Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 7 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 7 ii Die WahrheN LW Wahrheiten vom Tage MM „Tagebuch Trotzkis." Seit jeher war Rußland im Fälschungen, namentlich von Dokumenten für antisemitische Zwecke, groß. Die „Weisen Zivns" haben dort ihren Ursprung, der in russischen Hoftreistn beliebte Professor Nilus hat das Bs'tdienist, sie erfunden zu halben. Nun wird wiederum errre Fälschung gemeldet, und zwar handelt es sich um ein Tagebuch Trotzkis, das die Offiziere der berüchtigten Wrautzel-Armee heriausgegoben haben. In -dieseiln beschlicht der allmächtige Sowjet-- Herrscher die Vernichtung des christlichen Rußlands als Rache für die Pogrome der Zarenzeit. Die Offiziere der Wrangel-Armee haben sich seinerzeit in besonders rühmlicher Weise durch ihre Pogromlust hervorgetan. Nun, da sie auf der ganzen Linie geschlagen sind und sich in anderen Gebieten nicht bÄätigen können, da greifen sie zu der im zaristischen Rußland, als dessen Sachwalter sie sich fühlen, sehr gangbaren Methode der Fälschungen, u,m die Bevölkerung des Landes aus die Juden zu Hetzen. Es wird ihnen wenig nützen; Sowjetrußland ist aus dem -besten Wege, durch die Großmächte anerkannt zu werden, und das ist Beweis ge:mg, daß die kommunistische Regierung auch im Lande die Macht in der Hand hat. Daraus erwachsen sowohl den Getreuen Wrangels wie in weiterer Folge auch den religiösen Juden bedeutende Nachteile. Diese werden rräuckich durch die Irreligiosität der jüdischen Kommunisten, in Weilchen die größten Feinde der Thoratrenen zu erblicken, sind, immer behelligt und nicht umsonst wurde Trotzki aus der religiösen Gemeiuschast ausgeschlossen!, da er indirekt der UrhÄer der jüdisch-konimnnistische.n Rohheiten ist. Es ist also die merkwürdige Erscheinung, die wohl zu den Seltenheiten gchört, zu konstatieren, daß Antisemiten und gesetzesireue Inden sich gegen eine Person wenden; freilich sind die- Gründe der -Stellungnahme ganz verschieden. Wenn schon . . . Einem dr ragenden Bedürfnis der Jüdischnationalen abzuhslson, wunde im 10. Bezirke eine zionistische Fvauenorlganisation gegründet^ aus welchem §ln lasse, wie es schon so geht, von Vielenviel geredet wurde. Allen voran, betonte die Präsidentin Frau Branntweiner die Notwendigkeit des Zusammenschlusses und der Arbeit der jüdischen Frauen^ was etwas für sich hat, nur darf man das wie und wo nicht außeracht lassen. Ob der PvoiletarierbezirL Favoriten mit seiner überragend christlichen Arbeiitevbevölkernng ein geeigneter Nährboden für den Zionismus ist, läßt sich billig bezweifeln. Svdtann sprach Herr Rabbiner Dr. A. L. Mandel über die „--sittlich-religiöse Evz-ieh-nug der jüdischen Frauen und Mädchen" ohne zu bedenken, daß zionistisch und sittlichreligiös -zwei Begriffe sind, die weit oster im Gegensatz als im Einklang sichen. Auch Frau Dr. Mandel sprach im Sinne ihres Gemahls, was von: Standpunkt ehelicher Harmonie 'begrüßeaiswert, aber gleichviel des Tatsächlichen entbehrend blieb. Eine Frau P a ta k Mb gleichfalls ihren Sears zu dem unvevdaulichen Braten. Niemand aber war sich derNotwend igkeit bewußt, daß, wenn schon ein neuer jüdischer Frauenverein ins Leber: treten soll, dies aus wiMich „sittlich-religiöser"' Grundlage zu geschehen hätte. Wenn schon Frauenvereinsbildrrngen, dann aus Grund eines dem jüdischen GenuUNsinn und der Wohltätigkeit dienendenProgramms.'Frau Br«anntweiner und zionistische Genossinnen ergossen ihren Schmerz in die Spälten der „M. Z." darüber, daß am folgenden Tag ails eine Art. ProtSstversammlung