Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 4 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063949-3063953--11606-3079018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gerte 10 Die-Wi gütigen Gottes, daß Menschen leiden nrüffen?" Diese uralte Frage, der bereits unser Lllestes Schrifttum im „Hiob" ein ganzes' Buch gewidüret hat, bedarf einer Einschränkung. Ein großer Teil aller Uebel, unter' denen wir Menschen leiden, ist aus das Konto menschlicher Schuld zu setzen. Vieles, was chm auferlegt ist, hat der einzelne sich selbst allein zuzuschreiben, an anderem trägt er mir seinen Mitmenschen im, engeren oder weiteren Kreise eine Mitschuld. Alle Gebrechen der sozialen Weltordmmg, die Dissonanzen im Verkehr der Völker untereinander, die Rückständigkeit der Heilkunst n. a. nt. steht auf diesem Blatte. Den Stachel, hiergegen sich aufzulehuen und bis zur SeOslausopserunZ zu kämpfen, bohrt uns dieser selbstverschuldete Menschenjammer in die Seele.. Dadurch wird diese Art von Unglück gerechtfertigt. Es hat seine gute, heilsame Wirkung. Weil es aber selbst verschuldet ist, nennt es Brod das „unedle" Unglück. Hievon zu unterscheiden ist das „edle" Unglück. Es sind die Erlebnisse, die vollständig außerhalb der Sphäre nrenschlicher Einflußnahme liegen. Hiezu wirkt das, was wir nicht zutreffende e als mit dem Worte „Gnade" bezeichnen können. Der Bereich des „unedlen Unglücks" ist das Reich der menschlichen Wahlsreiheit. „Der Himmel ist Gottes, aber die Erde gab er den Menschenkindern". Hier wird der sozial-ethisch wirkende Mensch zum Werkgenoffen Gottes. Er sorgt für die Erhöhung und Heiligung des göttlichen Namens, indem er in dem Konflikt zwischen Pflicht und Natur sich für jene gegen Liese entscheidet. Als Objekt des Willens, als Stofs für unsere sittliche Tat bejaht Pas Judentum die Welt der Materie. Sie wird aber nicht, wie vom Heidentum, heilig gesprochen, sondern dient zur .Heiligung des göttlichen Namens, zur Selbstheiligung des Menschen. Das 'Ziel dieser Selbstheiligung ist Harmonie zwischen Pflicht und Natur, sittlichbewußtem Wollen und Triebleben. Heilig ist, in dessen Seele dieser Einklang herrscht. „Aus dem Wege, den der Mensch sich wählt, treibt ihn eine höhere Kraft vorwärts." Auf dem Wege aufwärts. fördert ihn die „Gnade." Ans dem Bezirk des edlen Unglücks fällt ein Strahl in seine in Demut ergebene Brust. In der einen Ebene: Tat, in der anderen: Erlebnis. Beide ergänzen einander. Dies die Stellung des Jndenttrms zu der materiellen Welt, zu dem Dilemma hie Heidentum, hie Christentum! Der Punkt, in dem beide Reiche sich ^begegnen, ist die Gottesfurcht. Sie offenbart sich in der ^Sphäre des unMen Unglücks in der sittlichen Aktivität, in den guten Taten, in der des edlen Unglücks in Der Umkchr dem Stillch allen der Seele, die Gott in sich einströmen läßt, sich würdig macht des Gotteskuffes, der religiösen Aktivität. Ware das Auge nicht sonnenhaft, so könnte es die Sonne nicht scheu. Ist die Seele nicht empfänglich, so kann der göttliche F-nnke sie nicht entzünden. Dieses -sich an Gott Entzünden bekundet sich ästhetisch als Inspiration, ethisch als Heiligkeit. Der Begnadete lebt in beiden Welten zugleich, der des edlen und der des unedlen Unglücks. Seine Erfolge in dieser empfindet er als unverdiente Gabe, die in jener als Gnade, als Wunder. Diese Religion des Diesseitswunders, nicht heidnische Diesseitsbejahung, nicht