Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5 (23.2.1922)
- Date
- 1922-02-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. S Die Wahrheit Seite 1A unsere ungarische Verfassung, welche unserer Konfestivn die vollständige Rechtsgleichheit zus i ch e r t. Das möge strikte dnrchgesührt werden. Alle sonstigen Programm- oder Memorandummacherei, ist Kinderei und Heuchelei. Das Programm eines jeden einzelnen Juden, ist das Wort: Rechtsgleichheit! Man kann keinen Frieden schließen unter herrschendem uumerus clausus, bei Hinausbugsierung von jüdischen Beamten, bei Zerstörung jüdischer Existenzen, bei zwangsweiser Ausweisung „von der . jüdischen Rasse angchörigen Ausländern", und bei Außerkraftsetzung des Gesetzparagraphen gegen die konfessionelle Aufreizung. Die Regierung möge nicht die naive Unschuld mimen, sie hat keine Memoranden nötig: sie kennt gut alle Gvavamen und weiß genau den Modus, wie diese gründlich zu behleben sind: Die Herstellung und Respektierung der' Rechtsgleichheit." Das ist eine genug deutliche Sprache, um den Gedanken an eine „Bethlensche Versöhnung" abzutun. Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Wien. Montag, den 20. Februar, d. I., fand unter reger Beteiligung im Zeremoniensaal, I., SeÄenstettengafse 4, die zweite ordentliche Generalversammlung des Rübb-inerverbandes in Wien statt. Der Obmann Dr. Gru nw a l d gedachte der im verflossenen Veveinsjahr dahingeschiedenen Verbandsmitgllieder. Auch Rabbinerverbanden des Auslandes, mit denen der hiesige in engen kollegialen Beziehungen steht, wurden -anläßlich des Hinsch-eidens einiger ihrer Mtglicder durch die Bevbandsleitung Beileidsbezeigungen übermittelt. Der Not der Zeit entsprechend, hat der Verband mit allem Nachdruck die wirtschaftlichen Jnteresien seiner Mitglieder in der Weife wahrgenommen, daß sie nicht zu Almosenempfangern herabgewürdigt wurden, der Aktion vielmehr der Charakter einer MUjjelstaitdshilse gewahrt blieb. . Um so lebhafter sei -es zu bedauern, daß einige Mitglieder der Generalversammlung unentschuldigt fern geblieben sind und dadurch dokumentiert haben, daß sie für diese. Intention kein Verständnis aufbringen, sondern ihre Teilnahme am Bevsinsieben auf den Mitgenuß der wirtschaftlichen Vorteile beschränken. Einen solchen Mangel an Standesbewußtsein beklage der Verband, dessen Wirken die Anerkennung aller jener auswärtigen Kollegen finde, deren Hilfsbereitschaft den Verband in die Lage versetzt, wie kaum eine zweite Vereinigung dieser Art vielen geistigen Arbeitern unserer Kreise in schwerer Zeit, ein Rettungsanker zu werden. Zu dieser Wirtschaftsgemeinschaft zählen in Wien allein 70 Parteien mit 220 Köpfen-. Auch Kollegen irr der Provnrz sowie jüdische Gelehrte. außerhalb des Verbandes wurden betM. Besonderer- Dank -gebührt dem Damsnkomitee des Wirtschastsansschustes. Der Verband hat aber auch Kollegen in ihrem Kampf um Recht und Ansehen beigestanden und die . Würde des Standes öffentlich zu schützen GÄegenh-eit wahrgenommen. Nach Entgegennahme dieses Täkigkeits- und des Kassenberichtes -wurden, dem bisherigen Vorstand das' Absolutorinm und Anerkennung' -erteilt, sodann neugewählt die Herren. Dr. Grunwald als Obmann und Dr. Bauer als Obmaunstellvertreter, Dr. Frankfurter und Abeles als Schriftführer, Bach und Sch w a r z .als Kassiere, Mandel, Rosen -m a n n und T a g l i ch t als Beiräte. Das -Amt der Revisoren übernahmen die Herren Dr. Feuchtwang und Funk. Mit großem Beifalle wird der Antrag , aus der Mitte der Versammlu-ng angenommen, gegen gewisie, jüngst an offizieller Stelle gegen den Verband und, als besten Vertreter, den Obmann erhobene