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Die Wahrheit · 1922-02-09 · Heft 4 (9.2.1922) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 4 (9.2.1922)
Date
1922-02-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4 Die Wahrheit Seite 15 Makel des Judentums rcknznwaschen. Daß Chambevlarn den Heiland zu einem rassenreinen Arier machte, ist bekannt, ebenso bekannt, daß <sr sich mit dieser „Theorie" nach d?n neuesten Forschungsergebniffen unsterblich blamierte. Geht es nicht so, so probieren wir's anders. Und diese Probe unternahm der Gelehrte Jung/ der Jesus zum illegitimen Kinde eines römischen Hauptmannes machte, welcher Maria in ihrem Unglücke verließ. Diese heiratete dann den Juden Josef. Jesus aber ist und bleibt das Kind eines Nichtjuden. Dieses neueste Ammenmärchen wurde in der „Morgenzeitung" wiedorgegeben. Darauf explodierte man in der Redakdionsstube der „Reichspost", denn durch diese Version wird die Heiligkeit Jesus untergraben. Ist er doch ihr Messias, das „Reis vom'Stamme Davids" und es ist kaum anzunchmen, daß der römische Lüstling in direkter Linie von dem großen Säuger abftammt. Wir sind ausnahmsweise — wenn auch aus anderen Gründen — der Ansicht der „Reichspost", daß es sich hier um eine Erfindung „gewisser völkischer Radikalinskis" handelt, die mit aller Gewalt Jesus „rassenrein" Machen wollen. Aber diesen vöMschen Radikalinskis wollen wir etwas zu erwägen geben, woraus sie im Drange der Geschäfte anscheinend vergessen haben. Der Jude Joses, also ein Angehöriger einer Raste, der bekanntlich jedes tiefere Empfinden abgcht, erbarmt sich der hilflosen Maria, die von ein ent Arier, also einem Angehörigen einer Raste, die ohne Fehl und Tadel ist, vergewaltigt und dann verlasten wurde. Welcher Gegensatz! Hier der sittlich emp» findende Jude, da der arische Lüstling. Herr Jung, Sie haben Ihrer Sache mehr geschadet als genützt. Die Brünner Kultusgemeindewahlen. Mit hohem hellen Klang stimmen die Jüdischnationalen Brünns in ihrem Organ ein Siegeslied an. Acht Mann hoch ziehen sie in die Gemeindestube; wie sie es „erwartet haben". Eigentlich hatten sie rwch mehr erwartet, denn Bescheidenheit zahlt nicht zu den Tugenden dieser Herren. Sie erklären deshalb auch freimütig, ans den Erfolg stolz zu fein, wobei es nicht ganz klar ist, wie man auf etwas Erwartetes stolz sein kann. Allerdings, die Sieger hätten ja die Majorität erringen oder den Gegner ganz vernichten können, wenn dief'er sich nicht znm Kampfe gestellt hätte. Indes, aufgeschMen ist nicht aufgehoben. Dieser Trost tönt aus der Brünner Jubelhymne deutlich hervor. Es wäre nicht jüdischnationale Art, wenn sich dem Triumph über das Errungene nicht Beschimpfungen der Majoritätswähler beiaesellten, die so verblendet waren, nach eigener lieber-- zengung gestimmt zu haben. Bon teuflischem Plan und ,.Wölfen üm Schafspelz" wird gesprochen. Das find so Kostproben dessen, was die gewählten Jüdischnationalen ihren andersgesinnten Kollegen in der Gemeindöstube bieten werden. Noch vor ihrem Einzug lasten sie die Kampfansage ergehen. Etwas anderes ist es ja nicht, wenn sie versprechen, als Opposition ihrem Programm entsprechend zu arbeiten. Es liegt hier ein Widerspruch in sich vor. Opposition, beziehungsweise Krawall machen, schließt jede Arbeit, das heißt produktive Arbeit aus. Mit dem erforderlichen bösen Willen konnte es den acht Mann gelingen, die Arbeit der Mehrheit zu sabotieren. Die Folgen werden ' die Gemeind emitAied er verspüren und verspätete Borwürfe sich die Wählerschaft >der acht Kampfhähne machen können. Daß die Anwesenheit jüdischnationaler Ku>ltusvorstände nicht unbedingt zu Differenzen sichren mutz haben wir in Prag beobachtet. Die