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Die Wahrheit · 1922-03-23 · Heft 7 (23.3.1922) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 7 (23.3.1922)
Date
1922-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Lke Wahrheiß Nr. 7 M Nerrcheit gegessen werben darf, nicht die Opsergabe, zn essen, sondern die Naturalabgabe an Korn, Wein und Oel, die chnen als Ersatz für chren Nichtanteil an Landbesitz' gegeben werden muß. Opfergaben dürfen nur in Jerlchrlenr verzehrt werden, hier ist aber vom ganzen Lande die Rede. Wahrlich, solche Fchler sind kein Bötveis für die Fähigeit, eine Talmudübersetzung zu liefern. Um nur noch aus den vielen einige wenige Stellen anzuführen, die von dom geringen Verständnis der talmudischen Ausdrucksweife and der Nichtbewältiguug des Stoffes zeigen, sei hier nur kurz erwähnt,, daß der Verfasser nicht einmal weiß, daß 2",TT5? im Talmud, wenn es ans die Zeit nach dein Tode zielt, nur das „Paradies", um einen geläufigen Ausdruck zu gebrauchen, bedeutet, nicht aber Paradies und- Hölle. Man vgl. S. 14, Anm. 2. — S. 23 HSW heißt nicht Alleinherrschaft. — S. 40 Geistvoll ist die Bemerkung, daß nicht das Ausstichen den Dag und das Schlafen die Nacht ausmache, wohl ein ganz überraschender Gedanke, der 'bisher noch keinem menschKchen Hirn entsprungen ist. Wenn der Verfasser nur gewußt hätte, um was es sich in der betreffenden Stelle im TalrNud handelt, so hätte er sich und der Welt seine Weisheit sparen können. Da iU der Schrift die Zeitangabe des Schmalesens mit "jüipSl 122D2,nicht mit Tag und Nacht, airgegeben ist, so hat sich daraus die Frage ergeben, ob erfteres bedeute, die Zeit, da man sich legt, also den Abend, oder die Zeit, da rnan liegt, also die ganze Nacht und ebenso das zweite, ob früh morgens oder die Zeit bis zu der Stunde, da alle Leute anfgestanden sind. Also wieder Mangel an Verständnis. — Interessant ist S. 39, seine Uebersetzung von UiK „Lüusch auch sonst", während es eine Euphemie ft'ir ehelichen Umgang ist. Dies nur einige Proben aus mindestens 25 Belegen, die ich auf ungefähr 60 Seiten, weil ich -nur so viele gelesen habe, gesammelt habe, ein ganz ansehnlicher Prozentsatz. Eiu Mangelndes Verständnis zeigt sich auch darin, daß der Verfasser an inanchen Stellen zum Beispiel S. 10 und 12 die Zusammenhänge durch Weglafsung der Konjunktion zerreißt und aus einvr Begründung im engsten Zusammenhang mit dem vorhergehenden Satz einen selbstälndijgen Satz macht, was dem Leser mit Verlegenheit bereiten kann. Was das gute Deutsch betrifft, das weiten Kreisen den Talmud „zugänglich und verständlich machen soll", möge folgende Schriftprobe beweisen: „Wenn einer es im Gesetze lieft und es gerade Zeit ist, es aufzusagen (!) und er denkt daran, so ist er seiner Pflicht ledig." S. 65. Wer aus den weiten Kreisen, die sich nicht ans dem Talmud selbst belehren können, versteht dieses Kauderwelsch? Nun noch einige kurze Bemerkungen über die Anmerkungen, die der Verfasser der Uebersetzung beifügt. Der Verfasser gibt dein Lokailn-achweis über die Bibelzitate, auch hie und da Angaben über die erwähnten R-abbiUen. Ganz schön. Aber nun begegnet uns das Merkwürdige, daß zu den Bibelstellen, die im Text -angeführt werden, der Verfasser seinen „Einschub" oder „verderbten Text" usw., also die Ergebnisse seiner Bibelkritik oder derjenigen Anderer hinzufügt. Mag er soviel BibÄkritik üben, wie er WM, aber, was geht diese Kritik die alten Lehrer -des Talmud an? Sie zitieren natürlich nach der Vorlage -der Bibel, die Noch immer