Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 4 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Heile 8 Die Wahrhekß M. 4 ’ SäagT er tut, ist wohlgetan, Alles Hm gelingt. Doch wer da in eiÄem Wahn Seine Zeit verbringt, Wer verspottet Gott geschwind Und in Frevel steht, Der wird sein wie Spreu im Wind, Leicht .und schnell verweht. Gut sein ist die höchste Pflicht Für den frommen Mann; Doch wer sie erfüllet nicht, Kaum bestehen kann Einst im himmlischen Gericht, Wo gepvüfet wird, Wer erfüllt Hut seine Wicht, Wer gefehlt, geirrt. Denn der Ew'ge achtet sehr, Wo der Fromme steht, Und der Sünder immer mehr In die Irre geht. Der dritte Psalm. Zahlreich meine Feinde sind Ewiger, mein Gott! Mes auf Verderben sinnt, Groß ist meine Not. Mete von der Seele mein Sprechen voller Freud': „Für den kann nicht Hilfe sein Jetzt und allezeit!" Aber du, o Wsltenherr! Bist ein -SchW um mich, Drum, wenn mir das Herze schwer, Wend' ich mich an dich. Ruse dich vertrauend an Vor dem schweren Werk, Und du hörst mich gnädig an Von dem heil'gen Berg. Ruhig leg' ich mich zur Ruh', Schlafe sorglos ein, Denn mein Schirm und Schutz bist -du. Kann's wohl bester sein? Meine Feiride furcht' ich. nicht, Die mich greisen an. Wenn der Ew'ge mit mir sicht, Sicher sieg' ich dann. Ewiger, du schlugst aufs Kinn Der Feinde große Zahl, Ihre Zähne nun sind hin, Und sie fliehen all'. Segne uns, o Weltenherr, Schütz' uns -weit und breit, Daß dir dienen immer m-chr Gern und allezeit! Die Stellung der Kantoren. Kurz nach -dem Zusammenbruche habe ich in Doktor Blochs Wochenschrift das Ditelthema. ausführlich behandelt und nachgewiesen, daß wie dem Priester nach dem jus «moWvum, auch dem Kantor nach dem Religionskodex, woferne er seine Stelle, als jostas po-ssessar inne hat, das benefidmn personale zngebilligt werden müsse. Dabei habe ich der Hoffnung Ausdruck gegeben, es -werde, in Würdigung meiner durchwegs belegten und schlüssigen Ausführungen, in Zukunft die den Kantoren widerfahrene Unbill wettgemacht und sie nach der Wichtigkeit ihres Amtes eingeschätzt werden. Als ich aber die traurige Wahrnehmung gemacht und eingeschen habe, daß die Menschen aus ihrem Jndiifferentismus nicht leicht, auszurütteln seien, versuchte ich in einem zweiten Artikel in der Zeitschrift „Die Wahrheit" «die Stellung der Kantoren in .der Gemeinde durch eine pragmatische Darstellung des Themas zu präzisieren und zu vervollständigen, dies in der Absicht, eventuell neuerlich drohender Unbill rechtzeitig vorzubeugen. Zu meinem Schmerze mußte ich aber gerade in der letzten Zeit feststellen, daß alle meine, aus einem unverbesserlichen Optimismus fließenden Hoffnungen vergeblich waren, daß die Kantoren nach wie vor nicht nur zu ihren Rechten nicht gelangen können, daß sie vielmehr, trotz stetiger Erweiterung ihres Pslichtenkreises, indiesen immer mehr geschmälert und geschädigt werden. In dieser Situation könnte ich, da ich mich nun einmal der Sache angenommen habe, weiteres Schweigen vor meinem eigenen Gewissen nicht verantworten und ich will deshalb noch einmal pflichterfüllend versuchen, -alle an der Klarstellung dieser Angelegenheit Interessierten dem Geiste gedankenlos festgehaltener Anschauungen ^und Behauptungen zu entreißen. Im 5. Buche Dwses Kap. 18, Vers 1, heißt es: „Die Priester, die Leviten des ganzen Stammes Ävi, sollen nicht Teil noch Erbe haben mit Israel,'die Opfer des Herrn und sein Erbteil sollen sie essen." Diese Stelle erklärt der Kommentator Unkulus dahin: Sie sollen von den Sperr, den, die man dem Ewigen bringt, ihren Unterhalt finden. Warum sollte nun den Pflegern des Gottesdienstes, kein unabhängiges, durch bürgerliche Erwerbstätigkeit fundiertes Dasein zuteil werden dürfen? Die Beantwortung * dieser Frage weist nach zwei Richtungen. Zunächst ans die einfache, dem praktischen Verstände naheliegende Erwägung, es würden die Zelebranten des Gottesdienstes, schon der allgemeinen menschlichen Natur nach, soferne sie an den priefterlichen Funktionen nicht auch ein materielles Interesse hätten, den Dienst vielleicht vernachlässigen, zumindest aber mit Unlust verrichten-, so daß dieser Gchähr liefe, nicht mit der erforderlichen Würde und unter Schädigung der Andacht durchgeführt zu werden. Außerdem liegt aber -dieser Vorschrift noch eine tiefer liegende, -theoretisch-moralische Intention zugrunde. Den Trägern -des Gottesdienstes — in unserer Zeit sind dies die Kantoren — sollte keine Gelegenheit zu der Versuchung gegeben werden, im Getriebe wirtschaftlicher ErwÄckstätigkeät eine unredliche Handlung zu begehen. Dagegen ist wieder ^anderseits dem Volke gleichzeitig eingeschärft worden, bei allen Familienereignisten, feien es festliche und freudige oder ernste und traurige, die Heger und Pfleger des Gottesdienstes nicht außer acht zu lasten. Hiedurch sollte das Volk, wie «durch andere Vorschriften zu körperlicher Ertüchtigung, zu ethischem Denken und Fühlen erzogen werden. Diese Normen sind keineswegs interimistisch, sie sind zu ewigem Rechte für die Nachkommen Israels festgesetzt worden und sind ebenso strenge zu beobachten wie etwa das Gesetz: Du sollst deinen Nächsten nichts vorenchalten und nichts rauben. Und tatsächlich haben sich -auch diese Normen im Wege der Tradition bis in unsere Zeit erhalten. Wie viele und mannigfache Unbill den Trägern des Gottesdienstes im Lcmse der Zeiten auch Angegangen fein mag, 'in Richtung auf diese Opferspenden kam. es bisher niemand in den Sinn, für sie einen trivialen Ausdruck zu gebrauchen. Erft