Entwurzelten. Nach einem statistischen Bericht aus Budapest sind im Jahre 1920 45 Reformierte zum Judentum übergetreten. Unter diesen Reformierten darf mm keine evangelischen Geburtschriften versuchen, sondern Leute, die während der blutigsten ungarischen Schreckensherrschaft die Flucht ans dem Judentum zum Taufbecken ergriffen haben, von dem sie glaubten, daß es ihnen die Sicherheit des Lebens und des Eigentums verbürgen werde. Nachdem sie in diesen Erwartungen getäuscht wurden und der neuere Kurs den Juden wieder Schonzeit bringt, haben sie zum alten Glauben heimgefunden. An dem trockenen Bericht über diese Religionsjongleure knüpft ein Kirchenblatt die ebenso schneidende als treffliche Glosse, daß das Judentum durch diese „Heimkehrer" nicht viel gewonnen habe. Sie seien immer sprungbereit und tragen in das charakterlose Judentum Panik. Diese vielvevdiente Züchtigung der entwurzelten Angsttäuflinge ist zu billigen. Sie verkcmfen mehr als ihre Erstgeburt für ein Linsengericht, das ihnen nicht einmal sicher ist. Sie machen sich zum Gespött ihrer christlichen Glanbensgenosten auf Kündigung und begegnen der verdienten Mißachtung des Judentums, das auf solche Wiederbekenner durchaus keine Ursache hat, stolz zu sein. Die Jerizza und — die Kultusgememds. Wir erhalten folgernde Zuschrift: Welch eine Zusammenstellung! Etwa ein Gastspiel der Primadonna in unseren Tempeln, während unsere Tempelnachtigallen lauf Kunstreisen im Ausland weilen, womit keineswegs gesagt sein -soll, daß nur Raben, Spatzen und Krähen hier zurückgeblieben sind. Ach nein. Es könnte auch die Kurz genannt sein. Nur ein Beispiel zur „Davnachachtung". Wie, wenn wir auch unsere Stars nur für die paar Herbstfeiertage, an denen sie „auftreten", als „Gäste" verpflichteten? Man brauchte dann ihren Winter- und Fvuhjahrsurlaub mit anschließenden Sommerferien nicht mit einem fixen Jahres gehalt nebst anderen Emolumenten zu quittieren. Als Dollarrentuer könnten sie während der Tonrneepausen in dem billigen Wien behaglich ihre Zinsen vevzehren und gelegentlich der Gemeinde — gegen erstklassiges Ehrenhonorar natürlich! — gefällig sein. Sie würden Dank ernten, anstatt als Luxus das Budget zu belasten. Die Gemeinde aber, -die, wie es heißt, nicht an Ueberfluß leidet, würde so im Beutel schwerer, im Gewissen leichter vor den Wählern stehen. Denn siehe, er naht, der Tag des Gerichtes .... Ein Kunstfreund. Ruhe in Prag. Gemeint ist die Prager Kahalstube, die trotz der bunten Zusammensetzung ihrer Repräsentanten die wichtigsten laufenden Angelegenheiten prompt erledigt, kt erfreulichem Gegensatz zu den Befürchtungen, daß sich die verschiedenen grundsätzlich widerstrebenden Parteien nicht unter einen Hut bringen lassen werden. Man ist nur angenehm überrascht, daß jetzt alles so befriedigend klappt und hofft deshalb, daß sich sogar das schwierigste, das Finanzproblem, durch ein einträchtiges Zusammenarbeiten lösen lassen werde. Ein schönes Beispiel und eine ernste Mahnung für die leider noch immer schwer kämpfende Wiener jüdische Repräsentanz. Interkonfessionelle Menschenliebe. Nach einer Mitteilung der „Chicago Tribüne" aus Chicago haben 200 hervorragende Inden der Bereinigten Staaten beschlossen, ein Hilfswerk zur Bekämpfung des Hungers in Europa ins Leben zu rufen mrd -dafür 14 Millionen Dollar zn stiften. Es soll dieses Hilfswerk zusammenarbeiten mit dem amvrii-- kanifchen Ernährungshilfswerk und der „Gesellschaft der Freunde" (Quaker). Mrs dieser schlichten und schmucklosen Meldung ersieht man, daß die wahre Religion der Nächstenliebe an kein Glaubensbekenntnis geknüpft ist und daß auch in diesem Falle die Inden jeden Rekord halten.

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