Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 6 (9.3.1922)
- Date
- 1922-03-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte iö D i e Wahrheit Nr. g MMj Wahrheiten vom Tage MZ Ein Wandlungssähiger. „. . . In!der ganzen weiten Ku'ltarwelt ist iwch kaum ein Wiukelchen «oder Eckchen zu entdecken, das die Allhe-rrschaft der Jieligion abgeschüttelt hätte. Je mehr man sich in diese unwürdige Koni ö d i e vertieft, je. mehr inan sich den grotesken Gegensatz zwischen der Zeitbilduug und den positiven Religionen verdeutlicht, unr so schwerer wird es, mit Gleichmut darüber zu reden. Die religiöse Lüge darchdringt u n d d e m o r n fixier r u n s e r ganzes ö f s e n t l i ch e s u nd privates L e d e n. Der Staat lügt, wenn er Bittage anordnet, Priester anstellt, Kirchensürsten in sein Oberhaus berulft. Die Gemeinde lügt, wenn sie Kirchen baut. Der Richter -lügt, wenn -er Verurteilungen wegen Gotteslästerungen und Beleidigungen von Religionsgenofsenschasten ausspricht. Der -neuzeitlich gebildete Priester lügt, wenn «er sich dafür bezahlen läßt, das; er Handlungen vornimmt und Worte ausspricht, von denen er weiß, daß sie alberner Hokuspokus sind. , Der aufgeklärte Bürger lügt, wenn er für den Priester Verehrung affektiert, zum Abendmahl geht, sein Kind laufen läßt. Das Hereintragen der alten, zum Teil noch urwelt-- lichen Knktussirmen in nun re Zivilisation ist eine monströse Drtsache. Es klafft ein unüberbrückbarer Abgrund zwischen unserer Erkeunmis oder zwischen dem, was wir als Wahrheit empfinden, und den herkömmlichen Einrichtungen, unter denen wir zu 'leiben und zu wirken gezwungen find; und in diesem unerträglichen Zwiespalt verlieren wir alle Dasein ssreude und «alle Streibenstust..." Die h-ier zitierten 'Worte -sind dem seinerzeit mit größter Begeisterung ansgenommenen Buche „Konventionelle Lügen" von Max N v r d a u entnommen. Er ist derselbe, der von den Zionisten als eine Art Nationalheiliger verchrt ward und der wie jeder andere Staatsbürger das Recht der freien Meinungsäußerungen in Wort und Schrift genießt. Die ,,Konventionelle Lügen" waren ganz im Geschmack des vorigen Jahrhunderts der Aufklärung. Es ist aber nicht anzunehmen, daß der Jude Max 9tordau sein Mütchen nur >an den christlichen Religionen kühlen wollte, denn er spricht von der religiösen Lüge schlechtweg. Er spielte sich also als ein ffewui Voltaire vor der liberalen Welt auf. Aiochte er nur ilmmerhiul 516*01dmin durfte er nicht, Jahrzehnte nach einem solchen Bekenntnis, sich herüber einem palästinensischen Zeitnngssch-reiiben darod entrüsten, daß die Juden im Heiligeir Laude den Sabbat entweihen. Welches ist mm der „konventionelle" Nordan? Der von anno dazumal oder der im hohen Greisen alter? Der Prager Erzbischof über den Antisemitismus. Unser Schwesterblatt, die Prager „Wahrheit" brachte einen Artikel des dortigen Erzbischofs Dr. Franz K v r d a c, in dem er sich über das Problem des Antisemitismus unter anderein in folgender Wei.se ausläßt: „Was den Antisemitismus arrlangl, so muß miau vor allein den religiösen und ethnologischen Autisemitism-us von dein niateriellwirtschastlichen unterscheiden. Für ei»ien Christen und für jeden Menschen, der fähig ist, die Tatsache der Offenbarung des alten Bundes -im Schoße des Volkes Israel zn erkennen, ist es evident, daß ein religiöser Antisemitismus im Widerspruch zur Wahrheit der Öffenbarung steht. Der Antisemitismus, ethnologisch gefaßt, hat seine Wurzeln in der heidnischen Auffassung, welche jeden national Fremden als Feind erklärt. Davon waren selbst die gebildeten Römer und Griechen nicht frei. Es ist ein Abfall vom Christentum