Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 6 (9.3.1922)
- Date
- 1922-03-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gerte 6 Die Wah rhekß Nr. 6 Leibeigenschaft bis zu Kaiser Josefs Zeiten. (1782) *), in Rußland sogar bis 1863 genossen. Sollte ev nie,etwas von denBÄ>rücknn>gen und Aussaugungen der „unteren"StiLnde, namrenEch der Bauern, durch den Adel erfahren haben, die zum „Bauern-Krieg" in Deutschland (1525) und zur französischen Revolution 'führten —, gar nicht zu gedenken der herrlichen Institution der Raubritter —, wobei bezüglich des ebsteren als besonders charakteristisches Detail nicht verschwiegen werden darf, daß der Verbreiter der Lehre von der christlichen Nächstenliebe, der Erzbischof von Mainz, nach dem Gemetzel von Pfeddersheim (24. Juni 1525) eigenhändig die fliehenden Bauern erbarmungslos niedermachte. Ihm würdig zur Seite steht der Markgraf Kasimir von Brandenburg-Ansbach, der fast gleichzeitig. — nach der Einnahme von Krtzingen — dort 57 Bürgern die Augen ausshechen ließ, weil sie es mit ddn Bauern gehalten und erklärt chatten, fie möchten den Markgrafen nicht mchr sehen! Und sind dem Herrn Universitätsprofessvr die Schrecken einer Baftille, eines Tower und des Spielbergs, namentlich aber auch des San ufficio in Rom (bis in die Neuzeit!) sowie die Bleikaiumern in VenMg, find Hm die furchtbaren Grausamkeiten der zivilisierten Europäer" an den überseeischen „Wilden" (Eingebornen), später an den eigenen StaMmesgenossen tatsächlich unbekannt? Währenddessen arbeitete das Mische Hirn unermüdlich an der Gründung von Handels- und Geld(BaNk)ge!schä!ften, vermittelte den Austausch der Waren und Rohprodukte auf die größten Entfernungen, wozu ihm auch die Kenntnis frenÄrer Sprachen schr zum Nutzen gereichte, und ries dann auf unserem Kontinent zumal auch die Schaffung von Industrien und Eisenbahnen hervor und hob die Wissenschaft, Kunst und namentlich auch die Publizistik. *) In Preußen wurde sie erst 1809,.In den vom Katholizismus durchtränkten Staaten Würtenderg und Baden sogar erst 1817 hzw. 1818 gesetzlich aufgehoben! lanrpe spielte verklärend auf dem schönen blassen Kinder- - antlitz, wie der Wiederschein des Herzensadels, der mir den Knaben so teuer machte. — Das namenlose Unglück der Blindheit durchs ganze Leiben zu tragen und noch dazu ausgeschlossen zu sein aus'dem Garten der Kindheit, wo auch dem blinden Kinde die Mumien des Lebens erblühen, wie traurig, wie unendlich traurig! — So sann ich vor mich hin. Da regte sich der Knabe und lispelte wie irr Traume; er machte wiederholt den Versuch, sich auszurichten, dann faltete er die Hände uulb sprach deutlich vernehmbar: „I r s g a d a l, wejiskadasch, s ch e m e rabbo!" wieder und immer wieder. Wie erwachend, erhob er das Haupt, legte es dann auf das Polster und schlief ruhig atmend ein. Der Arzt kam und sprach das Erlösungswort: „D a s Kind i st g e r e t t e t." Aber auch aus s e v n e m schwere n Ban n w a r e s e r l ö st. Zwanzig Jahre waren seit jenem Hauschano rabbo verflossen. Der Knabe von einst stand als Mann der Arbeit im Leiben und erwarb sich durch seine hohe Leistungsfähigkeit, seinen unermüdlichen Fleiß und seine strenge Ehrenhaftigkeit ein stilles Glück. In einem ländlichen Bezirk nennt er ein gartenumschlossenes Häuschen fern eigen, eine holde Frau waltet an seiner Seite, holde Kinder erblühen ihnen. Im Juftitute war Besuchstag. Viele Leute wollten mich sprechen. Zuletzt trat ein gebeugter Greis