als die offizielle gilt, was WM also -der Verfasser von der BibÄkritik, die doch Wahrlich in eine Hebersetzung des Talmud nicht hineinpaßt? Es ließe sich nun noch gar viel über die «unter dem Strich hausenden Anmerkungen sagen, über die Willkürlichkeit, dib sich hier breit macht, über den Mangel an Verständnis -und an Sachkenntnis, wie, um nur eins hevauszu-grleifen, die lachenerregende Erklärung des h^Dfl die ans die dunkelblauen Streifen am Tallis hinweist — «etwas, was zur Zeit der Mifchna noch gar nicht existiert hat — allein dies alles würde zu weit sirhren nnd müßte einer ausführlichen Behandlung in einem Fachblatte überlassen bleiben. Es sei vorläufig genug. Was von der Uebersetzungskunst des Herrn Schlögl fernerhin zu -er-wärten ist, zumal wenn d'ie schwierigen von Diskussionen ausgefüMen Partien des Talmud an die Reihe kommen, ist nicht schwer vorauszusagen. Sie kann uur verwirren und den Talmud in einer verzerrten Gestalt der Weilt zeigen und somit falsche Vorstellungen Wer seinen Inhalt bewirken. Oder sollte dies der Zweck Mn? Dann hätten die, - welche gerade in der Jetztzeit ein Interesse an der Herausgabe einer solchen Uebersetzung haben, in Herrn Schlögl, der vermö-ge seiner Unkenntnis auf idem Gebiete d es Talmud mit dem 'besten WMen nichts anderes -als eine fehlerhafte Uebersetzung der Welt bieten kann, den richtigen Mantn gefunden. Lehrerelend. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war in der galizischen.Jndenheit das Schulwesen im wesentlichen Sinne nur rudimentär zu finden. Die großen wirtschaftlichen nnd kulturellen Schäden, die solchen Zuständen entsprangen, wurden auch von jüdischer Seilte mehrfach bedauernd aufgezeigt. Mer erst Baron« Hirsch, der über ein für damalige Begriffe ungeheures Vermögen. verfügte und von demselben zum besten armer Glaubensgenossen umsaßendsten Gebrauch nlachte, schuf auch hier enffchueideuden Wandel. Eine besondere Stiftung des Bavo-n Hirsch gab die Mittel, Lehrer nach Galizien zu entseNden, die der Heranwachsenden GhettojugeNd moderne Bildung und Kenntnisse beibringen sollten. Leider fand der schöne Gedauke des großzügigen Philantropen wenig Liebe und Dank. Die Schlachzizenpartei erblickte in den Hirsch- Schulen Bru-tstätten der Germanisierung, aber auch jene, denen die ResormschNle eine bessere Zutunst erschließen sollte, verhielten sich fast ausnahmslos ablchnerw und feindselig. Auch sie hatten — wenngleich aus anderen Gründen als die Nationalpolen — opponiert. Nur ein Bruchteil der Inden in Galizien bekannte sich freudig zur Hirsch-Schule, die ihre segensreichen Spuren langsam, ober -deutlich zeichnete'. Jede halbwegs nennenswerte ji'idische Gemeinde, die sich iricht offen dagegen auflchnte, bekam ihren Hirsch-Lehrer'. Vielleicht hätte die alles besiegende Zeit den weiteren Ausstieg, geschaffen, aber seit dem Jahre 1914, das in Galizien verheerend über das Schulwesen inr allgemeinen und über das inoderujüdifche besonders hinstürmte, war für die Pivn-iere des Baron Hirsch weder Schaffens noch Bleibens. Die Regierung der polnischen Republik hat diese Lehrer entwurzelt, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben/auderwärts Boden zu gewinnen. Es lvUrde vor einiger Zeit von uns mitgeteilt, daß djer Fonds der Hirsch-Schulstiftung in die Hände der polnischen Regierung geisallen ist und werrig Aussicht besteht, daß er in absehbarer Zeit Nach Reicht nnd Billigkeit verwendet werde. Die Lehrerfrage bildet unter solchen 11m-

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