Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 8 (7.4.1922)
- Date
- 1922-04-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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MManMeZeWM für gtvnvuf c 42 21« MMe Interessen REDAKT10W irADMUllSTB^TlON Mir» 2.» Sriurstraßr 18 Wien, 7. April 1922 XXXVIH. Jahrgang Nnmmer 8 1 J 3«m Pesiachseste. Mit dem Frühling kehrt das Pessachfest, der freundliche alte Tröster unseres Bottes, in unsere Häuser ein. Meder setzt sich das alte Wandervolk an den Sedertisch, hebt die Mazza hoch, zeigt der Heranwachsenden Jugend das Brot des Elends, das die Väter in Aegypten gegessen haben und ruft, der eigenen Knechtschaft gedenkend, den Bedrückten und Bedrängen, den notleidenden Brüdern zu: „Wer hungrig ist, der komme und esse, wer bedürftig ist, feiere mit." Au seinem Frühlings- und Freiheitsfeste soll kein Bruder der Freude entbehren. So trübe auch der Himmel über und so schwankend auch der Boden unter ihm ist — am Pesiachseste soll jeder sich der Festesfreude hingeben. Der Gott der Väter, der Aegyptens Sklavenketten gebrochen, der Weltenschöpfer, der seine Natur von der eisigen Umarmung des Muters befreit, wird auch ihn von Not und Leid erlösen, wird ihn befreien von dem Drucke der Zeit: „Heute noch Knechte, übers Jahr freie Männer." Bei der diesjährigen Sederseier wird die Erinnerung an die Leiden der Ahnen bei vielen Glaubensbrüdern die Erinnerung an das eigene Leid wecken, das sie im Lande der Gefangenschaft erduldet haben. So mancher dieser Glücklichen, dem es vergönnt war, gesund und heil zu seinen Lieben heimzukehren, wird von dem Kriegsseder erzählen, den er im fernen Lande gefeiert. Fern von der Heimat, von Weib und Kind atz er das „Brot des Elends" und sagte sich — seiner Lieben mit einem Herzen voller Wehmut gedenkend — die Worte, die ihm sonst von geliebten Kinderlippen entgegentönten: „Mah nischtanuh halajluh haseh mikol halelaus". Wie ist doch diese Sedernacht unterschieden von den anderen Sedernächten! Werde ich die kommenden Sedernächte wieder als freier Mann im ttauten Kreise der Lieben feiern? Werde ich sie Wiedersehen, die tteue Freundin meiner Jugend und die alten Eltern? Werde ich noch einmal in die geliebten Kinderaugen meiner Lieblinge blicken? Wird das holde Fest wieder Lenzesstimmung in meiner Brust wecken, wird mit dem Pesfach des kommenden Jahres wieder der Frühling einziehen, der Frühling ins Haus, der Frühling ins Herz? Er ist eingezogen. Das Geschick war gnädig. Dank der göttlichen Gnade sitzt er wieder im trauten Kreise, stimmt den frohen Sang zum Lobe Gottes an, des Allmächtigen, „der den Armen vom Staube ausgerichtet". Möchte er und möchten alle, denen das Glück hold gewesen, der früheren Leidensgenosien gedenken, der Armen und Elenden, die durch den Kriegssturm entwurzelt, der Heimat entbehren und haltlos umherirren; der Kranken, die in den Schützengräben ihre Gesundheit verloren; der Krüppel, die ihrer Glieder beraubt; der Blinden, für welche die Frühlingssonne nicht mehr leuchtet, die Natur ihre Farbenpracht nicht entfaltet; der Kinder der Gefallenen, denen die Schreckenszeit die Wächter ihrer Jugend entrissen! Möchten alle, die der Krieg verschont, ihre milde Gabe auf den Altar der Menschenliebe niederlegen, aus den Attar der notleidenden Wohlfahrtsanstalten,' der Waisen- und Krankenhäuser. „Jeder nach der Spende seiner Hand, nach dem Segen, den der Ewige ihm gegeben." Möchten sie sie als Pessachopfer bringen und sprechen: Ein Pessachopfer ist es, weil der Ewige unser Haus verschont hat, als er so viele Häuser zerstört — F. 99999999999999999999999999999999999999999999999999999999999999999999999999999 81760837458313603072640332765737455873645072640134168^^764037340306764713436596944887325302791 535348234853484823534802235348022353234800485302484848024853480253534802535353025353480023534802534848484853480253482302535348485302010248532302484848024853 2323235323232323238900235353002323534853235300534848000201000023234800534853492353480053485302535353002353530053232300534823005348010053235300000153205353