Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 6 (9.3.1922)
- Date
- 1922-03-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 6 Die W a h r h ei i Geile A In kurzen Wecken fand er «dort des Inden stiste Treue, Und geangen hielt -sein Hevz der Jüdin treue Liebe. In Bangigkeit verwandelt sich bdlld der Zorn Hamans, Des bösen Macht vernichtet wird,- es konmrt das Rocht zum Siege. Ihm folgten viele Hainaus nach, des Rochtes ewige Fövnlde, Das Schicksal Hamans '[de, besiegt von Mordechai Hajehu-di. T x i e st. Ar-m-in Go! dberge r. Sagen jerusalemitischer Juden. Von Chajim Block). Wie man die Kothet Hamarabi entdeckt hat. Jnc Jahre 5278 nahm der türkische Sultan die Stadt Jerusalem ein und nahm in einem großen Hanse nächst der Kothel Hamarabi sein Quartier. Eines Tages sah er durch das Fenster, daß ome alte Frau einen Sack voll Mist brachte nnd ihn auf den Hügel neben seiner Wohnung warf. Der Sultan wurde des Zornes voll, daß sich das Weib -erdroistete, seine Wohnung zu verunreinigen. Er gab Befehl, das Weib vor ihn zu stellen. Sie kam und rechtsertigite sich also: „Ich stamme von den Römern und der Ort meines Wohnsitzes ist zwei Tage Weges von Jerusalem entfernt. Monat für Monat komme ich des ferne» Weges her, trage einen Sack mit Mist mit mir und schütte ihn auf den Hügel. Ich erfülle damit du Vermächtnis meiner Ahnen, der alten Römer, nach welchem jeder Jernsalemiter verpflichtet ist, täglich einen ^Sack Mist aus die Hügel zu 'bringen. Leute, die in den Vorstädten wohnen, zweimal in der Woche, und die fern dou Jerusalem Wohnenden, einmal monatlich. Denn hier erhob sich -einst -das Heiligtum des Gottes Israel und als. die Römer nicht vermocht hatten, den Tempel bis an den Grundsesten zu zerstören, so vermachten sie es ihren 5cknde.ru und Kindeskindern und so weiter, auf -die Rn-inen Mist zu werfen, daß jede Spur verschwinde." Darauf sprach der Sultan: „Nehmet die Frau in Hast, bis man sich erkundigt hat, ob die Angabe des Weibes wahr sei." Der Sultan -gab seinen Dienevn den Befehl: „Stehet von der Ferne und -ergreift jeden Menschen, der Mist auf die Hügel werfen wird." Als sich der Sultan von der Richtigkeit der Sache überzeugte, ließ er im gaitzen Lande. kundgeben: „Wer in meinen Augen Gnade und Gefallenfinden will, der komme her uit> sehe, was ich tun werde." Er nahm mehrere Benkel voll mit Gold und Silber-- münzen, ferner einen Korb und einen Besen nnd ging auf die Hügel. Dort verstreute er das Geld, daß die Leute es auflesen; aus Giier.nach dem Geld« räumten sie auch den Mist weg. Der Su-ltau -und seine Ratsherren schalnseliten den Mist in den Korb nnd das Volk tat dasselbe. Das > währte mehrere Wochen, bis endlich die Hügel ganz gereinigt und die Kothel Hamarabi zum Vorschein kam. Der Sultan ließ mm im Lande bekanntgeben, daß kein Mensch -mehr -wagen dürfe, den Ort zu verunreinigen, eir werde sonst zum Tode verurteilt. Er ließ die Inden zu sich kommen und redete ihnen zu, den Tempel zu erbauen, er werde das Geld für den Bau hergeben. Doch die Inden erwiderten und ein Strom von Tränen floß aus ihren Angen: „Uns ist es versagt, den Tempel zu bauien, bis nicht der Wille Gottes in Erfüllung gehe und das Heiligtnm durch das Wort Gottes sich