Vorwürfe -energisch Protest zu erheben, dem Obmann die'besondere Anerkennung des Verbandes aüszusprechen und diese Erklärung in das Protokoll anfzunehmen. Mit -besonderer Genugtuung wird konstatiert, daß der Verband sich in der Oesfentlichkeit eine geachtete Stellung erworben hat und als Vertretung des räbbinischen Amtes iwtb Standes wiederholt von Außenstehenden in. Anspruch genommen wurde. Ebenso wurde dankend chervorgchoben, daß er über die lokalen Angelegenheiten hinaus auch zu den großen Fragen-, die das Judentum der Gegenwart bewegen, Stellung nimmt. Wirtschaftszionismus. Seit jeher gab es in der zionistischen Partei zwei Strömungen, die in ihren Fordwun- -gen stark auseinander gingen. Die eine ist die Partei der „Politiker", die Partei der Nationalzionisten, die andere die Partei der „Praktiker", denen der .Zionismus im wesentlichen eine PalLftinaausbaubewegun-g ohne nationale Forderungen im Galnth ist. U-eber die Kämpfe, die bis zum traurigen Siege der ersten Richtung Es den verschiedenen Kongressen geführt wurden, unterrichtet am -besten Adolf Böhms „Geschichte des Zionismus", der wohl selbst „Politiker" ist, dem man aber Objektivität gegenüber den „Praktikern" nicht absprechen kann. Heute scheint -es uns nun, als ob die letzteren doch nicht ganz vom Schauplatz der politischen Tätigkeit verschwunden sind, nachdem m letzter Zeit Kundmachungen ergingen, die alle in der Forderung eines Kongreßes der sogenannten Wirtschaftszioniften resultieren. Ein solcher wäre nur auf das herzlichste zu. begrüßen, wenn auch nicht zu verhehlen ist, daß -in diesem Falle ebenso wie auf dem Karlsbader Kongreß die Beschickung eine einseitige wäre? Den mächtigsten Rückhalt haben die „Praktiker" in Amerika, wo die gewaltige Branders-Gruppe im Gegensatz zu den Apolitischen" Zionisten steht, ein Gegensatz, welcher erst unlängst durch den separaten Empfang bei Balsour in Erscheinung trat. In Deutschland hat dieselbe Tendenz der Verein „B i n j an haarez" und selbst in den Niederlanden, in -deren Hauptstadt der „Keren Hajestod" seinen Sitz hat, beschloß die Jahreskonserenz der zionistischen Organisation folgende Resolution: „Die Jcchreskonferenz des Niederländischen Zionistenb-undes gibt ihrer Uebevzeugung .Ausdruck, daß die einzige Ausgabe der zionistischen Weltorganisation im Aufbau Palästinas -besteht, mit Ausschluß j e g l ich -e r Guluth-arbert. Die Konferenz spricht -sich dahin aus, daß zur Erreichung dieses Zieles eine Reorganisation der Weltorganisation notwendig ist in folgendem Sinne: a) Bildung -einer homogenen Leitung mit scharf umristenvr Verantwortlichkeit; d) Fachmännische Leitung -der Institutionen, welche die Aufbauarbeit zu vollziehen haben: c) Bildung einer besonderen Körperschaft zum Zwecke der Finanzkontrolle; 6) Umstellung der Palästina-Arbeit im Sinne radikaler Herabsetzung der unproduktiven z u g u n st e n d e r produktiven Ausgaben. Die Konferenz ruft alle gleichgesinnten Landes- und SonÄerverbände aus, um zusammen mit dem Niederländischen Zionistenbund die Verwirklichung -dieses Programms anzustveben, und beschließt, diese Resolution zur Kenntnis der Exekutive des MbieNkomitees und der obgenannten Verbände zu bringen." Des werteren wird das Verhalten des jüdischen Osztenburg, I abo t rnsky, in der Legionssrage aufs schärfste getadelt, ebenso eine Tatsache mit Mißbilligung registriert, die von der nationalzionistischen Preste so ziemlich totgeschwiegen wurde. Das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds hat nämlich der Paleftine Land Developpm'ent Company, einer Gesellschaft privaten Charakters, welche ihren Statuten gemäß Boden an Private vör-