Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 6 (9.3.1922)
- Date
- 1922-03-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Die Wahrheit Nr. 6 „A g u -d a" gezeichnet, brachte. Darüber schweigt des Sängers Höflichkeit in der Dabo rstr,atze. Mart -darf den Ergebnissen in der gerichtlichen UtVersuchung der Affäre Bernstein mit igvotze.lt Erwachungen entgegensehen, das Urteil der anständigen jüldischell uird nichtjüdischen Welt über ibdn schmüHLichen Roheitsakt, über Argumentationen mit Faust uttd Ktmppck ist bereits gesprochen und inappellabel. Bon ungleich größerer Bedeutung uild Tragweite als diese UnteusuchuNg wäre jette, die a-ulf Antrag Noch cl iss es durch eine Sonderk-omtnission stattfinden soll, um zu erforschen, was es mit den Klagen der Araber gegen die Zionisten auf sich habe. Schon darin, datz der ganze Fmgenkotttplex mit der Fülle seither Schwierigkeiten durch die Lokalregierung tckcht bewältigt werden konnte, zeigt sich -deren Unzulänglichkeit, die eilte stärkere Hand und einen stärkeren Willen, als er bisher am Werke gewesen, harscht. Londoir soll und wird hosfeirtlich Or-dltmrg irr Palästina nrachen. Weizmann hat angeblich beit „Times" geschrieben, daß er diese Untersuchung begrüßt und wünscht. Wir zweiseln sehr «mt der Aufrichtigkeit dieses Weizmannschen Wunsches und Grußes. Er urrtd die Seinen weiden bei denr großen Reinemachen durch eine freie unabhängige Kommission wenig Freude erleben. Ob es daraufhin sofort oder später zu denr Ende mit Schrecken und Bankerott des politischen .Zionismus 'kommen wird, 'bleibe nnerörtert. Außer Frage jedoch ist die schwere Krise, in der der ganize nationale Zionismus liegt, u!nd bei KrisetHüständen mutz man sich inrnrer auf ein schlimmeres Ende .gefaßt machen. Werbet Momente« für unser Matt!!•—MMMMMMMM«—«———»WMM „Der jüdische Katz". lBoir ainem Arier.*) ' (Schluß.) Sollte der Herr Uu.iversitätsprosestor lvirklich tricht bedacht halben, daß der Großteil des Reichtums der südstaatlichen Pflanzer Nordamerikas sich unu ans dem unsäglichen Jammer der Neger, die bekanntlich doch auch Menschen sind, ansbaute — um durch die gräßlichsten Mißhandlungen zustande kam. Und daß manche Orte, hauptsächlich Liverpool, nur der scheußlichsten Gattung des Handels, jenent mit Menschen, ihren Aufschwung datiken? Ungezählte Folianten ließet: sich anstillen mit all den aus dem brutalsten Eigennutz geborenet: Grausainkeiten, tickt Daten, welche die Grausamkoit der Tiere weit übertrifft, lvobei das „.gefährliche". Judentum nicht tmr keine Hand im Spiele hatte, sondern zumeist beit leidenden Teil darstellt. Beschrättken wir tttts nur auf die allerwichtigsten Vorkommnisse und unter diese:: nur ans die christliche Periode, so begegnen wir einem hervorragenden Werke der Nächstenliebe im-Jahre 415 in Alexandrien, in dem es denr Bentühett des Bischofs C y r i l l u s dortselbst gelang, die seit Jahren ansässigen Inden, etwa 100.000, daraus zu vertreiben, wobei die Plünderung eu gros wohl die Haupttriebfeder (wie immer!) war. Es katn dann ztt furchtbaren Episoden in Spanien, Frankreich, Deutschland und zur Anstreibmtg aus Ettgland (1189 bis 1190), welche in ihrer Schrecklichkeit kaum eine Abwechslung, tmr eine Steigerung erfuhren, so 1209 und 1236 in Südftankreich anläßlich de-r Verfolgung der Albigenser (oder Waldenser), 1298 in M i t t e l d e n t s ch I a tt d (20. Llpril), wo in über 140 jüdischen Gemeinden, durch eilten sörtnlichen Kvenzzug, unter edttem gewissen Rindfleisch an 100.000 *) Name und Adresse sowie die einwcutdsre'c arischelAbfiamuimrg sind der Redaktion bekannt. MliiWjnilli! Feuilleton Bilder aus dem israelitischen Blinden- InsMute, Kohe Warte in Wien. Bon Direktor S. Heller. (3. Fortsetzung.) Nur am späten Abettd, wettn er sich unbeachtet glaubte, kauerte sich der Knabe wie ent wundes Reh in einett etcklegenen Winkel und lveitcke still uttd bitterlich. Eine Woche ttach der Abreise -des Vaters kam von ihn: an mich ein Brief, der in jüdischer Schrift zwei Zeilett ettHielt, die beiläufig lautetett: , Gott soll Ihnen -älles Gute lohnen, was Siie an mir getan, was Sie an »tneinem Kinde tun werden. Ich käste ment Kind viel tausendmal; seiet: Sie i h m ein V a t e r!" Das war die erste uttd letzte Nachricht, die vondem seltsamen Manne kant; alle Nachforschungen ttach ihm blieben erfolglos, er war versunken, wie ein Stein, der in einen tiefen >See gefallen ist. Ich las das Schreiben seintos Vaters dem Kltaben vor; er sprach wieder die Worte nach: „. ..ich k üfse m e in Kind viel t a u send m a -l!" uttd erbat sich -den Brief, beit er fortan immer bei sich trüg. Wenn die Lehrerin seinen Mitschülern Briese in Flachschrist ans der Heimat vorlas, trat -er jedesmal heran und sprach: „Lesen Sie auch mir diesen Brief non meinem Vater vor!" Aber der Zauber, der von diesem Briefe ausging, nahm von Mon-at zu Monat ab, erlosch endlich ganz und wich einer krankhaften Sehnsucht, welche die Wangen des Kindes bleichte, es unstet umhertvieb und oft genug den ttächtlichen Schlaf von seinen Lidern bannte. Einem Briefe n kl ch zufrage n, h a t t e er schon lange a:: s g -e g e b e n. W i e s o 111 c das ende n? So fragte ich mich, so unsere Knratoriu Frau Atttalie Benedikt. Wenn ich diesen teuret: Namen nettne, falte ich betend meitte Hätrde, blicke ich feuchten Auges empor zu jenen Höhen, in welchen das gläubige Gemüt das Reich des Friedens und der Seligkeit sucht. Dort empfängt sie, ivelche -die blinde:: Kinder so sehr geliebt, von ihnen G v o tzmutter genannt wurde, den Lohn der Etvi'gkeilten für Eines Mittags wurde die Edle vor: einen: alten Slowaken, der in oitter Schivinge das primitivste Kinderspielzeug znm Kaufe anbot, um ein Stück Brot gebeten; er habe seit gestern nichts verkauft -und nichts gegessen. Rasch führte die Gütige den armen Greis in die Küche, ließ ihm da eit: Mahl verabreichet:, füllte ihm die Tasche:: mit Wegzehrung und kaufte ihm feinet: ganzen Kram für die blinde:: Kinder zu guten Preisen ab. Ich bat mir eine Flöte für meinen Liebling aus, den ich vergebens im gattzen Hanfe suchte u::d endlich tief nicken im Garten einsam und traurig fand.