im dürf- Sicher geschahen unter dem Szepter Mevkurs — und geschehen noch — viele nicht zu entschuldigende Ueibergrisfe und Vergchen, und zwar auch arischerseits. Allein-, Warum soll der Jude, dessen Intelligenz unbestritten -ist, überdies noch m e h r Ethik als der Arier -ausüben? Während jedoch deni Betrug ausgewichen Werden kann, ist das arme Kind der viehischen Roheit seiner grausamen Eltern rettungslos ausgeliefert, Ebenso vergreist sich alles an dem ortsfremden schutzlosen Lchrfungen, «cdm Rekruten, der vergeblich sein Rocht sucht, usw. -Sollte der Herr Un-iversitätsprosessor jedoch 'finden, daiß es unmoralisch sei, d-ie schwächeren Geisteskräfte seines Gegenspielers zu mißbrauchen (was ja die notwendige Voraussetzung eines Betruges bildet), so stimmen wir Hm ausnahmsweise zu, möchten ihn aber anif jene Dodesverbrechen anftnerksam machen, die wir Arier dadurch begehen, daß wir die Vorliebe der Schwarzen und der Rothäute für Glasperlen und sonstigen Dand und für „Feuevwasser" in der getoissenlosesten Weise auAbönteten, um hiedurch Menschen und Gut zu erwerben. Ueberhaupt könnten wir unser Sündenregister schier ins Endlose verlängern; wir schließen für diesmal mit dem Hinweis Ms die sizilianische Vesper (30. März 1282), die Barcholomänsuacht (24. August 1572), den Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648,.die Vernichtung der Aedinger im OldeNbnrgffchen (27. Mai 1234), die -Greuel der Spanier ln den Niederlanden uNd in Amerika -ab, um zu beweisen, daß nicht vom Judentum die Gefahr droht, sondern nur von unserer eigenen Unmoral. — Eine Lektüre der Gerichtsverhandlungen wäre dem Herrn Universitätsprosefsor schr heilsam! In anderer Form, aiber ltm selben Sinne wettert in demselben Blättchen („Folge" 3 und 4) ein zweiter mit akademischem Grade Gezierter, namens - Karl Grünsky- Stilcktgavt, -unter dem Titel „Wehr und Waffen in unserem geistigen Kampfe". Da er sich glücklicherweise nur auf die tigsten Gewände, mit silberweißem Haar und Bart gramdnrchsnrchtem Angesicht ,an mich heran. Ich fragte ihn nach seinem Begehr. Da^ -er, tief ergriffen, nicht zu. sprechen vermochte, wollte ich Hm eine Gabe reichen. Der Mann aber wich erschrocken zurück und ries im wilden Schmerz: „Kennen Sie mich nicht? Ich bin der Ba-ter von . . . ." Und er nannte den Namen meines Schmerzenskindes. „C h o t o s s i! (Ich habe gesündigt!) schluchzte er und schlug sich au die eingesunkene Brust. „Ich habetotsein wollen, damit mein Kind in Glück und in F r e u d e n l e >b e n soll! Tausendmal hat es in mir geschrien: Geh' zu deinem blinden Kind! und tausendnral häb' ich Gottes Stimme zu schweigen gezwungen. Die halbe Welt Hab' ich in meinem Starrsinn durchwandert., n o - w o n o l (unstet und flüchtig) wie Kain, bis ich zufammengebwchen bin unter Gottes gewaltiger Hand. Todmüde Hab' ich mich geschlichen von Ort zu Ort bis (sicher, um noch einmal zu sehen Meinen Sohn, „beterem o m n s" (bevor ich sterbe). „Habt Ebbarmen, Herr, und führt mich zu ihm!" Ich tat's. Und nachdem ich meinen jungen Fr-eiund vorbereitet hatte, eilte ich von dannen. W e r durste a uch Zeuge sein, tv ie de r B at er n i eders an k vorsei nein Soh n, um s e in e Ver ze ihnn g zu erbitte n, w i e d e r So h n mit Liebes w orte n d e n V a t e r a n s e i n H e r z d r ü ck t e? — Mir erübrig! nur zu berichten, daß dieser Sohn- und die Seinen den Büßer hoch in Ehren hielten, bis zu seines Lebens letzter Stunde. . . . (Fortsetzung folgt.) , si ,