Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5 (23.2.1922)
- Date
- 1922-02-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Sette 4 Die 28 a Wie die Poli'ti-scheu und sozialen, werden sich dann auch die wirtfchaftlrchen Schwierigkeiten überwinden laffen. Nur müssen sich Männer finden, die um jeden Preis an diesen dringendsten Aufgaben der Gemeinde ernstlich mitzuarbeiiten gewillt sind. Sie gehören in das Programm einer . jüdischen Kulturpartei. „Der jüdische Laß". Won «einem Arier.*) Besicht überhaupt' -ein solcher? Oder spukt er Mr in den verschrobenen Köpfen einzelner — unter der selbstverständlichen Voraussetzung, erstens, daß mir „Arier" in ethischer Bezichung himmelhoch über der semitischen Rasse sichen, lmfo Zweitens in absichtlicher oder stumpfsinniger Ignorierung des wütenden Hasses der verschiedenen „arischen" BöKerschalsten untereinander? „Haß", dieses kurze Wirt: Ein uferloses Meer von Elend, Jammer und Schmutz — tmkß dasselbe immer wieder «aufgepeÄscht werden, von Individuen, die sich so .aufdringlich als wahre Christen geben und dem einzig Guten der christlichen Lehre, der sogenannten Nächstenliebe, so schamlos ins Gesicht schlagen?- So gründlich, daß hierauf sich ganz gute Existenzen gründen, sei es durch Aemter, durch fchriftstellevische Tätigkeit oder sonstige Stvebereien, ohne besondere Fähigkeiten besitzen zu müssen. Man sehe sich nur den Jahrhundert alten Haß der Franzosen gegen uns Deutsche, jene Miinierarbeit der Slawen gegen uns, gegen die Magyaren, ja, der Deutschen, der Slawen (namentlich im Süden) usw. gegeneinander an! SBetaf es da noch einer weiteren Auspeitschung der nie schlummernden > Bestialität? SeDstverstandlich unilör Heranziehung erlogener, mindestens «übertriebener, einseitig bshaichelter *) Name und Adresse sowie die einwandfre'e arische Abstammung sind der Redaktion bekannt. hrh eit Argumente. Wenn sich rohe, unwissende Elemente solcher. Waffen bedienen, um ihren Begierden zu fröhnen, so kann man es nur beklagen, daß sich die Bildung und das Billigkeitsgefühl immer noch nicht ans die «breiteren Schichten der Gesellschaft erstreckt haben; daß 'oi&er die Führer in diesem veiabscheuungswürdigsten aller ungleichen Kämpfe gerade den gebildeten Ständen angehören, wirft e-in grelles Licht auf unsere sogenannnte Bildung, die eben keine ist, sondern sich meist nur zusammensetzt aus einer Menge unproduktiven Wissens. Am traurigsten aber, wenn sich sogar «ein Universitäts- Professor soweit erniedrigt, in das widerliche „Hepp-Hepp"- Gekläffe — selbstverständlich auf Grund unzutreffender Voraussetzungen und unter unrichtigen Behauptungen — einzustimmen. Einer dahin gehörenden Auslassung begegnen wir in «einem der vielen von solchem journalistischen Unrat sich nährenden obskuren Blättchen, dem in Graz, Leipzig, München, Wien, Prag , (wie die etwas bombastische Aufschrift lautet) erscheinenden „Michel" (mit -dem Hakenkreuz!), und zwar unter dem vielversprechenden Titel: „D erjüd i f ch e H a ß", in „Folge" (Nr.) 2 am 8. „Hartung" (Jänner) a. c. Da ist es vor allem der einleitende Satz, den wir wohl unter die Lupe nehmen muffen, da er die Richtlinie für «das übrige Ge—schriebene bildet.. Der Verfasser, ein Herr Doktor Richard Huß, Uni«versitäts- ^profeffor, behauptet nämlich «kühn: „Seit man iü christlichen Kreffen endlich ziemlich allgemein zu fühlen begonnen hat, daß das Judentum beträchtlich (?) eine «durch die Geschichte erwiesene Gefahr bedeutet, ist darüber-schon viel gesprochen und geschrieben worden. Und doch, meine ich, sind sich die wenigsten darüber «im Klaren, worin diese Gefahr des Judentums eigentlich besteht. In der Raffe — einerseits im Raffenhasse der Juden gegenüber «allen uichtjüdischen Völkern, anderseits in der Raffenverschlechterung durch die Juden!" ... „es handelt sich um einen verftandesmäßigen Feuilleton Bilder aus dem israelitischen Blinden- Jnstitute, Kohe Warte in Wien. Bon Direktor S. Heller. (2. Fortsetzung.) Ein herrlicher Nachsommer mit sonnig durchfluteten Tagen und warmatmenden Nächten war gekommen und schmückte die Gartenbeete mit neuem Rosenflor, die Kastanienbaume mit neuen Blütenkerzen. Und in diese wundersame, miGlachelnde Abschiedsfeier der Natur fiel das ernste Haus chan o - R ab b o - F est und vereinigte die Zöglinge des Blinden-Jnstitutes am frühen Morgen zur Andacht im Beitsaale. Der Umzug hatte begonnen; in das geheimnisvolle Flüstern und Rauschen des L u l o w, den die Vorbeter und die ihm folgenden Männer schwangen, tönten die Silberstimmen der Glöcklein der heiligen Geräte an den Thorarollen, welche die alteren Knaben nmhertrugen. In die flehentlichen Gebete um Erlösung aus Erniärrigung zur V^enschenwürde, zür Herrlichkeit der Vorzeit, «aus Not und Leid zum Herzensfrieden und zur Lebensfreudigkeit rief der ergreifende, wie in Tränen zitternde Gesang der blinden Kinder: „H a u s ch a n o! O, hilf uns!" Da, mit einem Male stockte der Zug für eine Minute. In der Eingangstüre war eine hohe Mannesgestalt erschienen; unter seinem breiten, schwarzen Hute quoll reiches, blondes Haar, von seinem bleichen, ferngeschnittenen An-, gesicht fiel ein ergrauender, von Goldsträhnen .durchzogener Bart ans den langen, dürftigen Rock, an dem sich schm ein blinder Knab«e von seltener Schönheit .klammerte. Der Mann neigte sich ehrfurchtsvoll vor der heiligen Lade und drückte sich dann mit dem Kinde bescheiden in eure Ecke der letzten Bank. Der Gottesdienst war zu Ende und ich nahm wie seit Jahren an diesem Feste .gemeinsam mit den Zöglingen das1 Früh mal ein; den Fremden, der sich .als der Vater de^ neuen von uns erwarteten Zöglinge answies, lud ich mit seinem Kinde ein. Kaum hatte dieses seine Schate geleert, so entschlief es im Schoße seines Vaters. „Er ist noch sehr müde," sprach dieser, mitleidsvoll auf den kleinen Schläfer blickend. Und ehe ich die üblichen Fragen tun konnte, fuhr der Fremde unaufhaltsam fort: „Wir haben eine schlechte, lange Fahrt gchabt und sind erst nach Mitternacht in Wien angekommen. Ich bin hier fremd' uüd Hab' mich seitwärts von der Straße auf eine Bank unter' Bäumen hingesetzt. Das Kind ist bald eingeschlafen, ich aber Hab' kein Auge zugemacht, ich Hab' stundenlang zu den Sternen hingusgöschaut und «weit hineingedacht in die Zeiten, die waren, und in die Zeiten, die kommen werden, und «da ist mir gewesen, als ob von droben eiüe Stimine zu mir herunter ruft: „LauBiro!" („Fürchte dich nicht!") -21