Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5 (23.2.1922)
- Date
- 1922-02-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063949-3063954--11624-3079037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. s 4)ie Bahrheik reite II |Hff Wahrheiten vom Tage WZ! l Die andere Lesart. Professor Adolf Strauß widmere der Frage des Zionismus anläßlich des vorjährigen Karlsbader Kongresses in der „Neuen Freien Presse" einen Aufsatz, der sich nichts weniger als aufmunternd oder hossnungssrol) zur Emigration nach Palästina äußerte, vielmehr ans die großen Hindernisse und Schwierigkeiten verwies, >die den Einwandern ganz besonders das unlösbare arabische Problem bereiten müsse. Sehr überrascht hat es Mit, daß derselbe Professor Adolf Strauß, der allerdings mittlerweile durch den christlichen Kurs in Ungarn seine Budapester Profestur verlor, wieder in der „Neuen Freien Presse" einen begeisterten Artikel für den „Zug nach Palästina" von Stapel ließ. Wenn es damals eine kühle wissenschaftliche Abhandlung war, so ist es diesmal ein Gedicht. Und da man bekanntlich der poetischen Freiheit manches zu gute hatten muß, läßt sich mit Porfestor Strauß noch rechten, wenn er in seinen Busen greift und förmliche Hymnen hervorhott. Bor seinem Scheiden von der Budapdsteir Universität las man's eben anders. Und doch hat der begeisterte Sänger Zions inmitten seiner Ekstase einen nüchternen Augenblick, der ihn erklären läßt: „Die nach Zion Ziehenden wandern zu realer Arbeit ans -mit.realen Plänen." Dies gilt leider nur mit Einschränkung. Und darum ist hier der Dichter leider kein Seher. Die fremden Juden in Deutschland. Fabian Schach se^t sich in der „Allg. Ztg. des Judentums" sehr scharf und treffend mit Dr. Naumann, dem Erfinder des navionaldeutschen Judentums, auseinander, weil dieser mit den Antisemiten am selben Strang zieht und die Ostjuden als Fremd e,-für die Deutschland nichts übrig hat, abgeschafft sehen möchte. Ganz richtig vertritt Schach den Standpunkt, baß, wenn sich Naumann als Erzieher der Deutschen aufspielen will, so möge er dies bei jenen Deutschen versuchen, die in vollkommener Unkenntuis der Inden leben. Als Fremde im vollsten Sinne sind die Ostjuden, die früher Staatsangehörige der verbündeten Mittelmächte waren, in keinem Falle anzusprechen. (Bg!l. die Notiz „Unsere naGonaldeutschen Inden" m der vorletzten Nummer unseres Blattes.) Vom Wiener Stadtschulrat. Die Jüdischnationalen sind noch immer sehr aufgeregt oder markieren wenigstens Aufregung darüber, daß ihre Forderung nach einer Voll- und Ganzvertretung im Stadtschulrat nicht restlos erfüllt wurde. Was man den Juden gewährte, ist ein Inspektor für' den israelitischen Religionsunterricht, dasselbe, was die Katholiken und Protestanten erreicht haben. Man sollte nun glauben, das Prinzip der Gleichberechtigung hatte sich durchgernngen, aber ein richtiger Jüdischnaöionaler kann sich daran nicht genug lasten und diese Begehrlichkeit ist es, die ihm Feinde schafft. Der neue Papst. Als vor kurzem Benedikt XV. da^ Zeitliche segnete, brachten die Blätter aller Parteien würdigende Nachrufe. Die sieben Jahre sejines *pontiMalen Wirkens haben die richtige Distanz zur Beurteilung dieses Oberhauptes der katholischen Kirche gegeben/ Es war jedenfalls eine Persönlichkeit von bedeutendem Profil und Inhalt. Sein Nachfolger Pius XI., der seit wenigen Dagen aus. dem Stuhl Petri sitzt, gilt der Welt als unbeschvie benes Blatt, und die Oefsentlichkeit weiß sich bloß anekdo lisch mit ihm zu besasten. Im „Neuen'Wiener Journal" veröffentlichte Adalbert S t er