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Die Wahrheit · 1922-03-23 · Heft 7 (23.3.1922) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 7 (23.3.1922)
Date
1922-03-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Die Waht|eii Seite 9 noten Weines voll. Er ging sodann nach Hanse, legte sich ttieder ins Bett, ohne jemandem ein Wart gesagt, zu hoben. Als Iber Morgen kam und die Gemeinde znttt Morgengebet erschienen war, 'kam plötzlich der Pascha mit dem griechischen Bischof, von vielen Geistlichen und Soildaiten g-efolgt,.in die Synagoge. Die Juden erbebten und ihre Angesichte nahmen die Farbe des Schnees an. Bloß der Diener .blieb nichiig aurb mar im Gegenteil freudig; begriff er doch, welchen „Zweckett" dieser Besuch galt. Aber er redete kein Wort. Der Pascha gab Befehl, alle Ecken «und EvdeUlöcher und Spalten gründlich zu untersuchen. Doch matt fand nlichts. Nun sprach ein Grieche: „Oeffnen Mir die.Heilige Lade und sehen wir nach!" Man öffnete die Lade und man fand eine Weinflasche. Da hob «der Grieche zu schreien an: „Sch-et, die Flasche ist des Blutes voll, des Blutes eines christlichen Kindes, das die Juden als Opfer für ihren Gott hingeschlachtet haben, wie es denn ihr Brauch ist." Der Bischof fragte den Chacha-im-Baschi: „Was ist tu der Flasche? Dieser antwortete: „Es ist nichts als Wein für Kidosch." Nun gab der Bischof eine kleine Menge in den Kelch -und überzeugte sich, daß es tatsächlich Wein war von feinstem Wohlgeschnrack und würzigem Du,ft, denir es war der Most von Trauben ans den Gärten Ehebron. Der Bischos übergab den Kelch «an den Pascha, der Pascha wie», der an seinen 9ttbeufteh enden, ttNd einer dem andern und alle sprachen und bezeugten, daß d»iios Wein sei. Der Bischof bat den Chachein-Baschr um Verzeihung wegen der Stö-rttng des Gottesdienstes, der Pascha aber zog das blantke - Schwert und wollte den Griechen niedermachein Der Bischof aber ergriff das Schwert und sprach: „Es ziemt sich nicht, in Gottes Hans das Blick eines Menschen zu verließen!" Als sie die Synagoge verlassen hatten, bekannte sich der Grieche schuldig und gestand, daß er aus Feindschaft geigen die Juden es getan habe. Er fand seinen Tod unweit der -Synagoge durch des Paschas Hand. Seither ordnete der Chachaim-Bafchi an, daß inan in der Synagoge kein Kidosch machen soll. König David und die arme Wäscherin. Bor vielen Jahren lebte in Jerusalem eine arme und von ihrem Manne verlassene Frau. Sie ernährte sich von ihrer Arbeit als Wäscherin für die reichen Leute der Stadt. Unter jenen Leuten, die dieser Frau ihre GewäNder zum Waschen gaben, war: auch Osman, -der Wächter der Königsgräber, ein 'schlauer, böser Araber. Eines Tages brachte dfe Frau für Osman die blank gewaschenen Gewänder. Als er mit ihr int Hose 'der Zitadelle allein war, sprach er zu ihr mit freundlicher Stimme: „Du bist eine gurte und brave Frau, so will ich dir eilte Freude machett uttd dir das Jnttere der Gräber -des Küttigs David zeigen, die noch kein Mensch deines Glaubens gesehen hat." Natürlich war die Frau von diesem Anerbieten sehr erfreut und sprach daher: „Das wird ttteitt größtes Bergungen sein!" Da sagte Osman:, Dann folge mir!" Er schritt voran, bis sie vor eitrem rmterirdischen Eingang anilatligtt.tr,. er üsfnete die Tür rrud ließ das nichtsahneitde -arnre Weib das Innere betretetl. Kau nt aber tvar sie eilte Treppe hitttmtergeftiegen, schloß