eine „nichtjüdis-chnatibnale" j Vevsamünlung stattsand, die sich selbstverständlich nicht schr begeistert über den Zionismus aussprach. Die „Morgenzeilung", die von dem Steckenpferd der „Mittags-Zeitung" nicht hernntersteigen toffi, der doch der ganze Zionismus vollkommen Hökuiba ist bot diese Versmnntlung Gelegenheit, wieder einmal -cmtif die „Nichtft'idischnationalen" loszuhauen. Sie hätte sich lieber überlegen 'sollen, daß sie mit ihrer Meinung, baß in-Oe jüdischen Parteien über das angebliche Keffeltreiben der Aguda so empört sind-, doch nicht ganz recht hat, daß sich vielmehr die Empörung gegen die Mtionalzionisten richtet, deren verderbliche Hetzereien bis zur Nachahmung der „Erwachenden ftugarn" führen. Unbeirrt durch solche Spiegelfechtereien gehen die Tempelveveine i h r e n Weg nn>d die Tatsachen lehren, dbß er der richtige ist. Ungarn und die Dichter. Im Lande, das einen protestantischen Bischof interniereu ließ, weil er den numerus clausus als unchristlich bezeichn ete, im Lartde, das an dkesm' Maßregel, die dem Mittelalter Ehre nrachen würde, festhält, ja sie sogar aus die-Advokatenkammer ansdehnen will, nachde::: -bereits an der Universität nur 6 v. H. jüdische Höver ausgenommen werden und der Großteil unserer wissensdurstigen jungen Glaubensgenossen in das Ausland getrieben wird, mit einem Wort, iu Ungarn Mrs auch der freie Dichter nicht zu Worte kommen. Der amerikanische Dichter Walt Whitman ist als staatsgefährlich erklärt worden und gleich 100 Detektivs sind aus die Suche nach seiner: Werken! in die Budapester Buchhandlrrirgen geschickt worden. Die Kenntrris dieser Werke ist von den Spnchundelr des Herrn Horthy wohl kaum vieirlarrgt worden, sie müssen N!ur wissen, daß Walt Whitnrar: ein Jude ist und daß er -aus diesem aufreizenden Grunde als staatsgefährlich erklärt wunde. Und schließlich kann man dieses Wißen auch gar nicht von ihnen verlangen, umso weniger, als -es erst vor kurzer Zeit einem deutschen Antisemitenblntte gefiel, Walt Whitman, der iu einem «allzn naturalistischen Gedicht vom Geziefer dev Erde sprach,!als Galizian-er zu deklarieren und chm vorzuwersen, daß ein solches Ungeziefer umiu den östlichen Staaten existiere, der Dichter es also sehr genau kennen müsse. Es gibt aber nicht nur Ungeziefer aus mehr als zwei Füßen, sondern auch solches auf zwei Füßen. Zu Wesen gehören alle diese Gegner Walt Whitmans, die sich nicht mitden, Dichter miseinaudersetzen, sondern ihn seiner Abstammung wegen anspeien. Ein Wasserstrahl. Die Bezeichnung „nationales Heim" ist zu einer leidenschaftlichen aber unfruchtbaren Streitsache des politischen ^Zionismus geworden, der bemüht ist, die Balsoursche Deklaiuatibn zu überb alson>rer: und alles Erdenkliche herauszutüfteln und h meinzulegen/Das niMbnale Heim müßte sich nach der verhängnisvollen Ideologie der Zionisten zu einen: nationalen Staat der Inden gestalten -und weil es die nationalen Mehrheiten in Palästina, so , verstehen oder für chre politischen Zwecke so deuten, will es im Heiligen Lande nicht ruhig und freundlich werden. Und weil dem so ist, muß die englische Regierung von Zeit zu Zeit -einen Vertrauensmann gegen die Exaltados einen abkühlenden Wasserstrahl entsenden lassen. Das war die vielgeschmähte Mission Lord Northolisses ruvd nachdem die Herrschaften offenbar noch nicht zur Vernunft gekommen, setzte ein anderer, Lord Percy, in einer Londoner Misrachiversammlung das Berrchigungsgeschäft fort, in derber über die Bedeutung des vielgedeut-eten nationalen Heims sprach. Lord Percy erklärte: Wollte England eine