Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 8 (7.4.1922)
- Date
- 1922-04-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 & 5 D i k Wahrheit Nr. 8 Deutsche Juden in der Tschecho-SlowaKei. (Schluß.)' , Uöber die ArchänglichKeit der deutschen Inden in''.der Tscbecho-Slowakei an ihr Deutschtum sei noch eitle 'andere Aeußernng von 'maßgebender Seite verzeichnet: In der Zeitschrift „Demokratie", die in Gablonz an der Neisse erscheint und für die Erringung der natio^ralen Selbstbestinimung der Sudeten - deutschen unentwegt kämpft, bespricht Dr. E r ig e r t dir volitischen Borurteile, die diesem Ziele entgegenstehen. Er kommst in diesem Artikel . nach aus den' Rassen, antisemitismus zu sprechen und gibt seiner Altsicht über diesen -folgendermaßen Ausdruck: „Ein Großteil der Angehörigen des fudeteitläuidischen Volkes erkennt die Gefährlichkeit des Hindernisses der Klassenscheldung auf dem Wege zur Erfüllung der 'Selbstbestimmung gar wohl. SagMMmte bürgerliche Parteien non,neu sich Volksparteieil, Weil sie den Gegensatz der KlaffentrenNnug nicht anerkennen. Während sie aber das Bomrk'il des Klassenkampfes verdammen, machen sie sich eines llicht weniger gefährlichen anderen politischen Vorurteiles schuldig: des Raffenstandpunktes. Raffenstaatdhunkt ist ein Wort, welches nirgends anders auf der Welt verstanden wird als bei uns Deutschen. Es bezeichnet nicht etwa die harmlose Tatsache, baß es verschiedene biologische Arten des Menschengeschlechtes gibt, die gewisse Eigenarten iim Gegensatz zu einander ausgeprägt haben, es entstammt einer pseudopolitischen Terminologie und bezeichnet etn verkörpertes Vorurteil. Der bei uns Deutschen heimische Raffenstaudvunkt ist Vorurteils gepaart mit Uebdrhebung. Es ist eine siMche Ungerechtigkeit, vor allmn aber, auch eine politische Torheit. Es scheidet die eigenen Volksgenossen nach sogenannten Raffenaesichtspnnkten in zwei Kütegoriou, in ein Lager der Arier und in ein zweites verächtlich gemachtes Lager der Semiten. Dem Raffenstaudpuukt ist jede andere Bilder aus dem israelitischen Blinden- Jnstitule, Kvhe Warle in Wien. Voll Direktor S. Hel l c r. (4. Fortsetzung.) -- Eines Tages erhielt ich nliit der letzten Post aus einer Stadt in Mähren folgendes Schreiben: „Diese Zeilen richtet all Sie eine doppelt -unglückliche Mutter. Mein 12jähriger Sohn Josef*) war ein guter Schüler der Menten Gymnasialklaffe und ist nun fast ganz erblindet. Nicht genug au diesem Unglück, sehnt sich das Kipd krankhaft l?ach seiner Schule, die ihm für immer verfchloffeir bleibt. Mit jedem Tag wind Josef bleicher und stiller; ich sehe ihn dahinschwinden und kann ihm Nicht Helferl. Irl einer Versammlung habe ich Sie sprechen gehört und setze nun mein ganzes Vertrauen aus Sie. Retten Sie mich und mein Kind vor Verzweiflung!" . . . Wieder und immer wieder las ich diesen Brief. Die geschriebenen Worte' bekamen Stimme und sprachen schmerzbemegl zu mir, manche von ihnen schluchzten, laut aus, wie ein Wehruf ans gequälter Brust. Den-Jammer der Mutrer rind' des Kindes, ich kannte ihn wohl. Da itand er ja wieder, wie so oft mit fahlem Angesicht und stieren Augen und seine knöcherne Hand schrieb das große Fragezeichen, das voll der Erde bis. zum Himmel reicht: „Warum in des Lebens Blütezeit aus einem Meer voll *) Die Namen werden aus Diskretion wcggelasfen oder verändert. Raffe recht, nur die jüdtscheRaffe nicht. Mag auchderVolksgenoffe jüdischer' Konfession durch jcchrhundertalte