christliche Diessettsvernemung, Las ist Judentum. Das Diesfeitswunder ist wie der Wind, der die Segel bläht und das Schiff rascher vorwärtstreibt. Als treibende Kraft braucht man dann die Ruder der Willenssrecheit nicht mehr, aber zum Stenern, um die besondere Richtung feslMhallen. So ist im Judentum göttliche Wellmiffion mit nationaler Restitution vereinbar. Dieser HrhrN _ Nr. 4 Gedanke bildet das Thema des letzten Kapitels dieses Werkes, das Brod als Bekenntnisbuch bezeichnet, .das aber für viele eine Fülle neuer Erkenntnisse enthält, vor allem aber, wie wir hoffen, auch der Verkennung des Judentums eine Schranke ziehen dürste, das man, sich im Banne der herrschenden Suggestion „nur noch als etwas Unvollkommenes, Dunkles, mit heidnischen Opferriten Durchsetztes, Barbarisches, raubtlerschmutzig Sinnlich- Niedriges" vorstellt. Bon ein zellten tieseiudringenden Abhandlungen über das Hohelied, über Christentum, Heidentum, den Talmud u. a. in., die das Buch enthält, sehen wir ganz ab. Die. leitende Grundidee, die wir, im Vorstehenden zu entwickeln versirchten, sollte an sich schon denkende Leser anregen, sich mit dem Original eingehend zu befassen. ■_ Palästinas Bodenschätze im Pflanzenreiche. Von Albert L ö w in Wien. Palästina war reich an Bodenprodukten, insbesondere im Pflanzenreiche. Es wächst und gedeihet in allen ' Talern, in Ebenen, aus Hügeln und Bergen, im Lande der Verheißung. Palästina erhielten unsere Ahnen als Trost für ihre Leiden und Qualen im Sanfoe der Aegypter. 2. B. M., 3. K., 8. V.: „So bin ich herabgekommen, es zu erretten von der Hand Mijzraims und es hinauszuführen >aus diesem Lande in ein gutes weites Land, in ein Land der Wafferbäche, der Quellen mit Waffermaffen, die hervovkommen Jm Tale und im Gebirge, in ein Land fließend von Milch und Honig." 5. B. M., 8. K., 7. B. und 8. V.: „Der Ewige, dein Gott, bringt dich in ein schönes Land-mit Weizen'- und Gerste und Weinstöcken, Feigenbäumen und Granatäpfeln, ein Land mit Oelbäumen und Honig." Unter den Baumpflanzungen Palästinas find''nachstehend verzeichnete besonders hervorzuheben: Die Ceder. Ein exotischer Baum aus dem niederen Libanon wachsend. Die Ceder gedeiht der Sage nach .seit der Erschaffung der Well am Libanon, während der Sintflut von Gott beschützt, um 'für den Tempel in Jerusalem das Holz zu liefern. Dia Ceder des Libanon ist unstreitig der chrwürdigste Baum,.den es aus Erden gibt, seit David und Salomo ist sie der „Baum Gottes". P fa l m, 80. K., 11. B.: „Sein Schatten deckte Berge: -seine Reben Cedern Gottes." P s a l m, 92. K., 13. V.: „Wie die Ecker am Libanon werden die Gerechten heranwachsen." . Das Cedernholz wurde zu zierlichen Bauten, zum Bau des Salomo-Tempels verwendet. 1. B. König e, 5. K., 20. V.: „So gebiete nun, daß man mir Cedern fälle aus dem Libanon," sprach Salomo zum Könige Chiron. 6. K., 9. V.: ... „und nachdem man das Haus (den Tempel) fertig gebaut, bedeckte man das Haus mit Gewölben und Brettern aus Cedern." 2. B. Samuel, 5. K., 11. V.: ...„und Chiron, der König von Z o a r, sandte Boten zu David und Cedernholz usw." Hohes Lied, 1. K., 17. V.: „Unserer Paläste Balken sind Cedern, Cypreffen unsere Decke." Sie sind nicht mehr zu 'finden die Riesenbäume, jenen gleich, die zum Tempelbau Jerusalems das Holz geliefert haben, sie stehen am Libanon sozusagen dem Tode geweiht. Laut dem Berichte eines PaMtrnareHenden (Forscher des