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Die Wahrheit · 1922-04-07 · Heft 8 (7.4.1922) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 8 (7.4.1922)
Date
1922-04-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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fecite 8 Die Wahrheit Daun kamen hinter einenr Vorhang, welcher einen Ofen von dem übrigen Sfaaim absonderte, sechs reizende Mädchen hervor, welche einegroße Schüssel mit zwei Kalbslebern brachten, die mit samt den Adern abgekocht worden waren. - Daraufhin nahrmn die Freunde ihr Mahl ein unter Karikheren und Verspotten der Sedergebränche und der von ihrren nicht erfaßten Hagada. Mit über dem Kopfe zusammengeschlagenen Händen tiefen Meitdls Dienstmädchen seinen Kindern entgegen, um vom ausgebrochenen Sturm im Hanfe zu berichten. Ta eilten diese ins Sederzimmer und WeüvU heuchelte mit erschreckter Stimme: „Vater, eine Mvirdesfmsternis!" Der Alte griff sichmit beiden Härchen ans Herz. Noch bevor dieser zu Worte kommen konnte, fetzte der ältere Sohn fort: „Wir hüben sie durch ein Fernrohr, das auf entern Dache ausgestellt war, beobachtet." Auf die Uhr blickend, rief er sehr -erschrocken: „Geht die Uhr richtig? Schon halb Zehn?! Wie die Zeit vergangen H! Wir haben gewartet, bis wir an die Reihe kamen. Es war so schrecklich zu sehen!" Mendl schauderte. Eine Mondesfinsternis in der Sedernacht! Endlich schrie er: „Was? Ein Fernrohr? Ist doch Milze! Fetzt ist Doch Sabbath!" Doch rasch fuhr Welwil dazwischen: „Wir halben es ja nicht mit den Händen berührt, auch nicht mit den klugen; wir haben vorsichtig hineingeschaut!" Mendl seufzte -schwer, vergoß Tränen über die neue, fündige . Generation und, fein inneres Gleichgewicht völlig wieder erlangend, nahm er sich vor, heute, -heute, beim . Erscheinen Eliahus ihn um Hilfe für das bedrohte Judentum anzu flehen. Men-dl trug die Hagada mit Feuer mrd seltener Innigkeit vor, legte auch nichtssagenden Worten die größte Bedeutung bei; sogar beim Aufzählen der zehn Landplagen sprach er diese mit starker Intention aus, so daß seine Söhne nur mit größter- Mühe ein Gelächter unterdrücken konnten. Oft richtete er dabei feine brennenden Augen auf die Tür, durch welche der Prophet erscheinen mußte, und eine nervöse Unruhe nahm von ihm Besitz,' welche sich allmählich steigerte und beim Einscheuken des „Eliahu-Bechers" ihren Höhepunkt erreichte. Gleich »daraus wurde sein Mick starr und eine aschfahle Mäße überzog sein Gesicht; er schaute regungslos, wie hypnotisiert, auf eine bestimmte Stelle. Plötzlich machte er eine Bewegung und er woWe zu sprechen anfangen, doch in diesem Moment schien etwas zu entschwinden, wonach seine Augen vergeblich haschten und er fiel kraftlos aus das Sedersofa zurück. Bald darauf beugte er sich zu seinen Söhnen vor und sprach bedeutungsvoll: „I ch habe i h n gesehen . . .!" Mißglückte Verteidigung. Die kürzlich gebrachte Mitteilung über die riesigen Einkünfte gewisser Funktionäre «der zionistischen Leitung hat die Herren ganz ans dem Häuschen gebracht und ihre Parteipresse hat alle Hände voll mit Retttwaschen zu tun. In der Berliner „Jüdischen Rundschau" hat ein Herr Julius Berger sogar den Verteidigungskampf versucht, aber dabei die Masse so ungeschickt geführt, -daß er der eigenen Partei mehr Schaden zugefügt als dem Gegner. Er nimmt zunächst die Herren Alexander Marmo r e k und Dr. N o r d a u aufs Korn, weil sie behaupteten, „das Ideal! des Zionismus sei zur Jagd nach skandalös bezahlten Posten geworden, als deren Nutznießer einige von der 8 Üliqite" bevorzugte Beaniten erscheinen". Herr Julius Berger, weit enitfernt, diese Anklage zu en tkräften, steht vie!