, die übrigen über 32.000 fremde Juden. Statt der 150.000 vor dem Kriege dürsten heute doppelt fiobiel in Wien wohnen. Um die Mehrbelastung des Spitals, die durch die eigens zur Heilung hieher geveiften 'auswärtigen Juden verursacht wurden, bestreiten zu können, ersuchten die Vertreter wiederholt die Landesbehörde um die Erlaubnis, sich um Beihilfe an einige andere jüdische Gemeinden des österreichischen Kaiserstaates wenden zu dürfen. Sie betonten, daß die vom Spital verpflegten Kranken doch sonst dem allgemeinen Krankenhaus zur Last fallen würden. Die Behörde lehnte Nb, indem sie, erklärte, das Spital sei eine ausschließlich private Heilanstalt. So verfiel man auf das in Wien beliebte Auskunstsmittel der Th eatervorstellungen und „Akademien". Auch wurden Bettstistungen eingesührt. Kranke abzuweisen siel nmso schwerer; als viele lieber aus jede Spitalsbehandlung verzichten, als in nichtjüdische Spitäler ausgenommen werdien wollten. Ein Neubau des Spitals in . größeren Dimensionen wurde zu einem unabweisbaren Bedürfnis. Im Jahre 1869 wurde diesem dadurch, entsprochen, daß Freiherr Anselm von Rothschild zum Andenken an seinen ver- ' ewigten Vater Sälomon der Gemeinde den Bau.eines Spitals Mr 100 Betten .anbot. Das Spital wurde 1873 eingeweiht und später erweitert. Seine Erhaltung erforderte eine zeitlang den fünften Teil des Gemeindebudgers, das in jenen glücklichen Jahren vor dem Kriege z-vei bis drei Millionen Kronen betrug, heute auf das 300fache gestiegen ist. Heute kostet es nach der gegenwärtig möglichen Schätzung jährlich zirka 100 Millionen. Aus der Marmortafel, die im Spital zum Gedächtnis des Stifters angebracht ist, stehen die Worte aus Ezechiel: „we-eth ha-chola achasselk." („Was krank ist, will ich kräftigen.") Nun ist der Kranke, den wir helfen wollen, die Gemeinde selbst und ihre Krankheit kann nicht durch das Spital geheilt werden; derru die Krankheit, an der die Gemenrde leidet, ist zum größteuteil das Spital selbst. Was iaber^ geschah mit den Kvanken, die nicht im Spital Unterkunft fanden? Sie wurden und werden zum. Teil durch den Kr arkemm t erstützungsv er ein im Allgemeinen Krankenhaus uNd sonst mit ritueller Kost versehen imd durch den Verein' Bikkur Eholim besucht und mit Erftischungen bedacht. (Fortsetzung folgt.) Der Küter Israels! - Eine Pessach-Güschichte von Ghajim. Bl o ch. In irgend einer Hauptstadt waren die Ehriften den Inden feind. Sie konnten sie nicht erblicken, sogar ihren Namen nicht erwähnen hören. Der Könitz war ihnen aber wohlwollend und man vermochte ihnen daher nichts Böses zu tun. Da sannen die Feinde Israels nach einem Vorwand und Anllaß, um sie in den Augen des Königs zu besudeln, daß er sie verderbe. Eines Tages, das Pessachsöst war kt >der Nähe, versammelte sich eine große Menge dieser bösen Leute und zogen zum König hin. Sie neigten sich tief vor ihm und sprachen: „Es lebe unser Herr, unser König! Wir kamen her. um Dir, o König, ein wichtiges Ereignis kund zu tun. Unser Weg führte uns heute.morgens in die Judengasse. Wir fanden dort Zeinen Genossen unseres Stammes sich im Blute wälzend und viele Juden um ihn. Wir forschen nach und erfuhren zu unserem Entsetzen den wahren Sachverhalt: die Aden hatten ihn abgeschtachtet, um. fein Blut für ihre Mazzot zu verwenden." Dies sprach die Feindesrotte. > In dieser Stunde saß vor dem Könitz ein Ratsherr, der ein furchtbarer Bedränger der Inden war. Wie der

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