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Die Wahrheit · 1922-02-09 · Heft 4 (9.2.1922) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 4 (9.2.1922)
Date
1922-02-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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„und eine Terebinthe wuchs bei idem Orte Tabor", gleich-salls ein Terebinthenhain. „Niemand vermag über das Erbe Israels genauer und richtiger zu urteilen als derjenige, welcher die Ueppigkeit und Fruchtbarkeit von G i l e a d, wie auch das Stein- und Erzgebiet Judäas mit den reichsten Bodenschätzen geschen hat", sagte ein englischer Kenner Palästinas. Sämtliche römische, jüdische und christliche Schriftsteller bestätigen immer die Fruchtbarkeit des Landes Kanaan. Maler David Kohn gesegneten Andenkens. Von Wolf Rapaport—Przemyfl. Nun bist auch Du gegangen, Du reiner, Mer Mensch, fort, mit Deinem stillen Reichtum! — Ein treuer Sohn feines Volkes und seiner Religion, hat er die, Vorzüge der beiden großen Völker der Menschheit, der Völker der Begeisterung — und deshalb der Ewigkeit — in sich ausgegenommen und in harmonischen Einklang gebracht und in Einigkeit verschmolzen. Sein Auge war offen für den Sonnenglanz der Schönheit und wahren Kunst, sein Herz dem Glauben der Väter zuglckchrt, als echtes Kind des Gottesvolkcs, des Volkes der Propheten. Sein Volk, das Volk der Heiligen, der Sittlich-Verklärten, das-griechische Volk, das Volk der Schönheit und Menschheitskunst. Die Geistererrungenschaften beider hatte er in sich ausgenommen,; Hellas und Judäa, die scheinbaren Antipoden der Geschichte synthesiert. Unsere Orthodoxie war stets von einem Vorurteile befangen und der Ansicht, daß der Geist des Judentums sich mit der ästhetischen Kultur nicht vereinbaren lasse, ja, daß sogar Kunst und Schönheit gegen das'Prinzip der Thora seien. Aber ausdrücklich finden wir in der Schrift eine gewichtige Stelle, die uns 'gerade das Gegenteil beweist. Japhta Elohim lajephet — wajischkon b6oh6le schein. Wozu der Kommentar im Sinne der Tradition bemerkt. Mäjäphiphijato schel jephet beohele schein. - Von der Schönheit des Jephet, des Griechentums, sollst Du in die Zelte Sems in die Wohnungen Israels bringen. Die Ideale des Volkes, des Buches, des sittlichen Ideales mit den Idealen dies Volkes der Schönheit und der Raumverklärung sollst Du in Einklang bringen. Es klingt etwas paradox und es ist doch pure Tatsache, unser verklärter Verblichener war nicht bloß ein Anhänger der jüdischen Religion im gewohnten Sinne des Wortes, er war ein echter thoratrener Jirde, der neben seinem künstlerischen Berufe sein restliches Leben der ehernen jüdischen Pflichte-rftillung widmete. Er behütete die Gesetze Israels bis in ihre peinlichsten Details, stand ganz auf dem. Standpunkt der Po st im und des Schulchan Aruch und hat er nie die Uebung auch nur einer der mindesten Vorschriften der Achronim unterlassen. Der Geistesarbeit der Thora widmete er vikle schöne Stunden der Gmillos chassadim, seine Lebenskraft und mit seiner ganzen echten Mischen Seele und mit seinem ganzen Herzen übte er die Wohltätigkeit. Bis dieses Herz brach — das Herz eines thovatreuen Jitden. 