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Die Wahrheit · 1922-03-23 · Heft 7 (23.3.1922) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 7 (23.3.1922)
Date
1922-03-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7 Die Lahrtz eil Seite 11 Bewegung beschützen oder fördern, 'bk gar keine Grenzen setzte, die sich etwa Ms .die Kolonisation des ganzen Gebietes erstreckte, das das gelobte Land vom Nil bis znnl Euphrat umfaßt, wenn man etwa eine Wiederaufrichtung des Salomontischen Reiches erstrebte, so würde das völlig u u t> e r e i u fr ci r sein mit d e it Verpflichtungen Englands ge g enübe r anderen Ration a li täte n, mit Englands V er fpre chn ng e n a n die Araber und mit seinem Nebereinkonnnen mit den ftanzösischen Bundesgenossen. Die britische Politik kann für nichts weiter einstehen wie für das „nationale Heim" und in dem Augenblick, in dein.sie in irgend einer Weise von dem strikten Buchstaben der Balsour-Erklärnng abwiche, würde sie ins Bodenlose versinken. Die britische Politik erstrebe ein jüdisch-nationales Heim und nicht einen jüdisch-nationalen Staat. Der politische Zionismus strebe schließlich -nach der Aufrichtung eines jüdischen Staates; das sei aber nicht notwendigerweise das Ziel des überlieferten Judentums, trenn es das zionistische Programm unterstütze. Zum erstenmal habe er vorn Ziouismus vor dem Kriege in Amerika sprechen hören, wo ein junger palästinensischer Jude seine Ideen dariiber in die Worte des Propheten Amos zusammenfaßte: „Es ist ein Hänger nicht nach Brot und Wasser, sondern nach dem Worte Gottes". Die Zukunft des Zionismus hänge in allererster Reihe fron der Haltung der jüdisch-öffentlichen M e i n u n g i n d e r ganzen W e l t ab, die sich jenenr Ralbbiner anschließen sollte, der vor Jahrhunderten es aussprach, daß Israel „eine Nation sei, nur kraft seiner Religion". Damit werden alle jene müßigen Tüfteleien hinfällig, die neuestens an eine Aeußerung Lord Churchills in scheinbar zionistifch-giinstiigem Sinne geknüpft wurden. Aus dieser Rede haben die Jüdischnationalen aller Länder die Nosmen gezupft, aber wohlweislich das zurückgestellt, was weniger nach ihrem Geschmack war. Er sagte unter anderem: In Palästina sind wir zu einer Politik verpflichtet, die notwendigerweise aus den W i d >e r st a n d e i n e s Teiles d e r M e h r h e'i t s b e v ö l k e r u n g stoßen muß. Dann auch: Ich kann mich nicht verbürgen, daß sich in Zukunft keinerlei Mißgeschick ereignen wird. Bemerkenswert ist seine Bemerkung: Das abgelaufene Jahr lvar ein.durchaus f r i e d l >i ch e s. Es gab Aussch reitu ngen' in I erusal cm und in Jaffa. Ich kann durchaus nicht behaupten, daß die Erregung unter der arabischen Bevölkerung ausgehört hat, doch im allgemeinen war das Land ruhig! Was ein richtiger Engländer ist, verliert nie den Humor. Ominös. Die diesjährige Tagung des Reichslandsbundes deutscher Antisemiten fand kürzlich in Hannover statt. Diese Versammlung dunkler Ehrenmänner bot mehreren Reichstagsäbgeordneten Gelegenheit, Gift nnd Galle gegen das Judentum zu speien. Herr R o e s i >k e sagte in seinem Referat zur politischen Lage: Die Regierung muß so ausschen, wie wir es wollen. (Stürmische-Zurufe: Inden hinaus!) Die deutsche Landwirtschaft werde hoffentlich der Reichs getreidestelle (Stürmische Zurufe: JndenbaUk) keinen Zentner Getreide liefern. Herr Roesrke wetterte auch geigen den Achtstundentag und die Besteuerung der Sachwerte. Ein zweiter Redner, Abgeordneter Lind, stellte fest, daß die verfluchte Judenzwangsloirtschast Kinder und Greise bedrängte, als wir mit Hiudeüburg draußen im Felde wirren. Generalfeldmarschalll von H in d enibn r,g-, dein osisen'bar die