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Die Wahrheit · 1922-03-09 · Heft 6 (9.3.1922) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 6 (9.3.1922)
Date
1922-03-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6 Die Wahrheit Seite 13 zu -der hübschen Bem-ertuilg, Ratheuau habe in Cannes „so segensreich gewerkt, daß gleichsam unrn.it telbair während seiner Rede Briaud gestürzt wurde und -au seine Stelle der größte Kriegshetzer und Deutschenhasser, Frankreichs Pomreare, trat". Objektiver ist schon die „Deutsche Ztg.", die erklärt: „Unter den in Deutschlairrd geborenerr Juden zählt er für rmrs fraglos zu den wertvolleren." W>n die Ernennung feilt trotzdem „eine unerhörte Herausforderung", denn sie bezeichne „den Beginneiner unumschränkten Hevrs6)aft der Kreise, die wir für die Todfeinde bewußten und aufrechten Deutschtums ainsehen müssen". Am objektivsten ist noch der auch deutfchnat-ionale „Ber- Ititer Lokakauzeiger"', der mit Recht sagt: „Es läßt sich, zumal nach den Erfahrungen -der letzten Zeit, -nicht bestreiten, daß Rathenau eiinen der wesentlichsten Aktivposten der jetzigen repn-Wkauiischen Regierung darftellt, zumal er auch im Ausland sich Vertrauen zu -erwerben verstauten hat." Wi!e stichhäMg diese letztere Behauptung ist, -beweisen die Stimmen in der Auslandspriess-e, von denen einige hier registriert seien. Das „Echo de Paris" sagt: „Die Ernennung bedeute eine Berti,esn-ug -und eine Borstärkn.ng der Politik, die das Ministerium Wirth seit dem Monat Mai 1921 verfolgt habe, dadurch, daß es de^Fmedensvertrag -in die Tat umzusetzen versuche. D i c f e P o l >i t ik h a b e n a ch u it -d n ach die Alliierte n d >a z u g e f ü h r t, ihre „Strenge" gegenüber Deutschland zu v er min-dler n und eine Politik einzuschlagen, die keine Sanktionen mehr nach sich ziehe." — Das „Petit Journal" erklärt, Dr. Rachenan habe im Verlaus der Verhandlungen i-N Wiesbaden guten Willen 'bewiesen. Gerade -deshalb hätten die Alldeutschen gegen -ihn sme - heftige Kampagne -eingeleltet. Die Ernennung Rathenaus sei -bedeutsam. Der Reichspräsident habe in einer schwierigen Lage ans ei-nerr -ersten Posten einen Mann mit geschäftlichen Erfahrungen und mit einen, Sinn für Realitäten berufen, um sich den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Augenblicks untierzuordnen. — Der Pa>riser „Temps" -begrüßt den neuen detltschen Außern mrniifter mit einem Lo-besartiköl, wie -ihn noch kein deutscher Staatsnlmm in der französischen Presse fand. Herbettr zitiert Rathenaus Schviften während -des Krieges, die von seltener Unabhängigkeit und Voraussicht zeugen, erinnert an seine Tätigkeit als Organisator der Rohstossbeschasfung und schreibt, daß Europa von ihm Großes erhoffen könne. — Besonders bemerkenswert ist eine Auslassung des „Daily Telegraph": „Während seiner Besuche in London und Paris habe Dr. Rathenau auf dir Staatsmänner der Alliierten einen sehr guten Eindruck gemacht. Rathenaus Rede in Cannes sei ein Meisterstück genauer Beweisführung und klarer Anordnung gewesen." Juden ausgeschlossen! Eine treffliche Illustration z-u dem Vevsöhnnnigsschwindel der ungarischen Regierun-g gegenüber den jüdischen Staatsbürgern, bietiet die sogenannte Reform des Oberhauses, in das nach einem Gesetzentwurf der Regierun-gsvertveter aller Konfessionen entsendet werden. Ausgenommen sind nur die Juden'. Daß die Herren Grafen Bethlen und Klebelsburg sich nicht vor der zivMsierten Welt schämen, solchen Humbug zu treiben. David Kohn s. A. Sonntag, den 5. d. M., hielt Seine Ehrtvurden Herr Rabbiner Salomon Frie d m a u n im Bethause ^der Herzlschen Stiftung, Baden, Waffe-rgasse Nr. 