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Die Wahrheit · 1922-03-09 · Heft 6 (9.3.1922) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 6 (9.3.1922)
Date
1922-03-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6 Die Wahrheit Sette ll eine Erklärung erhofften, die »ltunmehr vvrliegt und mit 'der zu »befassen 'sich 'der Mühe lohnt. Vorerst seien die oben ermähnten Vorldürse der »w irtschastszioniftischeu Presse angeführt, mit -denen sich die lzionilstische Exekutive anseinandersetzt, während der Artikel des „Doar Hayom" merkwürdigerweise gar nicht berührt wird. Herr Jaodbus K n n n im H a a g hat ein- Interview veröffentlichen lassen, worin »er behauptet, die »zivnistische Qrgmnifation habe zu viel Beamte, es gäbe heute einen „Blu-sfaireb Beiamtenzivnismus ". Die französischen Wirtschäftszionisten haben in dem offiziellen Organ der französischzionistischen Föderation eine Erklärung veröffentlicht, in der dem Keren Hajesfod der Bovwilrf gemacht wird, daß er „feine Arbeit beginne mit der Einsetzung einer großen, hochbezahlten Beamtenschaft, die bestimmt ist, den größten Teil der ihr .anvertrausjen Gelder.Au abforibieren". Irr dem Leitartikel des gleichen Organs vom 3. Februar heißt es, „daß durch die monströse Eu-twirklung unseres Beamtenwesens das Ideal im Zionismus gur zügellosen Jagd nach skandalös lbezählten Posten 'geworden ist," »und außerdem, „daß das gesammelte Geld nicht verwendet werden darf irr sozialen Experimenten, in unerhörten Gehältern, in Subventionen »an eine Wählevknudschaft". Die Zeitschrift der belgischen Ziviristen protestiert dagegen, daß im Aktionskomitee „eine große Zahl von Entscheidungen getroffen werde durch Männer, die dorr der Bewegung abhängig sirrd". Wie vechält sich mm die zionistische Exekutive gegenüber allen diesen Vorwürfen? Zunächst 'gibt sie zu, daß sie es bisher vevmied'en hat, „auif diese Angriffe öffentlich zu antworten. Im Interesse des Ansehens der zionistischen Bewegung urrd iur Interesse der jüdischen Arbeit für Palästina kann jedoch reicht länger geduldet wdrdeu, daß nNivahre und verleumderische Behauptungen über die Tätigkeit der zionistischen Organisation nrrid ihre Finanzgeibarniig verbreitet werden". War das „Ansehen der zionistischen Bewegnllg" früher von geringerem Interesse, daß nran so lauge mit der Erklärung lvanen konnte, zumal die ersten Anwürlse vvm Ende 'des Vorjahres zurückdatier eu? 'Sodann wird nach Anführung aller »obiger Beschwerden den Oppositiouellerr das Recht der Opposition überhaupt abgesprochen, nachdem „die Beleidigungeil und Beschuldigmegen, die »ohne jede, fachliche Begründung (?) gegen die Beamtenschaft »gerichtet werden, h>auptfächlich von solchen Personen kommen, die seit 'vielen Jahren keinen Anteil an der Arbeit des Zionismus genommen haben". Zllm Bew»eis hiesür wird gemeldeit, daß die französische Förderatid.n der Zioreisterr im letzten Kongreßjahr nur 600 Schekel labgeführt haben. Daß die »Vorwürfe reicht nur von den französischen Zionisten Mlsgch-en, ,geniert die zionistische Exekutive wenig, ebeirso wenig geht es ihr nahe, daß sie mit der Anklage wegen geringer Anteilnahme an der Arbeit des. Zionismus im Zionismus ergraute Männer, »wie B r a -n d e i s, Dr. M a r m o r e k, ja sogar ihren ehedern verhimmelten Max Norda u, trifft. Schließlich wird »gegen »alle diese Anschuldigungen einfach protestiert, ohne besondere Gegenargumente anzulsühren. Es sei deren, »daß die zionistische Exekutive »als eire solches besonderes Gegenargument die Tatsache ansieht, daß die Narrren der Beamten und ihrer Gehälter in dem gedruckten Finanzbericht »an den 12. Zionistenkongreß »angeführt wurden. Dieser Kongreß sollte doch vorr den Herren Zionisten nicht ins Tressen geführt werden, er bedeutet eine Schmach für sie, und mit Recht behauptet Dr. MavrNorek, daß er »scholl im voraus are 'der