Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 4 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Niederganges eine emjte Gefährdung des Bestandes der Gemeinde. - Man kann emweuden: Das-, Pluto kratische Regime hat in der Kultusgemeinde versagt. Der Einwurf trifft aber nur den besonderen Fall, nicht das Prinzip. VLan braucht nur Wien mit irgend einer anderen nicht Groß-, sondern MittelgemeiNde zu vergleichen. Dort sorgt die Gemeinde selbst für die genügende Anzahl von Bethäusern, für ihre Wohlsahrtsanstalten, sür ihre Angestellten, für würdige Beteiligung an Leistungen, die über das eugsve Gebiet der einzelnen Gemeinde hiuausgreiseu. Hier in Wien herrschte aber Systemlosigkeit auf allen Gebieten. Man wurstelte sich fort. Keine Initiative, keine durchgreifende Maßnahme, keine Wirtschaft. Selbst zü einer ZÄt, hi der man, wenn schon nicht ans die eigene Wirtschastsgebaruug, so doch auf das Ansehen einzelner Vorsteher hin, jeden Kredit hätte erlangen können, überließ man in unverantwortlicher Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit, privater Energie den Ban von Bethäusern. Schranten- ,lose Protektionswirtschaft führte zu einem Uöberfluß an Angestellten. Aus Bethaussitzen und Kasuatieu hätte bei aller Wahrung des sozialen.Momentes ein Vielfaches erzielt'werden können. Das Steuerwesen vor allem arbeitete nach den kläglichsten Methoden. Staatliche Subventionen, wie sie anderen Religionsgemeinschaften zusließen, lchute man mit vornehm tuender Geste ab. An Reserven sür schwerere Zeiten dachte niemand. „Nach mir die Sintflut!" So steuerte man sorglos einem Abgrund zu, vor dem wir jetzt erschauernd angelangt sind. (Schluß folgt.) Glossen zur Balfour-Rede in Washington. r- .^'.Der AöfftKielle Messias der Zionisten wurde von diesen, in Washington wie ein solcher gefeiert. Besonders interessant sind die Eingangsworte der Balsour-Rede: „Ich bin von dem, was Rabbi Lewenthal sagte, wie auch von dem Inhalt der übrigen Reden tief gerührt. Leider verstand ich nicht die einzelnen Worte, die in jener Sprache ausgedrückt wurden, durch welche der Menschheit so viele Weisheiten vermittelt wurden, da ich zu meinem Bedauern nicht zu jenen Personen gehöre, d enen s i ch d-i e Gele genh eit bo t, si ch zu hebräischen Gelehrten a u s z u b i l d e n. Immerhin verstehe ich den Sinn der Rede und ich kann nur versichern, daß sie mir tief ins Herz gedrungen ist. Besonderen Dank will ich. Herrn Sokolow abstatten für «all das Lob, daß er mir sür die Arbeit spendete, an welcher ich in so bescheidenem Maße mitgewirkt Habe. Die soeben gehaltene Rede hat in bezaubernden Worten das Ideal beleuchtet, das uns allen, die wir uns hier in diesem Zimmer befinden, so sehr am Herzen liegt. Sie hat aber auch die Schwierigkeiten nicht verschwiegen oder unterschätzt, die sich auf dem Wege zur Verwirklichung des Ideals entgegenstellen. Die Rede war durchaus nicht pon der Stimmung eines närrischen, unintelligenten Optimismus getragen, und während der Redner alle Schwierigkeiten, mit denen die große Ausgabe des Zionismus verbanden ist, unerschrocken feststellt und zugibt, zeigte sich dennoch in der Rede von der ersten SiÜ»e bis zur letzten nicht.das geringste Zeichen von Unsicherheit oder von Zweifel an dem endlichen Erfolg des großen Unternehmens, das uns alle beschäftigt." Balfours Rede war die des vollendeten Gentlemans, der den Herren Zionisten die bei derartigen Anlässen üblichen Artigkeiten sagte. AuS diesem Umstande hochfliegende Erwartungen abzuleiteu, ist ebenso haltlos ixm phantastisch, ■ oder etwas Schlimmeres! Im Lause der Unterhaltung Balfours mit der zionistischen Delegation wurden aus beiden Seiten sehr schöne, verbindliche und angenehme Worte gewechselt. Beiderseits wurde einem Idealismus Ausdruck gegeben, an dessen Echtheit, sofern Balfour in Betracht kommt, zu zweifeln keine Ursache vorliegt. Dieser Mann zählt zu der Gruppe der Bibel-Engländer, die sich von den Geschäfts- Engländern scharf scheiden. Nichtsdestoweniger, hat Balfour den ehrenwerten Delegierten manches kühle und kluge Wort gesagt das als Lehre dienen mag, daß ein Idealist nicht notwendig auch Utopist sein muß. Unter anderen Aeußerungen möge auch verzeichnet und beherzigt werden: „Ihre Pflicht ist, Ihre Arbeit hier zu leisten. Die englische Regierung tut ihre Arbeit in Palästina. Sie müssen Diplomatie und reifliche Ueberlegung bekunden!" Sollte hiemit sub ro8u gemeint sein, daß es den zionistischen Führern an diesen beiden wichtigen Bedingungen bisher mangelte? Herr Ro senberg konnte nicht umhin, den amerikanischen Juden zu suggerieren, daß sie „sicherlich den Ausbau dieser (der zionistischen. D. Red.) Unternehmungen auf sich nehmen würden". Die tausendfältig bekundete Munifizenz der amerikanischen Juden stcht außer Frage, hängt aber von gewissen Voraussetzungen ab. Man 'denke an den Abbruch der segensreichen Joint-Aktionen in Wien. Jeder Milde sind Grenzen ihres Mißbrauchs gesetzt. Gewissen Systemen und Gruppen in der zionistischen Organisation sollte das eine Mahnnug sein. Balsonrs Schlußbemerkung, daß e r noch jetzt bezüglich Palästinas dasselbe Ziel vor Augen habe, das chm bei Abgabe der Deklaration vorschwebte, war sicherlich aufrichtig; es fragt sich nur, ob dieses Ziel nicht seitdem in weitere Ferne gerückt ist und die schwersten Hindernisse nicht aus dem Wege dahin mitlerwei'le gelegt wurden. Immerhin, Balfour ist ein Gewinn für die zionistische Organisation, eine feine Marke für das Propagandagesch-st. _____ Metrische Übersetzung der Psalmen Davids?) Von Fritz Bauer. Der erste Psalm. Heil dem Mann«, der nicht geht tn der Frevler Rat, >er am Sünderweg nicht steht, Der nicht Anteil hat An der Spötter Sammelort, Solchem gerne liest voll Freud' In des Ew'gen Lehr und Wort Stets, zu jeder Tageszeit. Solcher wird gepflanzet sein Wie ein Baum am Bach, Der zur Zeit bringt Früchte fein Ohne Ungemach. Deffen Blätter welken nie, Der dem Winde trotzt Ohne jede große Müh' Und von Kräften strotzt. *) Wir geben im Nächstes enden Proben eine? jugendlichen Talents das zu schönen Erwartungen berechtigt. Der Geist der heiligen Tichiung ist erstaunlich gut begriffe^, wenn auch die Form noch nicht jene Vollendung zeigt die lange Übung und wachsender Sprachgefühl bringt.