Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5 (23.2.1922)
- Date
- 1922-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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aas V Ferrumf e> 42 216 WMeIÄeEn REDAICTION uADMlüSSTRATlOrt WieS 2., Heirustraß« 13 xxxvm. Jahrgang Wien, 23. Februar 1922 Nummer 5 Die Kultuswahlen. (Schluß.) „Seiin oder MchHM? 'Das ist jetzt die Frage/' vor der die KMusgemcknde stcht. Die Antwort kann nur lauten: „Wirtschaft! Hovatio." Da 'heißt es Passivin Attivposlen umw nudeln, alte Einnahmequellen methodischer ausbeuteu und neue erschließen, mit einenr Wort: Sanieren. Jede Sanierung muß mit der Ausscheidung von Kvankheitskeimen, mit der Amputation bösartiger Neubildungen, mit der Abschnürung zehrender Auswüchse beginnen. Erst dann kann der Organismus, von krankhaften Hemmungen befreit, ihm zugeführte Nahrung zu eigener Erneuerung und Krästiigung Umsetzen. Sonst dient alle neue Kräftezufuhr nur den schädlichen Wucherungen, die feine Säfte absorbieren und sein Lobenswert zersetzen. Der Aufruf für den Notstandsfonds der Gemeinde haR'dem MitleR) vor allem die beiden notleidenden Wohlfahrtsnnstalten vor Augen. Jedem Kenner der Verhältnisse 'ist es eiin Rätsel, weshalb das Spital, unter dessen Last allem schon 'die Gemeinde zusammenbrechen mich, nicht, wie andere Wiener Spitaler, . sich ein Sanatorium angliedert. Alle Bedingungen dafür sind vorhanden. Ein Gebot der Selbsterhaltiung ist es für die Gemeinde, dieses Problem unverzüglich zu lösen. Für die Versorgung der mittellosen Patienten ist die Beihilfe der Vereinstätigkeit heranznzichon, die sich ja schon heute mit Erfolg bewährt. Das Versorgungs- und Siechenhaus arbeitet vorbildlich. Auch hier könnte man durch private Bemühung eine dauernde finanzielle Grundlage schaffen. Marl braucht nur nach dem Augenschein zu urteilen, den die Besichtigung der beiden Anstalten bietet, und nach den Auskünften, die man aus dem Munde der Insassen erhält, und man wird die Leistungen für ihre. Aufgabe begeisterter Privater schätzen lernen. Doch nicht nur au die private Opferivilligkeit allein braucht man zu appellieren. Auch durch Verteilung von Ehrenämtern, außerhalb der gegenwärtig alloin als solche verwalteten Vorsteherposten, ließe sich >viel Gutes stiften. Das Gedeihen der Gemeinden früherer Zeiten erklärt sich zu nicht geringem Teil, aus Äer großen Anzahl der Ehewraus, in denen Aemter und Würden zu vergeben waren. So sollte, besonders das Steuerwesen der Genieinde dieses Prinzip ausnutzen. Man ernenne Vertrauensmänner für die.Steue'remschätzung, von denen jedem eine - Straße oder auch nur ein paar Häuser seines Bezirkes zugewiesen werden. Sie hätten nicht als Spitzel zu fungieren, sondern durch persönliche Fühlungnahme mit den Parteien ihnen aus Herz zu. legen, welche jüdisch-patriotische und humanitäre Leistung die Kultnsfteuer darstellt, von ihnen begründete Beschwerden entgegenzunehmen und so das Band zwischen Gemeinde und Mitglied enger zu knüpfen. Das gleiche Verfahren ließe sich in den Bethäusern der Gemeinde befolgen. Vor Jahren gab es hier das Institut der Tempelkoinmissäre. Sie hatten für die Aufrechterhaltung der Ordnung beim Gottesdienst zu sorgen. Man braucht nur in unsere Vereiustempel einen Blick zu werfen, um die Vorteile #it ermessen, die durch 'die Mitwirkuarg, wenn schon nicht der Vorsteher, so doch solcher Vertrauensmänner der Gemeinde bei allen Tempelfunktionen sich erzielen ließen. In erster Reihe wird auch dadurch/der Kreis jener erweitert, die an dem Gedeihen der Gemeinde persönlichen und aktiven Anteil nehmen. Käme hiezu noch eine Belebung des Gottesdienstes durch Abwechslung in den Melodien, deren ewig gleicher Singsang zum Schlem dviau auszuarten Gefahr läuft, so könnte selbst den Zahl reichen, die ihre religiöse Betätigung auf den Tempelbesuch beschränken, der Gottesdienst Werte bieten, deren er jetzt ermangelt. Ganz besonders wäre dieses Moment fiir den Gottesdienst am Sabbat-Vormittag zu erwägen. Während man unter den gegebenen Verhältnissen meist in Verlegenheit ist, wen Man zur Tora ausrufeu soll, würden bei einem bißchen Entgegenkommen in der angedeutehen Züchtung ein regerer Tempelbesuch und naturgemäß reichere Spenden die Folge sein. Wie bei der Sanierung des Spitales ist auch bei der Gemeindebibliothek an das Beispiel anderer ähnlicher Wiener Anstalten zu erinnern. Dem „Verein der Freunde der NationalbihlioHek" entsprechend, wäre ein „Verein der Freunde der Gemeivndebibliothek" ins Leben zu rufen. Die Bibliothek könnte daun auf eine breitere Grundlage gestellt werden. Wie das „Jüdische Misenm" würide sie sich selbst erhalten können. Auch an eine Entlastung durch die kostbare, aber so gut wie unbenutzte Bibliothek der theologischen Lehranstalt ließe sich denken. In dem Berwaltungsapparat der Knltnsgemeirchr lassen sich Kräfte, die jetzt teilweise brachliegen, in andere Aemter umschalten oder aber zu allseitiger Befriedigung in neu zu . schaffenden Betrieben beschäftigen. So wäre die Idee einer im Zusammen hange mit der Knltusg eurem,de oder dem Verbände der Angestellten stehenden Buchhandlung verMieren, die zunächst den Bedarf an Schulbüchern fftr den Religionsunterricht zu decken hätte. Ein besonders Kapitel bilden die mannigfachen Unterstützungen, die Stadt und Kommune der Kultusgemeindie leisten könnten.. Die Einsichtnahme in die Steuerlasten müßte zu erwirken sein, ebenso die Ausdehmmg -der Kongrua auf die jüdischen Seelsorger. Ein regeres Gemeindeleben bleibt aber das wichtigste Ziel, das mit allen Mitteln zu erstreben ist. „Es ist kein j Geld bn!" Dieser Jammerruf wird verstummen, wenn Menschen da sind, Menschen, die Mitwirken wollen, di? j Kultnsgemeinde zu erhalten.