0 Still und lautlos ist er seinen Weg gegangen, den Weg der Thoratrene, mitten in dieser überlauten Zeit, und mitten in unserer sinnlos lärmenden Judenw-elt. Still und lautlos ist er von hinnen gegangen. Ganz leise hat sich hinter ihm die Türe des Lebens geschlossen. Wahrheiten vom Tage Judenausweisung in Baden. Zu einer Totalausweisung der Juden in der Schweselstadt ist es zwar nicht gekonimen, obgleich der antisemitische Bürgermeister Herr Kr> llmann eine solche Maßregel freudig begrüßen würde, aber eine Kostprobe solcher Feindseligkeit hat der Kafseehausbesitzer Engen C u b a t seinen israelischen Gästen vorläufig geboten. Am 14. v. M. -entschloß sich der biedere Geschäftsmann, chnen nrit Schimpf und Schande gewalttätig fein Lokal zu verbieten. Nachdem die allgemeine Entrüstung hierüber eine Verödung des Cubatschen Geschäftes zur Folge hatte, versucht der Besitzer durch eine ungeschickte Erklärung die Reinwaschung in der Weise, daß die brutale Ausweisung der Inden angeblich nur gegen jene gerichtet war, die sich als Schieber und Berufshasardeure betätigen. Dieser unrichtigen Darstellung widerspricht der Kaufmann Paul K o t a n y als Augenzeuge der Judenausweisung und berichtet zur Charakteristik des Herrn Cnbat, daß er mit dem Hakenkreuz, dem Symbol derJudenvernichtung, als Abzeichen seiner Gesinnung geschmückt unter den Gästen erschien. Damit wird die faule Ausrede, daß er es nur auf Schieber und Hasardeure abgesehen hatte, hinfällig. Ob die Gemaßregelten mit einem Kollektivschritt beim zuständigen Gericht den russischen Hakenkveuzler belangen werden, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber immerhin können wir die jüdischen Gäste Ms Cnbat nicht ganz von der Selbstschuld an dem schmachvollen Ereignis srorsprechen. Die Judenfeindschaft des Mannes konnte chnen angesichts des provozierenden Antisemitenabzeichens mi seinem Blocke nicht unbekannt sein. Die Unterstützung dieses Menschen durch Besuch seines Lokals muß schlechtweg als Gesinnungslosigkeit bezeichnet werden, die schließlich chren Lohn gesunden hat. Die Inden werden nach diesem Vorfall Cubats Lokal meiden, ob auch die Antisemitenstadt Baden iiberhaupt, das ist jetzt die große Frage. Waller Rachenau, deutscher Außenminister. In den vereinigten Reichen der Deutschnationalen, auch jenseits der Reichsgrenzen, schlagen die Flammen der Empörung lichterloh auf. Der Jude Rachenau ist zu der wichtigsten Stelle im Staate gelangt! Sein Rücktritt vom Posten des Aufbanministers war nur der Rücktritt zum Weitürsprung, der.jeden Rekord in deutschen Landen schlägt. Nicht ans Liebe für den Mann, sondern ans der schweren Not der Stunde erfolgte Rachenaus Berufung auf den ebenso ehrenden als verantwortungsvollen Posten. Wer die jüngste Vergangenheit Walter Rachenaus bewachtet hat, weiß, daß er durchaus kein Stveber oder Kleber ist und daß er ein Amt nur antritt, wenn er sich dessen bewußt ist >es voll und ganz aussüllen zu können. Die schönen Erso.lge seiner Wirksamkeit als gewesener Ausbanminister lassen den Schluß berechtigt -erscheinen, daß er auch den neuen, an ihn gestellten höheren Forderungen entsprechen werde. In der neueren Geschichte hat "Rachenau nicht seinesgleichen. Denkt man an Disraeli, so ist zu bedenken, daß dieser kein Volljude war und im La-use des höchsten Fveisinns zur Stelle des leitenden Staatsmannes gelangte. Rachenau aber hat im Zeichen der finstersten Reaktion seinen unerhörten Aufstieg genommen. Fast möchte man bei dieser Sendung an Zeichen und Wunder glauben. Jesus, der Rassenreme. Wie wohl wäre unseren deNtschnationälen Antisemiten, wenn nicht durch Zufall gerade Jesus, der. Begründer des Christentums, eiin Jude gewesen wäre. Das ist chnen riesig unangenehm und so machen sie krampfhafte Anstrengungen, Jesus von dem

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