erheben werde." Darauf baden die Inden den. Sultan um Erlaubnis, an den heiligen Ort zu treten, welche Bitte der Mächtige erfüllt hat. Warum der Pharisäer für das lange Leben des büsen Pascha betete. Einst herrschte in Jernsaleni ein sehr böser Pascha. Er ließ die Inden seine Macht gar strenge fühlen und sie flehten zu Gott, daß der Tod den Grausamen ereilen »löge. Nur ein hunÄertjähritzer Greis, Rabbi Eha-jim, „der fronrme Einfältige", -von der Gemeinde der Pharisäer, betete für -des Paschas Gesundheit und feig langes Leben. Während alle Indern ihn verfluchten und sehulichst seinen Tod erwarteten, sprach Rabbi Chajim nie ein schlechtes Wort gegen ihn, er ließ im Gegenteil nicht ab, zum Himmel zu flehen, daß ider Pascha -ein hohes Alter -erreichen möge und seine Jahre 'sollen die Zahl jener Meschnhsalah erreichen. Der Pascha wußte wohl, wie übel ihm -die Inden gesinnt -waren und er erfuhr Nach -durch seine Häscher von dem -greisen einfältigen Pharisäer Chajim, der für sein langes Leben «betete. Eines Tages stieg -der Pascha auf sein Roß und cktt zu Rabbi Chajim, denn er wollte aus seinem Munde hören, weshalb er für sein langes Leben betet. Rabbi Chajim, -der -wvhl für das Leben des Pascha betete, ihn aber sehr fürchtete, erschrak, als er ihn. vom Fenster aus -auf dem Roß dahersprengen 'sah. Als aber der Pascha vor der niedrigen Hütte Halt machte, da war Rabbi Chajim ganz fassungslos. Der Pascha ahnte gleich, daß der Alte Rabbi Chajim sei. Er begrüßte ihn freundlich und fragte: „Weißt «du, wer ich bin?" Rabbi Chajim erwiderte: , Ich erkenne am deinen Gewandern, daß du der Pascha -bist." Darauf der Pascha: „Wenn du von meinen Taten weißt, so staune ich umso mehr über das, was ich von dir gehört habe. Ich 'weiß, daß die Juden mir fluchen und meinen baldigen Tod ersehnen, du aber betest zu deinem Gott 'für nrein langes Leben. Warum tust du dies? Ich kann mich nicht entsinnen, dir je etwas Gutes getan zu haben, -gib Antwort auf -meine Frage, «du wirft es nicht bereuen." Rabbi Chajim faßte Mrt und sprach: ,Jch will es dir erzählen. Ich bin, wie du siehst, ein alter Manu und viele Jahre trage ich schon «die Bürde des Lebens. Ich erinnere mich noch wohl daran-, daß vor langer Zeit in Jerusalem ein Pascha 'herrschte, der so schlecht loar, daß alle jammerten, Gott ha-be uns die furchtbarste Plage geschickt, die ein Mensch tragen könnte. Wir alle baten Gott, daß er unseren Peiniger von uns nehme. Gott erhörte unser inbrünstiges Flehen, der Pascha starb. Wir -bekanien einen neuen Pascha zum Gebieter, der -noch viel schlechter war als der frühere. Wieder gab es überall Gebet«, Gott -möge den schrecklichen Mann von uns nehmen. Wieder erhörte der Himmel unsere Bitte, nahm auch diesen Pascha von uns. Er staub. Was nie-mand «für möglich gehalten hätte, geschah: ein neuer Pascha kam, der noch viel übler ist als seine Vorgänger, das bist du, mein Herr. Daher bet« ich nicht wie die anderen für deinen Tod, soudeirn flehe zu Gott, er möge dir langes Leben schenken, dem: was werden erst die Juden unter deinem Nachfolger 'leiden müssen." Der Pascha blieb ob dieser Antwort worUos, eiitfentte sich, wurde aber seit -diesem Tage den Inden ein gnädiger Herr. (Fortsetzung folgt.)