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Die Wahrheit · 1922-03-23 · Heft 7 (23.3.1922) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 7 (23.3.1922)
Date
1922-03-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Gerte 8 Die »ftfffgH Nr. 1 sorgte Ä: Wien die jüdische Bruderliebe im Rahmen p r ivaLer Betätigung. Der Eirrgrisf der Behörde ist znrückznsühren ans ihren Wunsch, das gesancke Gebiet der Kvankenpflege, wie bei den Christen, so bei den Juden, rmte-r Aufsicht zu nehmen, besonders im Hinblick auf Senchengefahr. Im Jahve 1670 winde auch diese zweite jüdische Gemeinde aus Wien vertrieben. Gin Teil wandte sich nach Berlin und bildete Iden Grundstock der dortigen jüdischen Gemeinde. Unter den Wegziehenden 'befand sich auch die Familie Koppel F r ä n k«e l, die sich nach Fürth in Bayern 'wandte. Diese zahlte dem Wiener Magistrate 4000 Fl. dafür, daß der Friedhof intakt erhalten bleiben solle. Nicht lanige darauf ließ sich abermals ein Jude in Wien nieder. Es war Samuel Oppenheimer, der Lieferant für allen Kriegs- und Friedensbedarf, für Hof, Staat und Armee, der in der Zeitgefährlichster Krisen Oester-reich über Wasser gehalten und zu den ©itegc/it des Prinzen Eugen nicht wenig beige tragen hat. ltnt ihn gruppierte sich allmählich unter dem Titel von Angestellten seines Hauses ein Kreis von jüdischen Familien, die als „tolerierte Juden" hier bis ans Widerruf geduldet wurden. Als „jüdische Gemeinde" wurde diese „gesamte Judenschaft" hier nicht anerkannt bis zum Jahre 1849. 150 Jahre lang haben die Wiener Inden um den Titel „jüdische Gemeinde" und die daran geknüpften Rechte zäh und beharrlich gekärnpft. Wie sollten sie ohne KorporaMonsckechte den gi-ltigen Kauf irgend «irres Objektes zugunsten ihrer Gesamtheit abschließend Da ist es nun lehrreich zu sehen, wie gevade die Spitalssrage es war, die dien Fiscus zwang, den Juden, wenn auch unter anderem Titel, nach und nacheinzelne Rechte eurer Gemeinde eiNznränmen. Heute ist der Friedhof die ergiebigste Einnahmequelle der Kultnsgenreinde, so daß man sagen darf, die Toten sind es, d-ie die Lebenden erhalten. Damals vor 150 Jahren war es das Spital, waren es die Kranken, denen die Gemeinde ihr Jns-Leben-treten de facto zu verdanken hatte. Und das kam wie folgt: Im Jahre 1723 w ar das Spital cm derselben Stelle, wie früher, nein erbaut worden, auf «dem Friedhof in der Seegasse, der 1696 in den Besitz der Familie Oppenheimer übergegangen war. Dieses Spital wurde mit der Zeit baufällig und im Jahre 1785 erging deshalb an die Wiener Juden der behördliche Auftrag, das Spital zeitgemäß zu renovieren. Die Ausführung dieses Befehles 'begegnete aber zwei Schwierig leiten. Zunächst beriefen sich die Juden darauf, daß sie über das SMal kam Berfügnngsrecht besäßen. Es sei ausschließliches Eigentum der Familie Oppenheimer. Als man aber nach einem kostspieligen Prozeß mit den Oppenheimers sich abgefundew und ihnen auf dem Wege eines Ausgleichs den Friedhof um 200 Fl. abgekauft hatte, stieß man auf den Widerstand des Friedhofswärters, der sich auf ein Privilegium berief, das feiner Familie für alle Zeiten das Wohnrecht in diesem Gebäude sicherte. Seine Wohnung nahm einen solchen Raum in Anspruch, daß nur für etwa 6 Kranke Platz übrig blieb. Es eickspann sich nun auch zwischen den Jiwen und diesem Hausmeister ein langwieriger Prozeß. Nachdem mit diesem gleichfalls ein Ausgleich erzielt worden war, verlangtet: die Wiener Juden, da sie doch keinen Grundbesitz zu erwerben: berechtigt waren, hiiefür ausnahn:sweise eine solche Lizenz. Die Regierung mußte nolens