antisemitischen Nachkriegslorbeeren Lud endorsss nicht ruh en lassen, war als Gast anwesend und zog sich dabei die Aufforderung Linds zu: „Herr Generalfeldmarschall, ftchren Sie uns!" Gegen wen? Vermutlich gegen den Steuerbeamten, den jeder wahrhafte Junker als den Feind des Agrariertums ansicht. Schließlich sei verzeichnet, daß dieser Veriscvmmkmg, der Bosten 'der deutschen Nation, ein Herr Hepp präsidierte. Hepp schlechtweg nnd nicht etwa Hepp-Hepp! Launiges. In dieser schüverernsten Gegenwart ist es begrüßenswert, wenn speziell ein jüdisches Wochenblatt der Lesewelt erheiternde Notizen bringt, wie solche in Nr. 10 der Israelitischen Wochenschrift für die Schweiz standen. Es ist auch bezeichnend, daß die munteren Vorgänge der beiden Meldungen dem vom Parteihader arg zerwühlten Wiener Böden entnommen sind. Da heißt es unter der Spitzmarke: „Ein i n t e r e s s a n t e s P r eisausschreibe n",. daß die Gesellschaft für Geschmlackskultur (?) einen wertvollen Preis für diejenige Zeitung ausgeschrieben hat, die an einem nicht kundgegebenen Tage den besten und vornehmsten Ton aufweisen werde. Der Preis soll natürlich auf Veranlassung des zianfftisrhen Vorstandsmitgliedes Hofrat Dr. Moschöles (?) der „Jüdischen Presse" znerkannit worden sein. Einige Schiedsrichter, die sich aus antisemitischen Gründen für die „Jüdische Presse" nicht entschließen konnten, wollten den Preis der — „Reichspost" geben. Ebenfalls irr Wim soll es nach der I. W. f. d. Schw. einem der bekannltesten Ingenieure gelungen sein, durch elektrische Fernwirkung jeden Freiitag Mend in Palästina Eisenbahn, Postverkehr, Maschinen usw. momentan lahmWlegen und erst durch (Hegmsignal anr Ausgang des Sabbaths die Arbeitsmöglichkeit herzustellen. Der Schalk fügt hinzu, daß ein Probeversuch derart glänzend gelungen ist, daß widerspenstige Chailuzim, die ihre Werkzeuge, rvie Schailsoln, Aexte itnlb dergleichen, mgreisen rvollten, diese von her Erde, wo sie magnetisch festgehalten tvurden, nicht entfernen konnten. Auch Gras Paul Teleki hat eine» „Januskops". Der edle Gras hat als Mitglied der ungarischen Friedensdelegation in Neuilly seinerzeit in dem für die Integrität tlngarns ein tretenden Memorandum unter anderem gesagt: „Sie (die Inden) erwähnen mit Stolz, daß sich bei der Landnahme den Ungarn Ehasaren türkischen Ursprunges an geschlossen hatten, von denen mehrere den jüdischen Glauben annahmen ... Ihr -größter Teil hat sich den Ungarn vollständig -assimiliert. Sie hÄben uns hervorragende ungarische -Schriftsteller, Gelehrte und Künstler gegeben. Infolge ihrer Hsimiilievung an die ungarische nationale Psyche müssen wir anerkennen, daß die ungarischen Juden «vom Rassenftandpuntte gar nicht meh r Juden, 'sondern Ungarn s i n d." — Bei einem jüngst 'vom antisemitischen ,,'SzoWt" veranstalteten Interview über den „numerus eIau8U8" an den Hochschnleri äußette sich derselbe Graf Teleki lsolgeudermaßen: „Wie wir uns in den Borkriegsjahren nicht besonders ernst mit beit Nationalitäten besagen, so haben wir mich nach dem Kriege nicht mit entsprechender Kraft danach gesehen, die innerste und unmittelbarste Nationalität: das Judentum, zu immunisieren. Diese nationalschützende Verfügung müssen die jeweiligen ungarischen Regierungen so lange intakt aufrechterhalwn, bis das Ungartmn mrs anderen Wegen und auch durch den numerv8 clausu.». sich so weit kräftigt, um auch ohne numerus etausuL seinen Kamps um die Wredereroberung des Landes fortseHen zu können. So lange kann auch non keiner Korrektion, Erweiterung oder sonst etwas ähnlichem die R >e d e s e i n." — Ein Charakter, dieser Gras Teleki, ^has muß man sagen!

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