Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5 (23.2.1922)
- Date
- 1922-02-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Jibone hamiLdesch Wir Zion temälle akkor lüsz atz -am anzustimmen pflegte. Das Geleit. Rabbi Jehoschua von Belz erzählte: Als Rabbi Elimelech <cvns einer Stadt, die er besucht Hütte, heimreiste, gaben chm Me Chassidim eine lange Strecke das Geleite. Wie der Wagen außerhalb der Stadt kam, stieg Rabbi Elimelech »aus und ging unter die Menge. Die Chassidim staunten darob gar schr und.fragten: , Warum tut Ihr das? Hat es doch den Anschein, als ,gaben wir dem Wagen das Geleit?" Er antwortete: „Ich sah, daß ihr das Gebot des Güleitgöbens mit großer Hingäbe erfW-t und ich stieg aus, um mich eurer Gemeinschaft anzuschließen!" Am Berge Sinai. Einst sprach Rabbi Elimeilech: „Meine Seele entsinnt sich nicht nur an das Stehen am Berge Sinai — sie entsinnt sich sogar, wer neben chr stand." Demut. Einst begegnete der „Raw" einem Rabbiner, der zu 'den Misnagdim zahlte. Der Rabbiner erkundigte sich bei chm über ein Buch mit dem Titel „Noam Elimelech", dem er zum Zeichen der Schmähung hinter seinem Stuhlbeinen Platz zugewiesen hat, denn er hörte, daß der Verfasser zu den Jüngern 'des Magid «gehörte und wollte des „Raws" Meinung über den Verfasser wissen. „Ich will euch", antwortete der Raw, „das Wesen des Verfassers schildern: Läget Ihr ihn sÄbft hinter den Sitzstuhl, er würde schweigen und kein Wort dagegen sprechen, denn er ist gar sehr bescheiden und demütig." Tiefe Reue. Es war Brauch des Rabbi Elimelech, sich unter die Bäume des Waldes zu setzen und sich von den Ameisen stechen zu lassen, bis sein Körper so mager und blutarm ward, daß die Ameisen chn gar nicht mehr aurührten. Dann schrie er seiner SM« , zu: „Melech, Melech, du Arger siche, deiner Sünde wegen bist du nicht würdA, daß dich selbst die Ameisen fressen." Elijahu der Prophet. Der Lemberger Oberrabbiner Mordechaj Wolf Ettinger richtete, um ihn zu Hanseln, an Rabbi Elimeilech ein Schreiben des Inhalts: „Ihr rühmt euch, daß sich euch Elijahu offenbarte. Belchrt auch, ich bitte euch, mich, wie ich zu dieser Stufe gelangen könnte." Rabbi Elimelech erwiderte: „Ich Hab wohl nie behauptet, daß sich Glisahu mir -offenbarte. Wenn Ihr aber dieserhälb «anfragt, behaupte ich, daß dem uübÄeutendsteu meiner Jüngerschaft Elijahu sich entdeckt. Ihr aber, seid dazu nicht geschaffen, sucht nicht diesen gcheitmen Weg und bleWt bei eurer Lehre." Die klagenden Seelen. ~ In den Zeiten des Rabbi Elimelech hatte Rabbi Don Mordechaij die Rabbinerwürde in Letzajsk inne. Einmal sprach Rabbi Elimelech: „Rabbi Don Mordechaj, wollen wir ein wenig lustwandeln", und sie wandelten außerhalb der Stadt. Am Rande des Waldes entfernte sich Rabbi Elimelech ein wenig und verrichtete dort den heiligenDienst. Plötzlich vernahm Rabbi Don Mordechaj mehrere Stimmen 'und ein entsetzliches Jammern -aus^dem Walde. Er blirb aber auf feiner Stelle. Nach einer Weile kam Rabbi Elimelech und fragte: „Hast du was-gchört?" Ex erwiderte: > „Seit einer StulÄe höre ich unaufhörlich ein jämmerliches Wehklagen, ich weiß aber nicht, wie dem -sei." „Wisset", sprach Rabbi Elimelech, „es sind die Wehklagen der Seelen der Soldaten, die wehklagen, daß sie den SabbaH entweihen und andere Gebote Übertreten weiden müssen."