Osman rasch die Tür hinter ihr ttrtb sperrte sie ist der stockfinsteren Kammer ein. Indessen lief er blitzschnell znm Kadi, neigte sich tief vor ihm und sprach: „Ente große Freveltat ist geschehen. Eitee Jüdin schlich sich in das Grab des Naibi David ein, meinem wachsamen Auge ist es jedoch tticht entgangen und ich sperrte schnell die Tür hinter ihr, um sie dem Kadi zu übergeben." Als der Kadi dies vernommen hatte, wurde er wütend und ries: „Beim Leben des Propheten! Das Weib ist dem Tode geweiht — führt es ans das Schafsvt!" Die Unglückliche, die plötzlich in evttt tiefe Finsternis versetzt wurde, begriss gleich, daß sie eitter argen List des Wächters zum Opfer fiel und daß sie in großer Lebensgefahr sei; sie warf sich ht ihrer Berzlveislnng ztt .Bodstr, weinte jämmerlich und flehte Gott an, daß er sie ans der fttrchtbaren Lage erlösen möge. Kaum hatte sie ihr Gebet ibeendet, als sie einen Greis vor sich erblickte, feint Anblick war herrlich, feinte Augen glänzttn wie Feuer und die 'finstere Kammer wurde des Lichtes voll. Er ergriff ihre Hand und führte sie durch stockfinstere unterirdische Wege, «bis sie vor einer Ruine am Ende 'der Stadt 'anlangten. Und dort sprach er zu chr: „Nim eile nach Hause und stelle dich gleich zum Waschtrog und mache dich wie gewöhnlich am die Arbeit, und kein Mensch soll erfahren, was mit dir vorgefallen ist." Noch hatte sich die unglückliche Frau bei ihrem Lebensretter nicht 'bedankt, als er ihretr Augen entschwand. JUdessett zog der Kadi vielen Leuten voran zu 'den Königsgräbern, um die Sünderin zu ergreifen. Er öffnete die Pforte, rief das Weib, ttnd als keine Anttvort erfolgte und tiefe Stille herrschte, ließ >er die Kammer gründlich rnit Fackeln nach dem Weibe durchsuchen, freilich alles vergebens. Nun ließ der Kadi den Wächter vortreten nntd schrie ihn -att: „Um ntns zu verspotten, hast du uns hergerufen?" Dieser aber war ganz entsetzt und schwor beim Leben des Propheten, daß er wahrgesprochen habe nnd nannte schließlich den Namen des Weibes. Daraus entsendete der Kadi einige feiner Diener in das Hans der Fraitr, nnd diese 'fanden sie fleißig 'bei ihrer Arbeit. Die Frau stelltt sich, als wußte sie von nichts und fragte die Diener: „Was ist euer Verlangen hier?" Die Dietver Uber antworteten: „Warst du 'heute draußen?" Sie gab schreiend zur Antwort: „Seit Anbruch des Tages stehe ich beim Waschtrog nnd fitttde nicht einmal die Zeit, um die gewaschenen Gewänder an ihre Besitzer abznsühren." Die Diener kehrten zurück nnd erzählttn, daß sie die Frau bei der Arbeit fanrden, und nun waren sie alle überzeugt, daß der Wächter ein Lügner und ein Verleumder sei, er lvttrde daher Mts Befehl des Kadi auf das Schnfsot gebracht. Von diesentt Tage att brachtttt alle Leute ihre Kleidungsstücke zu der frömmelt Waschfrau, denn sie wvlltett von ihr erfahren, wie sie demt Mts den Gräbern gekommen fei.. Sie wollte aber kein Wort sagen. Erft vor -dem Tode erzählte sie die ganze wunderbare Begebenheit, vermachte das durch Fleiß und Redlichkeit erworbene Vermögen wohltätigen Vereinen und bat, daß einer der Rabbiner Jahr für Jahr an ihretn Todestage das Kadischgebet verrichten soll, was noch bis zum heutigen Tage geschieht. OODOOOpVOOOOOGOGOOOGOOGGOGOOOOGOOOOOGOOK Werbet Abonnenten für unser Statt! »GOOGOOGOOGOOOGOOGGOOOOGGOGOGOOGGGGGGGGOO

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