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Die Wahrheit · 1922-03-09 · Heft 6 (9.3.1922) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 6 (9.3.1922)
Date
1922-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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V Fernruf 48-816 MWeMerellen- REDAKTiQNtrAOHUHlSTBATlOH t Mir» 8.» Heinestraße 13 XXXVIII. Jahrgang Wien, 9. März 1922 Nummer 6 Jüdischnativnale Paroxismen. „Seine Herrlichkeit" Lord Northclisfe entstammt ukf)t bfetu öngRschein Schwertadel, >der mit Wilhelm den: Eroberer ms Land kam. Er wurde gleich vielen anderen seiner Verdienste halber geadelt. Er harte im Kriege seine Hand aus -bte Presse gelegt, wurde ohne Maßen "reich an Geld und Einfluß, beherrscht noch immer die öffentliche Meinung und sonach auch, die Regierung. Er brauchte mir zu Wanken und bekäme «inen. Ministersa-ntenil. Aber Lord Northclisfe ist lidber der Erste ur den „Dimes" als der Zweite im Kabinett Llopd George. Was dem eitlen seine Jacht, dem anderen sein Nennstall, ist dem Lord Northcliffe seine Zeitung. So geartet ist der Mann, der vor kurzem, wenn nicht im Auftrag, so doch über Anregung der Regierung eine Studienmch, Informationsreise nach Palästina unternahm. Sein Nus eilte ihm voraus und bewirkte, daß Mohammedaner, Christen und Juden ihm entgegenliefen. Juden aller Parteistellungen. Nun geht die Rode, Lord Northclisfe fei kein Freund der Juden, wenigstens nicht in jener bedingungslos geräuschvollen Manier, deren man sich befleißen muß, um von den Weiizmann-Blättern einen „Einser" in Kultur und Aufklärung zu erhalten. Für jene Sorte, hat der „Times"-Mann überhaupt nichts übrig und macht auch kein Hehl daraus. Ebensowenig lohnt er nnerbetene Aufmerksamkeiten mit der Scheidemünze: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!" Lord Northcliffe hat im Heiligen Lande manches gesehen, was ihn nicht gefreut hat, weil er es nicht schön fand, und er hat es den betreffenden Leuten freimütig aus den Kops zu gefugt. Unter anderem zerstörte er die Illusion, daß der englische Staatsbürger Palästina als den Nabel der Welt betrachte, neben dem nichts anderes Interesse haben könne. Scharf ins Zeug gingder vornehme Reihende mit dein poMiischen Zionismus und meinte in eurer Notabolnversamm'lung,, er glaube, daß das britische Publikum unvollkommen unterrichtet sei über die palästinensischen Empfindungen. .Zum Beispiel habe er hervorragende orthodoxe Juden aus aschkenasischen Kreisen empfangen, die ihre tiefe Unzusviedeiiheit mit den gegenwärtigen z i o n i ft ii) ch e n M e t h ode n, sowohl vom politischen als vom rMgiösen Standpunkte, ausgesprochen hätten. Dennoch scheine das britische Publikum zu glauben, daß jeder Jude in Palästina ohne weiteres auch d ur ch und durch Zi o n i st s e i! Bon den „Times" gingen diese nud ähnliche- Melduugen durch Reuters Büro an alle Welt, die sich hiefnr interessiert, und 'fanden ihren Weg in ein Wiener Mi-ttagsblM, das ganz nach amerikanischer Methode mit Schlagertitel und' schreiendem „Kopserl" arbeitet. So wurden von diesem Organ die Northclisfe-Grklävungen als „Bankerott des Zionismus" aus den Markt gebracht. Das war natürlich ein gefundenes Fressen für die „Wr. Morgenzeitung" und am folgenden Tage — zur Feier des Schabbes — wurde der Bankerott des Zionismus von ihr am Ehrenplatz des Leitartikels weitergegeben. Selbstverstäudlich unter Protest. Bon einem Bankerott könne und dürfe nicht die Rede sein, der schändliche Plan liege gar nickst in Northcliffes illbsicht, sondern wäre von den Agud'rften, von den Frommen, im Lande ausgeheckt. ‘ Diese verbäiwen sich mit Tod und Teufel, unl die Kreise des NadionaljNdentums zu zerstören. Die Glaubensfanatiker Israels sollen es gewesen sein, die den Papst Benedikt XV. für sich zu gewinnen verstanden, der englischen Regierung einen orthodoxen Floh ins Ohr fetzten und sich mit den Arabern zu einem Jndenpogrom vereinigten. Merk's Dr. Funder! Merk's Graf Reventlow! Was müssen diese Juden für gefährliche Menschen sein! Sie stecken einen Papst in die Tasche, wickeln Regierungen um den Finger und bringen mächtige Scheichs auf ihre Seite, sollte es da nicht um Ende auch mit deu „Weisen von Aon" seine Richtigkeit haben? Man wird gut daran tun, der Sache in der Schriftleitung der „Wr. M.-Ztg." nachzusorschen. Während der Moniteur der Wiener Jndischuationalen sich in unmöglichen Paroxismen gefiel, brachte der „Israelit" vom 23. v. M. die vom 17. datierte Schreckensdepesche aus Jerusalem: „Schändliche Hetze seitens des Zionismus gegen die von Agudas Jisroel zu Lord Northcliffe entsandte Deputation. Rabbiner B e r n st e i n, der Vorsitzende der aschkenasischen Gemeinde, der jener Delegation angehörte, ist ü b e r s a l l e n n n d m ö r d e r i s ch mißhandelt worden. Die Rabbiner S o n n e n f e l b rmd Diski u werden von zionistischen. Gewalttaten bedroht. Wir bitten in der Oesfentlichksit Protest zu erheben und alle Palästina- Zentralen zu verständigen. Agnda." Die Aufregung des Augenblicks hätte villeicht die Klarheit des Telegramms beeinträchtigt. Es wurde nämlich nicht -gesagt, wer Rabbiner Bernstein überfallen hat und welcherlei zionistische Gewalttaten dem Rabbiner Sonuenfeld und Diskin drohen. Aber schon das bisher bekannt Gewordene ist hinreichend zu zeigen, zu welcher Gemeinschädlichkeit zionistischje Paroxismen sich steigern können. Die „Wr. M.-Ztg." freilich will sich die ganze Angelegenheit sehr beguem machen, indem sie ziemlich verspätet in ihrer. Ausgabe vom 1. März alles schlankweg abstreitet und etwas gequält von einem Lokalberichterstatter der ,,N. Fr. Pr.", von in der Leopoldstadt erzeugten Reutermeldnugen und ähnlichem faselt, die Originalguelle des „Israelit" aber wohlweislich Verschweigt, und doch war es einzig dieses ernste, seiner Verantwortlichkeit: sich voll bewußte Blatt, das jenes Alarmtelegramm von dm?

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