- nrehr auf dem Slanldpmckt, es inüsten noch -bedeutendere Sum-nren für die reisenden Werber aufgewendet werden.- -Wenn statt der arbeitenden fünf Agentdn deren h u n d e r t anr Werk wären, könnten dein Palästinafonds zwauzigmal größere Beträge z-ufließen, das heißtsoviel, als, den. unsicheren Dö-llär zu sangen, wird -der sichere Schekel vertan. In aller Welt ist die Parole: Abbau der Beamten — Herr Berger .aber fordert Den Ausbau der zionistischen ExMüivbeamten. Noch nicht genug der Sinekuren? der Geldverschvendung? Und wozu das Ganze? Es sind bereits so viele hervorragende amerikanische Iahen zwecks eines Studiums der Lage nach Palästina gekommen, daß es höchst überflüssig erscheint, Schnorrspezm-listen nach Amerika zu schicken, zumal dir Kosten der Reise unter den jetzigen Verhältnissen 'den größten Teil des -finanziellen Ergebnisses verschlingen. Und außerdem -ist doch die-jüdischnationale Presse aller Länder und Sprachen da, deren Hauptaufgabe das Geld machen (für den Keren Hajestod) ist. Nun lautet das allgemein 'bekannte Sprichwort: Ein guter Jud braucht keinen Brief; einem schlechten Jud — nützt kein Brief. Die guten amerikanischen Juden sind der gedruckten Bettelbriefe satt; mehr noch der gelinden Pressionen fahrender — sagen ' wir höflich — Almosinäre. Was die amerikanischen Juden für Palästina spenden, geben sie ans eigenem Entschluß und großzügiger Humanität. Sie werden sich aber wohl bedanken, Uitfiumtrnien hinauszuwerfen, damit unbeschäftigte Kostgänger der Exekutive ein gemächliches Wanderleben führen. Ein Zufall wollte es, daß dieselbe Nummer der „I. R.", die den verunglückten Aufsatz I. Bergers brachte, eine Anklage I. H. K a n n s -im Haag gegen die Mißwirtschaft der zionistischen Exekutive enthielt, in 'der nachgewiesen wurde, daß sie ihre Bilanz verschleiere. Für die Kästen der Delegation Sokolows nach Amerika steht statt eines Betrages ein Fragezeichen, «das gleiche Fragezeichen für die weiteren Ausgaben tu Amerika und anderen Ländern. Solange «auf diese FrägMichen - keine ziffernmäßig «belegte Antwort gegeben wird, wird man mit Herrn Kann . daran zweifeln müsten, daß der Ausweis mit bloß Pfnn!d 8900.— auf dom Papier ddm tatsächlichen Ausgäbenkonto für die Zeit vom 1. September 1920 bis 3.1. Jänner 1922 entspreche mrd alles glatt verlause. Dieser Zweifel muß nach der jüngst abgehaltenen Sitzung des zionistischen A. C. verstärkt werden. Es scheinen dabei einige nen.gierige Teiluchmer LlüDavung über die Verwendung der Keren Hajestod-Gelder gewünscht zu haben. Der Vorsitzende, Herr Weizmann — wert sonst? machte die Absicht der unangenehmen Herren dadurch zu Nichte, daß er die Sitzung als eine vertrauliche erklärte. Nun aber ist im Judentum die Ansicht verbreitet, daß an einem Geheimnis nichts Gutes fei; autib eine andere, üben so richtige, daß was mehr als zwei Menschen wissen, Seilt Geheimnis bleiben könne. Es soll «also nicht 'überraschen, wenn die Gebarungsweise der Keren Hajostod-Maßgebenden noch zu mancherlei unliebsamen Erörterungen ln der größeren Öffentlichkeit führen wird. Der Grund Kr die Vertrauticherklärrcng der Sitzung churde zuerst nicht angegeben, jetzt nach der Sitzung schreibt die „Jüdische Rundschau", daß er in der Frage «der Konstitution zu suchen fei. „Diese Sache ist insofern heikel, als der Entwurf bekanntlich von der englischen Regierung nicht veröffentlicht, sondern nur vertraulich den interesfierten Parteien mitgeteilt wurde. Die Diskussionen, die das A.-C. über diese Frage führte, mußten daherfür vertraulich erklärt werden." Wir glauben aber trotzdem, daß unsere

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