Bande all die 'gleiche Heimatischolle gebunden 'sein, mag er, wie seine arischen deutschen Volksgenossen seit^Uroäterzeiten aus demselben Borne d eutscher Kultur'die Welt seiner Gedanken und seiner Gefühle au'fgeibaUt hüben, er «gilt d'enr arischen RaffenstandpuNkt als der volkfremde Schädling im Volkskörper. Die Geschichte der deutschen Sndetenländer vermag Äen 'klaren Beweis zu erbringen, baß das dentischfüdffche Element nicht. zuletzt mit zäher Beharrlichkeit zu allen Zeiten ein treuer und verläßlicher Verfechter des . kulturellen Dentschtnins ^gewesen ist. Es ist eine allbekannte Tatsache, daß die dentschjüdischen Gemeinden die Reste uralten. Deutschtums bis in die jünigfte Gegenwart hineinverpftanzt hüben und heute vielerorts in zahllosen doutschen 'Sprachinsellr das letzte.Bollwerk Äes Deutschtums überhaupt bilden. Aber alle diese Beweise des treuen l Fefthaltens am Deutschtum-zählen nichts und immerfort ertönt das vom Vorurteil genährte Schlagwort .vo>m national weniger verläßlichen deutschen Juden. Zu einer kindischess Spielerei artet die ernste Sache aus, wenn sich, um den deutscharischen RassenstauidpnUkt zu-manisestiewu, Parteien deutschvölkisch im Gegensatz zu deiutschnatioual nennen. DeutschNatioual zn sein ist -weniger deutsch' als ' dentschvölkisch! Daß sich die arische Raffe im subeten-- deutschen Volk -aus sahichu!i;bertefaUger Bl'ntmischung vjiiir dem naüonaleu tschechischen Gegner ergeben hat, das spielt keine Rolle. Der Tscheche bleibt der nationale Feind, der Jude der völkische. Das politische Vorurteil versteigt .sich soweit, daß der Antisemitismus des RaffeNstaud- . Punktes nachgerade den Bestand des Deutschtums au vielen Orten gefährdet. Um der Mindevschätzung des deMchjüdischen Bol'ksteiles willen opfert man verblendet das Sprachenrecht und die kulturellen Grundlügen einer wielfach größeren Anzahl der arischen Volksgenossen. Das : nennt man über nicht nationales Harükiri, smtdesrn Raffen- Licht, Farbe upd Verklärung hiuabgestoßeir werden in den Abgrund der Finsternis? — Warum?" — — Das Briesblatt war mir längst en>tsallen. ans dem Boden raschelte es im Luftzug des offenen Fensters. Ich schreckte aus meiner Träumerei empör; rings um mich 'Wales Nacht. So hatte ich denn den Wandel, dem ich nachgchonnen, nriterlebt: aus dem Hellen Dag durch die Dämmerung in das tiefste Dunkel! Mer mir funkelten ja vom Himmel MAiEn Sterne hernieder und am nächsten Morgen wird mir die 'Sonne wieder mchgchen in neuea’, herrlicher Pracht! — Dem armen Joses Uber? —- - Rasch entzündete ich die Lampe -und schrieb als Antwort ans den Brief der Mutter, daß sie zn mir lammen solle mit ihrem Kinde. Alles was'ich vermöchte, wollte ich für sie tun vom ganzen Herzen. Schon an einem der nächsten Tage erschienen meine Gäste; die Mutter, in deren mildem Angesicht mit Leidenszügen alles geschrieben stand, was ihr Pries enthielt, um deren Mnnid ein schmerzliches Lächeln zuckte, als sie meinen warmen Händedruck empfand; der hochaufgeschossene Knabe, dessen Haltung. und Geb ah reu alle Jugendlichkeit!' eingelbüßt hatte, dessen sterbende Angen aber seltsamerweise hell und freundlich mir zugewandt waren. Mit Rührung bemerkte ich, daß-Joses seiner Mutter inymer näher rückte, daß seine Hände die ihrigen immer inniger umschlossen und sein Haupt unwillkürlich au ihrer Brust sehnte. In 'meiner Befangenheit, in dem Bestreben, - jeden tvwlben Pn-M forMvm zn uangchen, mWgUg mär jedes j&igr'.ir&mssm