volens, wenn sie sich nicht selbst widersprechen wollte, einwiüigen. Der Besitzbrief wurde unter dem Titel eirier Legitimation surkun de ausgestellt. Aber auch damit begnügten sich die Wiener Juden nicht. Ihre Führer lehnten.es ab, derartige rechtsverbilck)- liche Abmachungen einzugehen, die alle Inden Mens betrafen und eme korporative Haftung aller beinhalteten, wie sie nur in einer Gemein d e gegsben ist. So wurde denn tatsächlich im Jahre 1792 den Wiener Inden gestattet aus ihrer Mitte offizielle, von: Staate anerkannte Vertreter zu wählen, unfb ihnen gleichzeitig behördlich eingeschärft, den Einlad:mgen dieser Vertreter zu Beratungen Folge zu leisten. Und noch nrehr. Die Beiträge, die jeder Wiener Jrtde zur Erhaltung des Spitals zahlen mußte, das sogenannte „Büchelgeld", war die erste jüdische Gemeindesteuer in Wien. Nach 8 Jahren war dias Spital fertiitzgestellt. Im Schoße der Regierung war damals die Frage erörtert worden, ob man nicht einfach die Mischen Kranken in dem gerade damals im Bau begriffenen Allgemeinen Krankenhanse nntorbringen könne. Aber nicht nur einzelne R egierung s sti mm en waren mit Hinweis ans die Gefahr konfessioneller Reibungen und die Schwierigkeit der rituellen Verpflegung dagegen.. Die Inden selbst vor allem lehnten das Anerbieten ab. Es lebten damals (1793) in Men 102 Familien mit 792 Köpfen. Der Spitalsbau kostete zirka 20.000 Fl., die Erhaltung jährlich 3954 Fl., davon entftelen auf den Arzt, einen Dr. Oppenheimer, 200 Fl. Der Krankenstand belief sich auf 100 Personen jährlich. Im Spital wurden auch jeden Sonntag an arme fremde' Inden Almosen verteilt. Mt diesem Spitalsbau war für die Juden Wienis ein wichtiges Präjudiz geschaffen. Als sie 1811 darangingen, eine Schule und ein Bethaus zu errichten, war ihre Berufung auf jenen Realitätenkans für das Spital ausschlaggebend siir 'die Erlaubnis der Regierung, ein Hans für die Zwecke des Kultus unddes Unterrichtes zu erwerben. Das Spital trug ganz im Geist und Stil der Josefinischen Aera die Aufschrift: „Krankenhaus für die leidende Menschheit von der hiesigen israelitischen Nation erbaut 1793." (Fortsetzung folgt.) Sagen jerusalemitischer Juden. Von Chajim Bloch. Die Vlutbeschuldigung» Im Jahre 5527 trug sich ick Jerusalem folgende wuirdeckbare Begebenheit zu: Als der Diener des Bethanses in der Nacht des SaNbat-Hagodol einschlummerte und in einen süßen Schlaf verfiel, erschien: ihm im Traum ein ftemder Mann, den er nie in seinem Leben gesehen hatte. Der Mann sprach zu ihm mit lauter Stimme: ,G'eh' schnell in die Synagoge, denn es breirnt ein glutrotes Feuer in der Bundeslade, das die ganze Gemeinde vernichten kann." Der Diener erwachte und zittert« an allen Gliedern:.' Er lies gleich iN die Synagoge und -öffnete mit /großer Eile die Bnndeslade. Doch er fand kein Feuer, Nur spürte er, als er in der Finsternis der Nacht in der Bundeslade herum arbeitete, daß die Weinftasche v!on dem gewöhnlichen Ort weggerückt war. Er erschrak darüber sehr. Er nahm die Flasche in die Hand, sah ihren Inhalt, 'gegen das Licht des"Mondes haltend, gut an, und eckkannte gleich, daß es nicht jene Flasche des Weines sei, sondern eine andere. Er schüttete vom Inhalt der Flasche ein wenig in den Kelch und sah zu seinem Entsetzen, daß -es B l u t sei. Nim begriff er, Inas dahncker steckt und eckinnerte sich des Traumes, den er soeben hatte. Er sann nicht lange nach, sondern schüttete das Blut außerhalb der Synagoge >aus, deckte den Ort mit Lehm zu und stellte in die Bundes lade die Flasche eines «

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