14, eine Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen Professor Maler David Kohn, ab. Rabbiner Friedman n als erster Redner hob die besonderen Tilgenden des Dahingeschiedenen hervor, in dem das Judentum Badens einen besonderen Förderer verliert. Ties ergriffen sprach dann Herr.Dr. Sanl. Deutsch im Namen der Stiftung, für welche Prof. 5k o h n auch Großes geleistet. Zum Schluffe sang Herr Oberkantor K r e n t ft e i u -mit klangvoller, ergreifender Stimme das „El -mole rachaminl". Dile Trauerfe-ier war sehr stark besucht, der gauz-e Vorstand der Kultusgemeinde, lvie auch der Chewva Kadischa, die Waiseukiirder des Aguda-Wa-iseuhauses init ihrem Direktor, und andere Korporationen waren anwesend. — Freunde des verftorben-en Pros. Dalvid Kohn un,d Freunde und Förderer der Talmud- Thora-Schule, welche die vornehmste Stätte der Mirksanikeit Prof. Dalvid Kahns war, haben beschlossen, zur Ehrung des Alldenkens von Prof. David Kohn iuid zugunsten der Talrnuid Thora-Schule einen Stilftungssonids zu schassen. -Speüden wenden in der Administration dieses Plattes und im Sekretariat der Talnlnd Thora-Schule, Wien, 2. Bez., Malzgasse 16, entgegengeuominen. Bisherige Sperliden: O. N. K. 10.000. Deutschösterreichisches Bundesamt für Statistik. Erst jetzt veröffentlicht das -obige Miuffterium eine Uebersicht über die -im Jahre 1920 vortzenommenen EhelÄsungen. Danach sind ein v erstand li che Scheidungen vorgesallen: von Inden 13, -von Mischehen 196, davon 122 in Wien; n i ch t e i u v e r ft ä n d t i ch e S che i d u n g e n von Juden 2, von Mischehen in Wien 2; Trennun- -g e n : jüdische Ehen 242, von Mischehen in Wien 16. Die Zunahme der Eh et Äsungen ist bei allen Glaubensbekenntnissen zu beobachten. In bezug aus den R e- >l i g i o n s w e ch-'s e l in Wien von 1914 bis 1920 werden die folgenden Zahlen mitgeteilt: Im Jahre 1914 gaib es Austritte aus chem Judentum 532 gegen 107 11-elbertritte zum Judentum; 1915 traten 512 Ms und 117 über; 1916: 485 gegen 106; 1917: 555 gegen 128; 1918: 774 gegen 183; 1919:1401 gegen 246; 1920 1200 gegen 332 Ueibertritte. Die Konsessionsloserklärungen werden von sämtlichen Religionsgemeinschaften summarisch angesührt, sie -betragen 1666 Fälle im Jahre 1920 gegen 617 im Jahre 1914. Es dürften darunter leider auchzahlreiche Juden sein; genau täßt sich deren Anzahl aus dem oben angeführten Gvurtde nicht seststellen. Max Rott. Nach langjähriigem -schweren Siechtum ist Max Rott am 4. d. M. gestorben. Mit chm ist ein trefft licher Mensch, ein Jude ini besten Sinne des Wortes hingeschieden. Daß er auch ein bedeutender Künstler war, unt-erschreiibt zwar die strenge Kritik nicht, aus dem Grunde, weil seine Leistungen nicht von den „weltbedeutenden Brettern" hinab, sondern -in eurem engeren Rahmen geboten wurden. Die vox populi der O essen tlichkeit aber, die ihm viele tausende froher Stunden verdankte, deren Liebling Max Rott wie nur irgend einer der Wiener Bühnengrößen war, hat ihn solchen gleichgestellt ntiib -ihre Sympathien auch in den schweren. Zeiten seines Leidens bewahrt, lvie aus den vielfachen reichen Spenden zur Linderung der Notlage beweiskräftig wurde Erst wenige Tage vor dem Tode des Künstlers lvuvden dem Chefredakteur der „Wahrheit" von Direktor Adolf Brett als Ergebnis einer Wo hltä tigkeitsvo r ste llnng kv 100.000.— übergeben. Die allgenreine Teilnahme au dem Schicksal des schwergeprüften Dulders äußerte sich auch ibei dem iurposauten Leichenbegängnis. Gemeinde- Rabbiuer Dr. Max G r u u wald hielt eirren tief ergreifendeil Nachruf, die kanto-rale Fim-ktivn versah Oberkarvtor F r ä n k l in gewohnt nleifterhafter Weise.

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