!i * Die beiden Namen. - w' Es war Brauch der beiden Brüder, Rabbi Mefchulem Süssja und Rabbi Elimelechs, sich.mit ihren einsachenNamen anzuruisen. Rabbi Elimelech rief feinen Bruder: „Süssja, -Süssja!", denn diefer Namen hat den ZahIleUwert 314, gleich dem Werte „Schadai", dem göttlichen Namen in der Eigenischaft „Grund". Rabbi Süssja hingegen rief: „Melech, Melech!",. der Gottes Namen in der Eigenischaft „König". So' waren die Intelligenzen „Königreich" und „Grund" vereint. \ " Das grobe und das edle Zeug. Rabbi Mose von Kozienz erzählt: Als ich bei meinem Lehrer und Meister Rabbi Elimelech gewesen war, hörte ich, wie er sagte: „Ich bin gemeiner als jeglicher Mensch." „Meister", sprach ich, „Meister, ich nehme an, Ihr sprechet das aufrichtig. Nun, wie ist das möglich?" Er entgegnete: „Wenn man in ein grobes Zeug sticht, dann kann es nicht gar schr schaden, sticht man aber in eine dünne Sache, dann schadet der Stich umso cher. Wer Schweres mißt-äit, es rührt nicht so schr die Seele, anders der Zadik — ihm schadet die kleinste Sünde." Der Lieblingssohn. Rabbi Israel von Pikow erzählte: Zu meinem Vater, sein Andenken sei gesegnet, kam einmal eine Frau und weinte gar schr. Gr fragte sie: „Weshalb. weinst du?" Die Frau antwortete: „Ich weine, weil mir der Kopf schr weh tut." Sagte er zu -ihr:. „Wenn du weinst, wird dir der Kopf noch mehr wch tun!" Antwortete das Weib: „Wie soll ich nicht, weinen, es nahen die furchtbaren Tage und ich h-abe einen einzigem Sohn, Ephraim, und wer weiß, ob mein.. Sohn vor Gottes Gericht bestehen wird." Antwortete ihr mein Vater: „Ein Vater hat-Erbarmen mit seinem Kinde, überhaupt mit so einem teuren Kinde, und siche, es steht geschrieben: „Ist mir Ephraim doch ein Lieblingsso'hn, ein Kind der Freude, rede ich -gegen ihn, ich gedenke sein noch, erbarmen werde ich mich sein", spricht Gott. Und mein Vater sprach den Vers mit einer.wundersamen Melodie und honigsüßen Weise, sie ist bei den Ehüjsidi-m eingesiührt. Heidentum, Christentum, Judentum. Von Tr. Max G r u n w a l d. V, ii. Nur diesen Gang der Grundgedanken wollen wir hier beleuchten. Die Besonderheit der jüdischen Religion tritt schon in dem Problem zutage, von dem aus die ganze große Frage der Verschiedenheit der Weltanschauungen aufgeroM wirb: in der Thevdiizee. Der Zweifel an einer waltenden Allgüte ist so alt, wie das menschliche Denken. Er führt bei den einen zur Annahme einer Gottheit, -die viel zu erhaben fei, um sich um das Wohl und Wehe der -einzelnen Kreatur zu kümmern, das heißt zur Leugnung eines gütigen Gottes, bei.anderen zum Glaubenan zwei miteinander um die Weltherrschaft ringenden göttliche Mächte, Eine dritte Gemütsart nahm ihre Zuflucht zu Gottes AllwÄsheiilt, die auch das Leid uns zu einem .heile sendet, das wir mit unserem beschränken Menschen geiste uiM auf den ersten Blick zu erkennen