n b er g anläßlich der Papstwahl einen Artikel, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Den Stuhl Petri bestiegen die verschiedensten Arten von Männern. Sehr interessant ist, daß auch ein getaufter Jude Papst war, dessen Vater Levi auf dem Judensriedhos in Rom begraben ist. Seinem Bruder gab er den Fnrstemitel. Die Nachkommen heißen Pierleoni und eine Tochter ihres.Hauses heiratete einen Habsburger. So kam frühzeitig Jndenblut in die Adern aller Herrschergeschlechter." Allzu stark dürste der Prozentsatz Mischen Blutes in den Adern der Habsburger kaum gewesen, denn wenn man sich an die Judenserndlichkeir einiger Angehöriger ihres Hauses erinnert, so muß man sich wirklich fragen: stWo ist da die Stimme des Blutes geblieben?" ^So war es auch mit den Päpsten, es gab wohl judenduldsame, gleichgültige, aber niemals judeniicoen.de Päpste. Bon manchen hingegen istes historisch feststehend, daß sie durch ihre Delegaten Autodafes und sonstiges „Jndenbrennen" veranlaßten. Das Zeitalter der Wifkläruug hat wohl diese mörderischen Flammen gedämpft, doch wußte noch Goethe von den barbarischen Judenhetzen unter den Angen des Heiligen Vaters zu erzählen. Der neueste Arierparagraph. Daß diese Ausgeburt deutschvölkischen Wahnsinns in den arischen Touvistenvercinen Platz gegriffen, daran hat man sich schon gewöhnt. Daß aber die Idiotie so weit geht, daß. auch die Schacht- Vereine sich rastenrein -machen wollen, das geht einem doch über die Hutschnur. Und doch wird dies durch eine Meldung der „Deutschen Zeitung" bestätigt, die zu.berichten weiß, daß neun Schachveveine in kleinen Städten' der Mark Brandenburg sich ans deutschvölkischer Grundlage zu einem Märkischen Schachbnnde zufammengescylosten haben. Zweck des Bundes ist in erster Linie die Bekämpfung des jüdischen Schachspiels. Vorsichtig sind die Herren, das muß man chnen lasten. Sie schließen aus ihrem Vereine nicht wie Dr. Walter Riehl die Semiten aus, respektive bekämpfen das semitische Schachspiel, sondern ganz einfach jüdische Schachspieler. Denn machten sie es wie Dr. Walter Riehl, dann wären sie um ihre Lebensexistenz gebracht, denn das Schach ist ja eine arabische, somit semitische, Erfindung, und sie könnten es nicht einmal wie der deutschvölkische Mann tun, der, als er hörte, daß die Araber Semiten seien, nur mehr römische Ziffern schrieb. So beschränken sie sich auf die Bekämpfurrg der jüdischen Schachspieler, wir glauben aber kaum, daß sich jüdische Schachkoryphäen, wie Laster, Rubmstein, Darrasch, es für notwendig finden werden, ihre lieberleaenhM über diese Herren zu zeigen. Northclrffe, der Rosche. Von einer Pvivatreiise, -die der- 'bekannte Zeitungsmagnat Lord Northolifse nach Jerusalem -unternommen hat, misten die ihm untertänigen „Times" zu melden, daß er sich zu den Arabern sehr ungncdig über die Inden Palästinas geäußert hat. So auch unter anderem: ,Er habe den Eindruck, daß die palästinensischen Zionisten sich ein bißchen zuviel vovstellen von dem Internste des englischen Publikums für den Zionismus," Er glaubt auch, daß die Einwanderung ungewünschter Elemente, wie Bolschewiken und anderer, teilweise die Ursache der Entzweiung mit den Arabern sei. (Der idlte Schwindel. > Die Araber waren 700.000 und die Juden bloß 70.000, trotzdem war früher Frieden. Die Juden mögen daraus achten, wen sie nach Palästina Hereinlasten. Sir Herbert Samuel, der seine Pappenheimer sehr gut kennt, hielt es für das beste, 'bei der Ankunft Lord Northcliffes plötzlich krank zu werden und damit jeder Begegnung mit diesem notorischen Rosche ausznweichen.