Art, Wie »der Kongreß vorbereitet wurde, eHannt habe, „daß dieser Kongreß nur eine Parodie sei und daß die Stimme' der Opposition erstickt würde". Auch gegen diesen Vorwurf protestiert die zionistische Exekutive, indem sie ihn einfach als »unwahr erklärt. In dieser Art geht die famose „Erklärung" weiter, um schließlich, die Besprechung der Anwürse gegen den Keren Hajesfod zu sagen, daß »diese Gelder allsschkießlich für Palästina bestimmt und mtr für p a stä st i ll e n fische Zw ecke vevlvelldet werden. Palästinensische Zwecke ist ein sehr allgemeiner Begriff, heißt das auch, daß die Gelder zur Unterstützung privater Gesellschaften verwendet werden, welchen Vorwurf die Jahreskonserenz der zionistischen Organisation Hollands erhob (siehe die Notiz „Wirlschnstsziollismus" in unserer 'letzten Nummer)? Ans diese Unschuld iignng reagiert die Exekutive gar nicht, wie überhanpl die ,/Erklärung" auf viele Fragen keine Antworr erteilt, die ,,»m Interesse des Ansehens »der zionistischen Bewegung" »sehr llotwerrdig wäre. Kontra Ludendorff. Wir halben in unserer letzten Nummer berichtet, 'daß der „Reichsbnnd jüdischer Fvontsold»aten Deutschlands" itt der ersten Ausgabe seines Berbandsorgans „Der Schild" gegen die von Lndendorsf »im drittele Band seilles Tendenzwertes „Kri'egsührllieg mtb und Politik" gegen die patriotische Haltung der -deutschjüdischen Frontsoldaten erhobenen Vorwürfe feierlichst Protest eingelegt, sie alle entkräster und voll dem Herrn General rille diesbezügliche Richtigstellung verlangt hat. Eine solche ist bis henke nicht »erfolgt und so sieht sich der Reichsbnw) gezwungen, in Nummer 4 seiner Zeitschrift folgende Erklärung abzugeben: „Am 16. DezeaNber 1021 'haben wir an gleicher »Stelle Herrn Ge-nevail Lndendorsf die Unrichtigkeit der von ihnr »in seinem Buche „Kriegsi'chrmrg und Politik" gegen die -deutschen Juden im allgenleiuen und uns jüdische Frontsoldaten im besonderen erhobenen Vorwürfe vor>geh»alten und nachgöwiesen. Trotzdem hat Herr General Llldendorff es bis heute nicht für nötig gehalten, auch nur ein Wort der Richtigstellung in die Öessentkichkeit zu brmgen. Wir »stellen dccher fest, »daß Herr General Älvdendorff die Wahrheit kennt und sie nicht sagt und gefli s s »e ll t k i ch die Ehre a ll derer M »e n s ch e u m i t Füße il» tritt. Reichsbnnd jüd»ischer Frontsoldaten." So ist Ludendorsis 'vor »denr Fornnl »der öffentlichen Moral gerichtet, soll es auch vor dem gesetzlichen lverdell, »denn das Zentralkomitee der B'nei Brith-Loge »in Deiltschlalld hat gegen ihll» lvegen der von uns bereits registrierten Beschnlldigmlgen die Verleumdnngsklage eingebracht. Alls den Ausgang dieses Prozesses sind wir sehr neugierig. Adolf Strauß — echter Zionist. In einenl Briest ans Palästina au die „Morgenzeitnng" lvird der Bndapester Professor Adolf Strauß, der jetzt im Heiligen Lande weilt, der Oesfentlichkeit als »echter Zionist bezeichnet. Eine von der „M.-Ztg." gegebene Echtheitspnnze des Zioilismus kann folglich linr dahin verftmlden wevden, daß der Gezeichnete allwege gut jüdischnatioival »ist. Bei Adolf Strauß »darf dies füglich einigermaßen überraschen. Bor Jahresfrist toar er — toiie in der letzten Nllinmer berichtet — ein echter Nichtzionist. Damals »hatte er freilich Budapester Staub all den Sohlelr, jetzt »wallideit er durch den Jenlsalemer Kot oder ben Sand einer Wüstengegend. Es ist ganz erftalmlich, lvie das Mitiell ilnd die Lllftveränderlmg ans Neigungen lmd Ueberzenglmgen Einfluß haben. Oder sollten andere treibende Kräfte den Wandel bewirkt haben? Es heißt, der alte Herr sei beruseli, zwischen den Jliden ilnd Llraberic ein gutes Eilwiernehmeu herzustellen. Das lväre allerdings etwas, was die Mühe und Reisekosten lohnerl würde uind mit dem Gedanken des echten Zionismus versöhnen könnte.

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