und eine Rückkehr znm Heidentum, wenn der Arier den Semiten deshalb, weil er Semit ist, hassen zu müssen glaubt, und von der Völkerverbrüderung ausschließt. Daher sehen wir auch die Tatsache, daß in den Kreisen des Unglaubens und des Hypernationalismus der Russenantisemitismus gepflegt wird. Etwas anderes ist es mit dem wirtschaftlichen Antisemitismus. Dieser bildet eine Reaktion gegen die wirtschaftliche Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital, und ist daher eine Notwehr, au welcher auch jener Teil der gläubigen Inden teiknehmen sollte, und vielleicht auch tsiln-immt, der an dieser Ansbeirritiig keinen Anteil hat ‘uinlb -dennoch leider mit seinen großmächtigen Koniniat,ion-allen 'identifiziert wird. Freilich muffelt auch bei diesem volkswirtschaftlichen Antisemitismus Schranken der Sitte und Rechtsordnung eingehalten werden." — Gegen den letzteren Punkt der Anschauungen Sr. Eminenz ließe sich ckinwenden, daß die Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital keine spezifisch jüdische Sache ist, daß vielleicht die großen Latifundienbesitzer manchem Juden etwas vorausgeben können. Der „wirtschaftliche Antisemitisnms" wurzelt auch weniger in der Arbeiterschaft als im Brotneid der christlichen gegen die jüdischen Unternehmer. Wie der Zionismus seine Leute nährt. „Doar Hayvm" ein Blatt, das es wissen muß, -veröffentlicht, selbstveriftändlich unter seiner Verantwortlichkeit, eine Lifte der riesigen Gehälter der zionistischen Fun-Wouäre in Palästina. Ussischkin erhält 150 Pfund Sterling monatlich nebst Wohnung und Spesen. Dr. Eider 80 Pfund Sterling und Spesen, Dr. Ruppin 100 Pfund Styling nebst Wohnung und Spesen. Ist es wahr, fragt „Doar Hayom", daß Prof. Pick 320 Pfd. St-e-rl. Gehalt und Ausga-ben zns-a-mmen (?) erhält? Ettin-ger erhält 80 Pfd. Steel, 'und hat noch ebensoviel Nebeneinlkvmmen.. Dr. Thon begnügt sich mit 80 Pfd. Sterl., natürlich außer Spesen. Levouiin erhält 200 Pfd. Stevl. außer -Spesen un,d dlnteil, der e-beuifa-lls 200 Pfd. Sterl. beträgt. Hnlfein 120 Pfund Sterling mit Nebeneinikommen von zumindest 80 Pfund -Sterling. Der Leiter der „Hadassa" erhält 140 Pfund Sterling nebst Spesen und Ermäßigungen. Das sind aber .nur, fährt „Doar Haymon" -fort, die Großen, dann kommen noch 50 kleinere Beamte. An einer anderen Stelle berichtet „Doar Hayvm", daß die h e b r ä i s ch e n L e h r e r s e i t v i e r M o n a t e n ik e i n Gehakt bekommen. Die zionistische Leitung hat weder Deckung für das Maxintalbudget von iy2 Millionen Pfd. Sterl., noch das Minimajlbndgck von 650.000 Pfd. Sterl. senden können, es si-nid » 350.000 Pfd. Sterl. eingelassen-. Warum, fragt „Doar Hayom", müssen ge r ad e die Lehrer kei-d en. Warum -soll nicht den Reichdotierten vorläufig weniger bezahlt werden, wnt die armen Lehrer zu bezahlen. Das Blatt rechnet aus, daß inan den großen Herren wni 1800 Pfd. Sterl. monatlich weniger geben könnte, ohne daß sie es fühlen. — Wir betonen nochmals, daß wir die obige Notiz nur unter vollkommener Verantlvortlichkeit des „Dvar Hayom" bringen, halben sogar mit ihrer Veröffentlichung etwas hintangehatten, trotzdem -uns -aus der Piiesse 'der „Wirtschaftszionisten", über deren in der letzten- Zeit wachsenden Macht in der vorigen Nummer berichtet wurde, verschiedene ähn» liche Vorwürfe geigen die zionistische Exekutive Vorlagen, die aber viel zu -allgemein gehalten waren, während „Doar Hayom" genaue Daten über die Gehälter her zionistischen Funktionäre — wohlgemerkt Nur der in Palästina — bringt. Der Grund unseres Znwartens ist darin zu suchen, daß wir von der Anständigkeit der zionistischen Exekutive QM QEQQiOSllli